Krimi um TAP: Lufthansa muss im Übernahme-Poker nachbessern

Flugzeuge am Flughafen mit markanten blauen Heckflossen und einem Fahrzeug im Vordergrund.
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Im Bieterwettbewerb um die portugiesische Fluggesellschaft TAP Air Portugal geht es in die heiße Phase. Die Regierung in Lissabon peilt für Mitte Oktober eine richtungsweisende Vorentscheidung über den Einstieg eines Großinvestors an. Doch für die Deutsche Lufthansa zeichnet sich ein unerwartet zähes Ringen ab.

Kopf-an-Kopf-Rennen statt Alleingang für die Lufthansa

Während der Kranich-Konzern (ISIN: DE0008232125) ursprünglich vielerorts als alleiniger Favorit für den Zuschlag gehandelt wurde, zeigt die aktuelle Lage ein anderes Bild. Die portugiesische Regierung hat nach einer ersten Prüfung die Offerten der Lufthansa und ihres schärfsten Rivalen Air France-KLM als „im Großen und Ganzen gleichwertig“ eingestuft. Dies zwingt beide Luftfahrt-Giganten nun in eine ungeplante Extrarunde: Innerhalb der nächsten drei Wochen müssen die Konzernspitzen ihre Angebote für den zum Verkauf stehenden Minderheitsanteil von 44,9 Prozent signifikant nachbessern.

Für den portugiesischen Staat geht es dabei nicht nur um den reinen Kaufpreis, der für das Gesamtunternehmen auf knapp zwei Milliarden Euro geschätzt wird. Ebenso im Fokus stehen weitreichende Investitionszusagen, Garantien für das wichtige Drehkreuz Lissabon und der Erhalt der lukrativen Südamerika-Routen, bei denen TAP traditionell eine Vormachtstellung einnimmt.

Herausforderungen bei TAP Portugal und strategische Bedeutung

Der Gewinner dieses Privatisierungsprozesses sichert sich ein strategisch immens wertvolles Sprungbrett über den Südatlantik, insbesondere nach Brasilien. Allerdings übernimmt der künftige Großaktionär auch eine finanzielle Baustelle. Angesichts stark gestiegener Treibstoffkosten hat TAP Portugal seinen Nettoverlust im ersten Halbjahr 2026 um 40 Prozent auf fast 100 Millionen Euro ausgeweitet. Der Käufer muss also nicht nur tief in die Tasche greifen, um den Zuschlag zu bekommen, sondern im Zweifelsfall auch erhebliches Kapital für die operative Weiterentwicklung mitbringen.

Lufthansa Aktie reagiert verhalten auf die Hängepartie

Am Aktienmarkt wird die aktuelle Hängepartie im TAP-Poker mit einer gewissen Zurückhaltung aufgenommen. Die Investoren wägen die enormen strategischen Chancen eines Einstiegs in Südeuropa gegen die drohenden finanziellen Belastungen ab. Am Donnerstagmittag tendierte die Lufthansa-Aktie an den europäischen Leitbörsen leicht im Minus und notierte bei rund 7,65 Euro.

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Sollte die Lufthansa nach Ablauf der dreiwöchigen Nachbesserungsfrist den Zuschlag im Oktober erhalten, würde CEO Carsten Spohr die europäische Konsolidierungsstrategie nach dem Einstieg bei der italienischen ITA Airways weiter konsequent vorantreiben. Wir behalten die weitere Entwicklung in diesem spannenden Bieterrennen für Sie im Auge.