Hugo Boss: Aufsichtsratschef geht nach Frasers-Machtkampf

Hugo Boss: Aufsichtsratschef geht nach Frasers-Machtkampf
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Hinter den Kulissen des Metzinger Modekonzerns Hugo Boss ist es in den vergangenen Monaten unruhig geworden. Nun hat der schwelende Konflikt mit dem britischen Großaktionär Frasers Group personelle Konsequenzen: Stephan Sturm, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, zieht sich zurück. Für Anleger stellt sich die Frage, wie es bei dem MDAX-Konzern weitergeht und welche Pläne die Briten nun verfolgen.

Stephan Sturm verlässt Hugo Boss: Frasers Group setzt sich durch

Nach anhaltendem Druck durch die britische Frasers Group legt Stephan Sturm sein Mandat als Mitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrats zum 15. Oktober 2026 nieder. Die Entscheidung sei nach „konstruktiven Gesprächen vor dem Hintergrund der jüngsten Veränderungen in der Aktionärsstruktur“ in gegenseitigem Einvernehmen getroffen worden. Die Frasers Group, zu der unter anderem der Sportartikel-Händler Sports Direct gehört, hatte Sturm in den vergangenen Wochen offen das Vertrauen entzogen. Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte es deutliche Differenzen um die Höhe der Dividendenausschüttung gegeben.

Der Rückzug markiert den vorläufigen Höhepunkt eines Übernahmekampfes. Die Briten halten mittlerweile knapp 48 Prozent der Anteile an Hugo Boss und haben kürzlich angekündigt, die strategisch wichtige Schwelle von 50 Prozent der Anteile und Stimmrechte überschreiten zu wollen. Ein erstes formelles Übernahmeangebot im Sommer war noch knapp gescheitert.

Frasers Group drängt auf weiteren Einfluss im Kontrollgremium

Mit dem bevorstehenden Abgang von Sturm will der Großaktionär seinen Einfluss in Metzingen unweigerlich weiter ausbauen. Frasers strebt an, den frei werdenden Platz im Kontrollgremium mit einem eigenen Kandidaten zu besetzen. Nominiert wurde Robert Palmer, der in der Vergangenheit bereits wichtige Funktionen für die Briten ausübte. Damit hätte Frasers neben ihrem CEO Michael Murray – dem Schwiegersohn von Frasers-Gründer Mike Ashley – zukünftig einen zweiten direkten Vertreter im Aufsichtsrat von Hugo Boss. Wer letztlich den Vorsitz des Gremiums übernehmen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Als Reaktion auf das zunehmend aggressive Vorgehen des Großaktionärs hatte der Vorstand von Hugo Boss erst Anfang September ein im August gestartetes Aktienrückkaufprogramm vorzeitig gestoppt. Dieses taktische Manöver verdeutlicht die angespannte Lage, in der sich das Management derzeit befindet.

Aktueller Blick auf die Hugo Boss Aktie (DE000A1PHFF7)

Für Anleger stellt die andauernde Unsicherheit über die künftige Führungsstruktur und Strategie naturgemäß einen Risikofaktor dar. Das aktuelle Marktumfeld für Luxus- und Modeaktien ist aufgrund der weltweit schwachen Konsumlaune – und der anhaltenden Schwäche auf dem wichtigen chinesischen Markt – ohnehin herausfordernd.

Dennoch zeigt sich die Hugo Boss Aktie (ISIN: DE000A1PHFF7) von dem jüngsten Stühlerücken im Aufsichtsrat weitgehend unbeeindruckt. Am späten Vormittag des heutigen Handelstages notiert das Papier an der Börse bei rund 38,21 Euro. Die Papiere konsolidieren damit weiterhin in einer recht engen Handelsspanne, nachdem sie im Sommer angesichts der ersten Übernahmewirbel unter Druck geraten waren.

Anleger sollten die weiteren Schritte der Frasers Group genau im Blick behalten. Sobald die 50-Prozent-Marke offiziell fällt, könnten die Briten weitreichende operative Veränderungen beim schwäbischen Traditionsunternehmen durchsetzen, was wiederum neue Impulse für den Aktienkurs liefern dürfte.