Scout24-Aktie zieht kräftig an: Prognose nach Q3-Sprung erhöht
Starke Quartalszahlen und ein präziserer Jahresausblick treiben die Aktie der Scout24 SE (ISIN: DE000A12DM80) am Mittwochvormittag im Xetra-Handel um 4,62 Prozent auf 89,50 Euro nach oben. Der Betreiber des Immobilienportals ImmoScout24 übertraf im dritten Quartal die Markterwartungen und münzt seine neuen KI-Werkzeuge zunehmend in hochmargige Abonnement-Umsätze um.
Nach einem bereits soliden ersten Halbjahr hat das Münchner Unternehmen das Tempo zwischen Juli und September nochmals verschärft. Der Konzernumsatz kletterte im dritten Quartal im Jahresvergleich um 19,7 Prozent auf 198,2 Millionen Euro. Selbst ohne die jüngsten Zukäufe im spanischen Markt wuchs das Kerngeschäft organisch um beachtliche 10,1 Prozent.
An der Börse kommt diese operative Konstanz hervorragend an. Nachdem die Papiere zum Handelsstart noch kurzzeitig bei 85,80 Euro verharrten, setzte im Laufe des Vormittags eine dynamische Kaufwelle ein, die den Kurs in der Spitze bis auf 89,55 Euro führte.
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Operatives Ergebnis und Gewinn je Aktie auf Rekordkurs
Besonders die hohe Skalierbarkeit des Plattformmodells sticht im Zahlenwerk hervor. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit) legte um 15,9 Prozent auf 120,8 Millionen Euro zu. Während die berichtete EBITDA-Marge aufgrund der Integration des zugekauften Spaniengeschäfts rechnerisch leicht nachgab, weitete sich die organische Marge um 0,4 Prozentpunkte auf stolze 63,3 Prozent aus.
Noch steiler nach oben zeigte die Kurve beim bereinigten Ergebnis je Aktie (EPS), das um 21,5 Prozent auf 1,09 Euro sprang. Neben dem operativen Zuwachs wirkten sich hier auch die laufenden Aktienrückkäufe im Volumen von 165 Millionen Euro während des dritten Quartals verdichtend auf den Gewinn pro Anteilschein aus. In den ersten neun Monaten des Jahres summiert sich der Konzernumsatz damit auf 570,5 Millionen Euro (+17,9 Prozent) bei einem operativen EBITDA von 344,7 Millionen Euro (+15,1 Prozent).
Wachstumstreiber Scout24: B2B-Geschäft und Privatkunden-Abos überzeugen
Beide tragenden Säulen des Konzerns übertrafen die Konsensschätzungen der Analysten. Im Segment mit gewerblichen Immobilienprofis (Professional) schossen die Erlöse um 23,3 Prozent auf 146,7 Millionen Euro nach oben. Allein die deutschen B2B-Abonnementumsätze legten dank stabiler Bestandskunden und erfolgreicher Neukundengewinnung um 11,5 Prozent zu. Parallel dazu gewinnt die spanische Sparte kontinuierlich Marktanteile und arbeitet zunehmend profitabler.
Für die größte positive Überraschung sorgte jedoch das Privatkundensegment (Private), das die Markterwartungen um rund drei Prozent schlug. Die Umsätze zogen hier um 10,5 Prozent auf 51,6 Millionen Euro an. Angesichts des nach wie vor engen Miet- und Kaufmarktes in deutschen Ballungsräumen greifen Wohnungssuchende vermehrt zu kostenpflichtigen Premium-Profilen. Im dritten Quartal gewann Scout24 netto 16.300 neue private Abonnenten hinzu – nach 10.100 im zweiten und 4.000 im ersten Quartal eine deutliche Beschleunigung. Gleichzeitig kletterte der durchschnittliche Erlös pro Nutzer (ARPU) in diesem Bereich um 8,9 Prozent.
KI-Strategie „Agentic OS“ öffnet neue Erlösquellen
Für bestehende Aktionäre verschiebt die erfolgreiche Einführung der sogenannten „Agentic OS“-Lösungen vor allem die Preissetzungsmacht nach oben. Scout24 integriert dabei spezialisierte künstliche Intelligenz direkt in die Arbeitsabläufe von Maklern und Suchenden. Gewerbliche Kunden automatisieren über die Plattform wiederkehrende Verwaltungsaufgaben, während Privatkunden über höherwertige Mitgliedschaften auf KI-gestützte Bewerbungsassistenten zugreifen.
Die Monetarisierung dieser Werkzeuge greift bereits messbar: Wohnungssuchende mit einer „Unlimited“-Mitgliedschaft erhalten mithilfe des KI-Assistenten rund viermal so viele Einladungen zu Besichtigungen wie reguläre Nutzer. Inzwischen entfallen bereits rund 40 Prozent aller privaten Abonnements auf die hochpreisigen „Pro“- und „Unlimited“-Tarife. Das Management hat damit den Beweis erbracht, dass künstliche Intelligenz nicht nur als defensives Kostensenkungsinstrument dient, sondern direkt höhere Zahlungsbereitschaften bei den Kunden weckt.
Auf Basis dieser Dynamik konkretisierte der Vorstand die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 am oberen Ende der bisherigen Spanne. Statt eines Zuwachses von 16 bis 18 Prozent peilt Scout24 nun ein Umsatzplus von rund 18 Prozent an (inklusive eines anorganischen Beitrags von sieben bis acht Prozentpunkten). Die Zielmarken für die operative EBITDA-Marge von bis zu 61 Prozent (berichtet) beziehungsweise 64 Prozent (organisch) wurden vollumfänglich bestätigt.
Fazit: Was hinter der aktuellen Bewertung steckt
Mit dem Kurssprung am Vormittag honoriert der Markt die Kombination aus verlässlichem Kerngeschäft und neuer technologischer Hebelwirkung. Für die weitere Kursentwicklung der Scout24-Aktie geben drei Faktoren den Takt vor:
- Gesteigerte Visibilität: Die Eingrenzung der Umsatzprognose auf das obere Ende bei rund 18 Prozent untermauert die Krisenresistenz des digitalen Anzeigenmodells unabhängig von kurzfristigen Zins- oder Baukonjunkturschwankungen.
- Erfolgreiches Upselling durch KI: Die hohe Quote von 40 Prozent in den teuersten Abo-Stufen zeigt, dass die „Agentic OS“-Neuerungen den Durchschnittserlös pro Nutzer (ARPU) nachhaltig nach oben treiben.
- Starke Cashflow-Rückführung: Die organische EBITDA-Marge von über 63 Prozent finanziert nicht nur die internationale Expansion in Spanien, sondern stützt über fortlaufende Aktienrückkäufe direkt das Gewinnwachstum je Aktie (+21,5 Prozent).