Chemiebranche unter Druck: Was FUCHS besser macht

Chemiebranche unter Druck: Was FUCHS besser macht
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Die europäische Chemiebranche kommt nicht aus der Krise. Hohe Energie- und Personalkosten treffen auf eine schwache Industrienachfrage. Gleichzeitig verschärfen zusätzliche Produktionskapazitäten aus China den Wettbewerb. Viele Anlagen sind deshalb nicht ausgelastet, während sich höhere Kosten nur schwer an die Kunden weitergeben lassen.

Für Sie als Value-Anleger stellt sich damit eine entscheidende Frage: Sollten Sie die Chemiebranche derzeit grundsätzlich meiden? Oder gibt es Geschäftsmodelle, die sich dem schwierigen Umfeld zumindest teilweise entziehen können?

Spezialisten sind weniger austauschbar

Besonders stark leiden Hersteller chemischer Grundstoffe. Ihre Produkte unterscheiden sich häufig nur wenig voneinander, sodass der Preis eine große Rolle spielt. Sobald die Nachfrage sinkt oder neue Kapazitäten auf den Markt kommen, geraten die Margen unter Druck. Hohe Fixkosten verschärfen das Problem, weil Chemieanlagen auch bei niedriger Auslastung weiter Kosten verursachen.

Bei Spezialchemikalien sieht die Lage teilweise anders aus. Sie werden für bestimmte Anwendungen entwickelt und müssen oft exakt auf die Produktionsprozesse des Kunden abgestimmt sein. Für den Kunden ist deshalb häufig wichtiger, dass ein Schmierstoff zuverlässig funktioniert, als dass er ein paar Cent günstiger ist. Schließlich hilft ein niedrigerer Preis wenig, wenn dadurch Maschinen schneller verschleißen oder eine Produktionsanlage ausfällt.

Dadurch entstehen engere Kundenbeziehungen und höhere Hürden für Wettbewerber. Ein einmal freigegebenes Produkt wird nicht ohne triftigen Grund ersetzt. Solche Anbieter sind zwar ebenfalls von der Industriekonjunktur abhängig, können ihre Preise und Margen aber meist besser verteidigen als Hersteller austauschbarer Massenprodukte.

FUCHS wächst in allen Regionen

Ein gutes Beispiel dafür ist FUCHS. Das Mannheimer Familienunternehmen ist der weltweit größte unabhängige Anbieter von Schmierstofflösungen. Seine Produkte kommen unter anderem in Fahrzeugen, Maschinen, Windkraftanlagen und der Metallverarbeitung zum Einsatz. Viele Schmierstoffe entwickelt FUCHS gemeinsam mit den Kunden für konkrete Anwendungen.

Das Geschäftsmodell erwies sich im 1. Halbjahr als robust. Umsatz, operatives Ergebnis und Gewinn legten deutlich zu. Der Umsatz stieg um 11% auf 2,00 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern verbesserte sich um 24% auf 260 Mio. Euro, wodurch sich die operative Marge von 11,6 auf 13,0% erhöhte. Der Gewinn nach Steuern nahm ebenfalls um 24% auf 178 Mio. Euro zu.

Das Wachstum beruhte nicht auf einer einzelnen Region, sondern auf allen drei Weltregionen. In Europa, dem Nahen Osten und Afrika legte der Umsatz um 11% zu. Der asiatisch-pazifische Raum wuchs um 12%, Nord- und Südamerika kamen auf ein Plus von 7%.

Allerdings lässt sich das starke 1. Halbjahr nicht einfach fortschreiben. Im 2. Quartal bestellten einige Kunden früher als üblich, weil sie wegen des Konflikts im Nahen Osten Lieferengpässe befürchteten. Zudem profitierte FUCHS von Lieferproblemen einzelner Wettbewerber. Ein Teil der Nachfrage dürfte deshalb lediglich vorgezogen worden sein.

Hinzu kommen steigende Preise für Rohstoffe sowie höhere Energie- und Logistikkosten. Das Management erwartet daher im 2. Halbjahr weiterhin steigende Umsätze, rechnet aber zugleich mit Druck auf die Absatzmengen und Margen. Trotzdem erhöhte FUCHS die Prognose für das operative Ergebnis im Gesamtjahr von rund 450 Mio. Euro auf 460 bis 480 Mio. Euro. Die Umsatzprognose von rund 3,7 Mrd. Euro blieb unverändert.

Was bedeutet das für Sie als Value-Anleger?

FUCHS kann sich der schwachen Industriekonjunktur nicht vollständig entziehen. Wenn Kunden weniger produzieren, benötigen sie auch weniger Schmierstoffe. Die vorgezogenen Bestellungen machen zudem deutlich, dass das Wachstum im 2. Halbjahr schwächer ausfallen dürfte.

Dennoch unterscheidet sich das Geschäftsmodell deutlich von dem vieler großer Chemiekonzerne. FUCHS verkauft keine leicht austauschbaren Grundstoffe, sondern häufig speziell entwickelte Lösungen. Die enge Zusammenarbeit mit den Kunden, die breite Aufstellung über Regionen und Branchen sowie die solide Bilanz geben dem Unternehmen zusätzlichen Rückhalt.

Mit einem erwarteten KGV von knapp 16 ist die Vorzugsaktie nicht auffällig günstig. Für einen profitablen Spezialisten mit guten Marktpositionen erscheint die Bewertung jedoch vertretbar. Aus meiner Sicht zeigt FUCHS, dass Sie die Chemiebranche nicht pauschal abschreiben sollten.

Entscheidend ist, ob ein Unternehmen austauschbare Produkte verkauft oder in Nischen über echte Preissetzungsmacht verfügt. FUCHS gehört deshalb zu den Chemiewerten, die einen genaueren Blick verdienen.