Evonik-Aktie: Milliarden-Poker um US-Rivale Ashland
Im deutschen Chemiesektor bahnt sich ein hochkomplexes Übernahmeszenario an, das die Aufmerksamkeit der Börsianer auf sich zieht. Während der Essener Spezialchemiekonzern Evonik Industries AG (ISIN: DE000EVNK013) selbst im Visier des Branchenprimus BASF SE (ISIN: DE000BASF111) steht, prüft das MDAX-Unternehmen offenbar einen milliardenschweren Zukauf in den Vereinigten Staaten. Im Zentrum der Überlegungen steht der US-Konkurrent Ashland Inc. (ISIN: US0441861046). Für Anleger stellt sich nun die Frage nach der strategischen Kapitalallokation und den Auswirkungen auf eine mögliche Übernahme durch BASF.
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Kursreaktion der Evonik-Aktie nach US-Übernahmegerüchten
Die Berichte über eine mögliche Großakquisition sorgten am Aktienmarkt zunächst für spürbare Verunsicherung. Am Donnerstag geriet die Evonik-Aktie deutlich unter Verkaufsdruck und verzeichnete im Handelsverlauf zeitweise Verluste von bis zu 3,5 Prozent, wobei die Marke von 20 Euro getestet wurde. Viele Marktteilnehmer befürchteten hohe Akquisitionskosten und sahen die Übernahmefantasie rund um einen Einstieg von BASF schwinden.
Zum Wochenausklang zeigt sich das Papier jedoch wieder gefestigt: Am Freitagvormittag verzeichnet die Evonik-Aktie auf der Handelsplattform Tradegate eine leichte Erholung und notiert bei 20,82 Euro rund 0,6 Prozent im Plus. Auch im Xetra-Handel deutet sich nach dem Vortagesrücksetzer eine Stabilisierung im Bereich von 20,88 Euro an.
Evonik und Ashland: Strategische Expansion oder Abwehrmaßnahme?
Wie das Handelsblatt sowie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, hat Evonik die Investmentbanken Perella Weinberg Partners und JPMorgan mandatiert, um den US-Markt nach Übernahmezielen zu sondieren. Besonders intensiv beschäftigt sich das Management demnach mit dem in Wilmington (Delaware) ansässigen Spezialchemieunternehmen Ashland, das an der New Yorker Börse mit rund 3,3 Milliarden US-Dollar (umgerechnet knapp 3 Milliarden Euro) bewertet wird.
Am Kapitalmarkt wurde der potenzielle Vorstoß vielfach als klassische Verteidigungsstrategie („Pac-Man-Abwehr“) gewertet, um das eigene Unternehmen für den Interessenten BASF zu verteuern und unattraktiver zu machen. Aus Unternehmenskreisen wird dieser Darstellung jedoch widersprochen. Demnach habe die Prüfung eines Ashland-Kaufs bereits deutlich vor der Ende September öffentlich gewordenen Annäherung durch BASF begonnen.
Strategisch ließe sich der Schritt durchaus begründen: Evonik möchte seine hohe Abhängigkeit vom schwächelnden europäischen Heimatmarkt reduzieren, auf den zuletzt knapp die Hälfte des Konzernumsatzes entfiel. Ashland produziert unter anderem Spezialadditive, Beschichtungen sowie Inhaltsstoffe für die Kosmetik- und Pharmaindustrie – Geschäftsfelder mit attraktiven Margen, in denen Evonik gezielt wachsen will.
Hohe Bewertung und Konkurrenz durch Finanzinvestoren
Trotz der operativen Schnittmengen birgt ein möglicher Deal erhebliche finanzielle Risiken für Evonik-Aktionäre. Ashland steht nach Druck des aktivistischen Investors Ancora bereits seit geraumer Zeit zum Verkauf, was den Aktienkurs des US-Unternehmens seit Jahresbeginn um über 20 Prozent nach oben getrieben hat.
Hinzu kommt ein intensiver Wettbewerb: Berichten von Bloomberg und Reuters zufolge haben auch finanzstarke Private-Equity-Gesellschaften wie Advent, Apollo und Carlyle Interesse an Ashland bekundet. Ein Bieterwettstreit könnte den Kaufpreis in Regionen treiben, die für Evonik wirtschaftlich kaum noch zu rechtfertigen wären. Weder Evonik noch die beteiligten Banken wollten die laufenden Marktgerüchte bislang offiziell kommentieren.
Auswirkungen auf das Übernahmeinteresse von BASF
Für die weitere Kursentwicklung der Evonik-Aktie bleibt das Verhalten des DAX-Konzerns BASF entscheidend. Die Ludwigshafener hatten Ende September Sondierungsgespräche mit Evonik und dem Großaktionär RAG-Stiftung bestätigt. Ein erstes unverbindliches Angebot, das laut Medienberichten von Reuters und der Financial Times bei rund 22,15 Euro je Aktie (insgesamt etwa 10,3 Milliarden Euro) lag, hatte das Evonik-Management als zu niedrig zurückgewiesen.
Zwar signalisierten Insider zuletzt, dass BASF nach einer detaillierten Buchprüfung zu einer höheren Offerte bereit sein könnte, doch eine milliardenschwere US-Transaktion seitens Evonik würde die Karten völlig neu mischen. Ein Zukauf in der Größenordnung von Ashland würde die Bilanzstruktur von Evonik verändern und eine Übernahme durch BASF erheblich verkomplizieren. Anleger blicken daher gespannt darauf, ob Evonik bei seinen US-Expansionsplänen strikte Preisdisziplin wahrt oder ob BASF zeitnah mit einem verbesserten Übernahmeangebot nachlegt.

Jahreschart Evonik Aktie, Quelle: https://oct.mymarkets.com
Dieser Text wurde unter Einsatz von KI-Tools erstellt und redaktionell überarbeitet.