HelloFresh-Aktie: Umsatz sinkt, Konzern hält an Gewinnziel fest

Offener Karton mit Tüten voller frischem Gemüse und einer Begrüßungskarte.
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Der Berliner E-Commerce-Konzern HelloFresh hat im zweiten Quartal mit einer anhaltenden Konsumflaute und rückläufigen Bestellungen zu kämpfen. Während der Umsatz einen spürbaren Dämpfer verzeichnete, hält das Management des Unternehmens dank strikter Kostendisziplin weiterhin an den operativen Gewinnzielen für das laufende Geschäftsjahr fest.

Rückläufige Erlöse und stabiles operatives Ergebnis

Der Konzernumsatz sank im Zeitraum von April bis Juni währungsbereinigt um 7,8 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro. Insbesondere im einstigen Kerngeschäft mit den Kochboxen zeigte sich eine deutlich schwächere Nachfrage. Das Bestellvolumen verringerte sich, da die Konsumenten angesichts des makroökonomischen Umfelds und anhaltender Inflationseffekte zurückhaltender agierten. Um dieser Entwicklung rechtzeitig entgegenzuwirken, hat das Management ein weitreichendes Effizienzprogramm initiiert, dessen Umsetzung deutliche Fortschritte macht.

Durch die konsequente Senkung der relativen Marketingausgaben sowie die Optimierung interner Prozesse und Logistikstrukturen konnte die Profitabilität auf Konzernebene weitgehend geschützt werden. Das bereinigte EBITDA erreichte im zweiten Quartal 120,6 Millionen Euro. Zwar liegt dieser Wert unter dem Niveau des Vorjahres, in dem noch 158,5 Millionen Euro erzielt wurden, er befindet sich jedoch exakt im Rahmen der aktuellen konzerneigenen Erwartungen. Ein genauerer Blick auf die operativen Kennzahlen verdeutlicht, dass die Marge bei den Kochboxen mit 15,2 Prozent äußerst robust blieb. Im Zuge dieser Entwicklung rückte die HelloFresh-Aktie (ISIN: DE000A161408) nach der Vorlage der Quartalsergebnisse erneut in den Fokus zahlreicher institutioneller Investoren.

Der SDAX-Konzern setzt im aktuellen Marktumfeld vermehrt auf Qualität und eine loyale Stammkundschaft. Anstatt kurzfristiges Wachstum durch aggressive Neukundenrabatte zu erzwingen, liegt der Fokus auf der Erhöhung des durchschnittlichen Bestellwerts. Diese Priorisierung der Marge wird im Branchenumfeld als strategische Notwendigkeit erachtet, um das Geschäftsmodell nach den außerordentlichen Wachstumsjahren nachhaltig zu festigen.

Marktreaktion und charttechnisches Umfeld

Die Präsentation der jüngsten Geschäftszahlen rief am Aktienmarkt ein gemischtes Echo hervor. Da das Management nun erwartet, dass das Umsatzwachstum für das Gesamtjahr am unteren Ende der zuvor ausgegebenen Spanne liegen wird, reagierten einige Marktteilnehmer umgehend mit Verkäufen. Die Notierungen der Anteilsscheine verzeichneten in der Folge eine deutliche Volatilität und pendelten sich zeitweise im Bereich historischer Tiefststände um die Marke von 3,40 Euro ein.

Im gesamten Sektor der Lebensmittel-Lieferdienste und E-Commerce-Anbieter ist derzeit eine ausgeprägte Zurückhaltung der Investoren zu beobachten. Zahlreiche Branchenvertreter leiden unter veränderten Konsumgewohnheiten, nachdem die Boomjahre der Pandemie vorüber sind. Bei dem Berliner Essenslieferanten spiegelt sich diese Anpassungsphase markant im langfristigen Chartbild wider. Marktanalysten weisen darauf hin, dass die aktuelle Bewertung des Papiers vielerlei konjunkturelle Risiken bereits einpreist. Eine nachhaltige Bodenbildung wird von Expertenkreisen jedoch erst dann als wahrscheinlich erachtet, wenn das Unternehmen eine glaubhafte Perspektive für die Rückkehr auf einen stetigen Wachstumspfad aufzeigen kann.

Trotz der kurzfristigen Kursrücksetzer erkennen Marktbeobachter an, dass die verbesserte Cashflow-Generierung das fundamentale Profil stützt. Der Vorstand konnte belegen, dass das operative Modell selbst bei sinkenden Volumina in der Lage ist, signifikante Deckungsbeiträge zu erwirtschaften.

Strategischer Ausblick und Branchenperspektiven

Für das Gesamtjahr geht das Management nun davon aus, dass die Umsatzentwicklung eher am unteren Rand der avisierten Spanne liegen wird. Diese prognostiziert einen währungsbereinigten Erlösrückgang von drei bis sechs Prozent. Gleichzeitig wird an dem Jahresziel für das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) in Höhe von 375 bis 425 Millionen Euro strikt festgehalten. Dies signalisiert dem Kapitalmarkt eindrücklich, dass die laufenden Kostensenkungsmaßnahmen die erwarteten Erlösrückgänge nahezu vollständig abfedern sollen. Bis Ende des ersten Halbjahres waren laut Unternehmensangaben bereits 85 Prozent der geplanten Effizienzmaßnahmen umgesetzt.

Strategisch richtet der Konzern seinen Fokus zunehmend auf den Ausbau des Geschäfts mit Fertiggerichten, das sogenannte Ready-to-Eat-Segment, sowie auf Nischenmärkte wie Tiernahrung und Premium-Produkte. Diese neuen Geschäftsfelder weisen strukturell höhere Wachstumsraten auf und sollen künftig die Rolle des zentralen Umsatztreibers übernehmen. Bis sich diese Diversifikation jedoch massgeblich im Konzerngesamtergebnis niederschlägt, bleibt der operative Erfolg stark von der Resilienz des klassischen Kochboxen-Segments abhängig. Die konsequente Beibehaltung der Ausgabendisziplin wird somit auf absehbare Zeit die maßgebliche Leitlinie in der strategischen Ausrichtung bleiben.