Linde-Aktie: Korrektur als Einstiegschance
Frische Bestmarken bei Umsatz und Gewinn – und trotzdem ein Kursrutsch: So lässt sich das jüngste Quartal von Linde zusammenfassen. Anleger störten sich an schwächeren Margen und schickten die Aktie auf Talfahrt.
Mit dem Rücksetzer wurde die steigende 200-Tage-Linie erfolgreich getestet. Damit könnte sich jetzt eine gute Einstiegsgelegenheit in den langfristigen Aufwärtstrend bieten.
Weltweit führender Hersteller von Industriegasen
Bereits seit Oktober 2018 heißt das Unternehmen nicht mehr Linde AG, sondern Linde plc. Hintergrund war die Fusion mit dem amerikanischen Konkurrenten Praxair, im Zuge derer der Firmensitz nach Irland verlegt wurde. Geführt wird der Konzern aber von Danbury im US-Bundesstaat Connecticut aus. Bislang hat sich die Fusion mit Praxair als „Traumhochzeit“ erwiesen. Seit dem Zusammenschluss hat sich der Börsenwert in der Spitze mehr als verdreifacht.
Mit einem Marktanteil von über 30% ist Linde der weltweit führende Hersteller von Industriegasen, die in verschiedenen Bereichen wie dem Energiesektor, der Stahlproduktion, der Chemieverarbeitung, dem Umweltschutz oder medizinischen Therapien zum Einsatz kommen. Darüber hinaus plant und baut Linde Industrieanlagen für verfahrenstechnische Projekte sowie die Herstellung von Anlagenkomponenten.
Trotz Rekordzahlen gibt der Kurs nach
Ende Juli legte Linde für das zweite Quartal erneut starke Zahlen vor. Der Umsatz kletterte im Vorjahresvergleich um 9% auf 9,3 Mrd. Dollar, der Nettogewinn verbesserte sich ebenfalls um 9% auf 1,93 Mrd. Dollar. Das bereinigte Ergebnis wuchs um 10% auf 4,50 Dollar je Aktie und fiel damit besser aus, als Analysten erwartet hatten.
Besonders gut lief das margenstarke Elektronikgeschäft: Der Auftragsbestand für neue Großprojekte stieg um rund 14% auf ein Rekordniveau von 8,1 Mrd. Dollar, unter anderem dank eines neuen Großauftrags aus den USA. Erst kürzlich kündigte Linde zudem eine Investition von 1 Mrd. Dollar in neue Anlagen in Arizona an, die ultrahochreinen Stickstoff, Sauerstoff und Argon für zwei neue Halbleiter-Fabriken liefern werden.
Lediglich die operative Marge kam bei den Anlegern nicht so gut an: Belastet durch das kriselnde US-Homecare-Geschäft Lincare und einen margenschwächeren Produktmix sank sie leicht. Das Management kündigte Gegenmaßnahmen an. Für das Gesamtjahr 2026 hob Linde dennoch die untere Spanne der Gewinnprognose an: Je Aktie werden nun 17,70 bis 17,90 Dollar erwartet, ein Plus von 8 bis 9%. Auch bei der Dividende bleibt Linde auf Kurs: Mit einer Serie von 29 Jahren in Folge steigender Ausschüttungen zählt der Konzern zu den Dividenden-Aristokraten.

Quelle: TradingView
Korrektur stoppt an der steigenden 200-Tage-Linie
Trotz der guten Zahlen reagierten die Anleger mit Verkäufen – die Sorgen um die Marge wogen offenbar schwerer als die Rekorde bei Umsatz und Gewinn. Erst Anfang Juli hatte die Aktie bei 548 Dollar ein neues Allzeithoch markiert. Aktuell notiert der Titel rund 10% unter diesem Rekord.
In der vergangenen Woche hatte der Kurs kurzzeitig die steigende 200-Tage-Linie bei etwa 475 Dollar unterschritten, von hier aus aber umgehend nach oben gedreht. Aktuell notiert der Kurs wieder komfortabel darüber. Damit stehen die Chancen gut, dass sich der Aufwärtstrend bei Linde fortsetzt. Die Korrektur könnte sich als gute Einstiegsgelegenheit erweisen.