Puma-Aktie im Aufwind: Lagerabbau stützt trotz Verlust
Die geschäftliche Realität in Herzogenaurach könnte derzeit kaum gegensätzlicher ausfallen. Während der große Lokalrivale Adidas von einer dynamischen Nachfrage profitiert und kräftig wächst, befindet sich die PUMA SE (ISIN: DE0006969603) mitten in einer tiefgreifenden Restrukturierung. Auch im dritten Quartal 2026 musste der Sportartikelhersteller rückläufige Umsätze und rote Zahlen auf operativer Ebene hinnehmen. Dennoch zeigen sich die Anleger bemerkenswert zuversichtlich: Zum Xetra-Handelsschluss ging die Puma-Aktie mit 27,06 Euro und einem deutlichen Aufschlag von 1,65 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 26,62 Euro aus dem Handel (Tagesspanne: 26,45 bis 27,25 Euro).
Dass der MDAX-Titel trotz der operativen Einbußen weiter zulegen kann, ist vor allem auf signifikante Fortschritte bei der Bilanzbereinigung sowie die strategische Rückendeckung durch den neuen chinesischen Großaktionär Anta Sports zurückzuführen.
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Quartalszahlen im Fokus: Warum die Puma-Aktie Stärke zeigt
Ein Blick auf die Gewinn- und Verlustrechnung des abgelaufenen Jahresviertels offenbart zunächst die Schattenseiten des laufenden Konzernumbaus. Der Umsatz sank im dritten Quartal auf berichteter Basis um 5,0 Prozent – währungsbereinigt sogar um 6,3 Prozent – auf rund 1,78 Milliarden Euro. Besonders in der wichtigen Region EMEA (-11,5 Prozent auf 801,2 Millionen Euro) sowie in Nordamerika (-17,2 Prozent) machten sich die Konsumzurückhaltung und der bewusste Rückzug aus margenschwachen Großhandelskanälen bemerkbar. Lediglich die Region Asien/Pazifik sorgte mit einem währungsbereinigten Plus von 10,0 Prozent auf 394,6 Millionen Euro für einen Lichtblick, getrieben unter anderem durch beliebte Lifestyle-Modelle wie den „Speedcat“.
Auf der Ergebnisseite drückten höhere Betriebskosten für eigene Läden, das Online-Geschäft und IT-Strukturen sowie Einmaleffekte aus dem Kosteneffizienzprogramm in Höhe von 11,7 Millionen Euro auf die Bilanz. Obwohl niedrigere Beschaffungskosten und Zollrückerstattungen die Rohertragsmarge um starke 420 Basispunkte auf 49,5 Prozent hievten, rutschte das operative Ergebnis (EBIT) mit minus 11,4 Millionen Euro in die Verlustzone (Vorjahr: plus 16,2 Millionen Euro). Unter dem Strich stand ein Nettoverlust aus fortgeführten Geschäftsbereichen von 54,9 Millionen Euro beziehungsweise minus 0,37 Euro je Aktie zu Buche.
Drastischer Lagerabbau und Investitionsbremse im Übergangsjahr
Was die Börse jedoch weitaus stärker honoriert als den bereits im Vorfeld erwarteten Quartalsverlust, ist die konsequente Bereinigung der Bilanzstruktur. Unter der Führung von Vorstandschef Arthur Höld hat Puma das Problem überquellender Warenlager im Handel und in den eigenen Depots entschlossen angepackt. Durch gedrosselte Einkaufsvolumina wurden die Vorräte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum drastisch um 24,3 Prozent auf rund 1,61 Milliarden Euro abgebaut. Damit hat der Konzern seine Zielmarken für die Normalisierung der Lagerbestände schneller erreicht als von vielen Marktbeobachtern kalkuliert.
Flankiert wird dieser Schritt von einer strikten Ausgabendisziplin. Im Rahmen des ausgerufenen Übergangs- und Reset-Jahres 2026 tritt das Management bei den Investitionen (CAPEX) kräftig auf die Bremse: Statt der ursprünglich veranschlagten rund 200 Millionen Euro sollen im Gesamtjahr nun weniger als 150 Millionen Euro investiert werden. Diese Maßnahmen zeigten unmittelbare Wirkung beim Mittelzufluss: Der freie Cashflow drehte im dritten Quartal deutlich ins Plus und erreichte 92,0 Millionen Euro, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Mittelabfluss von 43,0 Millionen Euro verzeichnet worden war. Für das Gesamtjahr 2026 konkretisierte der Vorstand zudem die EBIT-Prognose auf einen erwarteten Verlust zwischen 80 und 130 Millionen Euro (zuvor: minus 50 bis minus 150 Millionen Euro).
Anta Sports und Analysten: Die Perspektiven für Puma
Neben der erfolgreichen Lagerbereinigung stützt vor allem der Einstieg von Anta Sports die Fantasie der Investoren. Der chinesische Sportartikelriese hat im Oktober die Übernahme eines rund 29-prozentigen Aktienpakets von der französischen Milliardärsfamilie Pinault (Artemis) abgeschlossen und ist damit zum größten Einzelaktionär von Puma aufgerückt. Während die Neuordnung im Aktionärskreis bei chinesischen Großhandelspartnern kurzfristig für eine gewisse Bestellzurückhaltung sorgte, arbeiten Puma und Anta bereits intensiv an einem neuen Betriebsmodell für den chinesischen Markt. Dieses soll künftig deutlich stärker auf den profitablen Direktvertrieb an Endkunden (Direct-to-Consumer) ausgerichtet werden, in dem Anta über enorme Expertise verfügt.
In den Reihen der Analysten sorgt die Gemengelage aus operativer Talsohle und strukturellem Aufbruch für unterschiedliche Bewertungen:
- Jefferies & UBS: Experten heben insbesondere den rapiden Abbau der Lagerbestände als entscheidenden Pluspunkt hervor. Damit schaffe das Management eine saubere Basis für das Geschäftsjahr 2027, in dem Puma wieder zu profitablem Wachstum zurückkehren will.
- JPMorgan & mwb research: Beide Häuser zeigen sich angesichts der noch schwachen Endkundennachfrage im Westen und hoher Betriebskosten abwartend. JPMorgan hob das Kursziel zwar leicht auf 26,00 Euro an (Einstufung: „Neutral“), während mwb research bei einem „Hold“-Votum mit einem Ziel von 24,00 Euro bleibt.
- Berenberg: Deutlich optimistischer blickt die Privatbank Berenberg in die Zukunft. Sie sieht den Konzernumbau als weitgehend abgeschlossen an und bekräftigt ihre Kaufempfehlung („Buy“) mit einem ambitionierten Kursziel von 40,00 Euro.
Für Anleger bleibt die Puma-Aktie damit eine klassische Turnaround-Wette: Während Rivale Adidas mit starkem Momentum im Tagesgeschäft glänzt, kauft der Markt bei Puma derzeit die Aussicht auf eine gestärkte Bilanz, sinkende Kapitalbindung und die strategischen Hebel durch den geduldigen neuen Ankeraktionär Anta Sports ab dem Jahr 2027.