Razzia: Deutsche Bank wegen Cum-Cum-Deals im Fokus
Die Konzernzentrale des größten deutschen Geldhauses in Frankfurt am Main ist erneut ins Visier der Justiz geraten. Am frühen Mittwochmorgen rückten rund 70 Ermittler der Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung in den markanten Zwillingstürmen der Deutschen Bank an. Der Hintergrund des massiven Aufgebots sind jedoch keine aktuellen Verfehlungen des Instituts, sondern lang zurückliegende, mutmaßliche Steuerhinterziehungsgeschäfte der ehemaligen Tochtergesellschaft Postbank.
Projekt „Riesling“: Ermittlungen wegen Cum-Cum-Geschäften
Im Zentrum der groß angelegten Razzia stehen Aktientransaktionen aus den Jahren 2008 bis 2010, die bei der Postbank intern unter dem Projektnamen „Riesling“ abgewickelt worden sein sollen. Dabei handelte es sich um sogenannte Cum-Cum-Geschäfte. Bei diesen hochumstrittenen Praktiken wurden Aktien von deutschen Unternehmen rund um den Dividendenstichtag gezielt zwischen in- und ausländischen Investoren übertragen, um die Belastung durch die Kapitalertragsteuer zu verringern oder ganz zu umgehen. Den Ermittlungsbehörden zufolge beläuft sich der mutmaßliche Steuerschaden durch diese Konstruktionen auf schätzungsweise rund 376 Millionen Euro.
Die Deutsche Bank selbst, die ab 2008 zunächst schrittweise in die Postbank einstieg und diese erst in den Folgejahren komplett übernahm, wird in diesem strafrechtlichen Verfahren ausdrücklich nur als unbeteiligte Drittpartei geführt. Wie ein Sprecher des Instituts bestätigte, kooperiere die Bank vollumfänglich mit den ermittelnden Behörden. Internationale Finanzquellen wie Reuters, Bloomberg und die Financial Times verfolgen den Fall aufmerksam und untermauern übereinstimmende Medienberichte, wonach sich die Ermittlungen der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft explizit gegen rund zehn ehemalige Top-Manager der damaligen Postbank-Führung richten.
Aktie der Deutschen Bank (DE0005140008) zeigt sich unbeeindruckt
Für Anleger ist die erste Reaktion auf polizeiliche Durchsuchungen bei einem Finanzinstitut oft ein kritischer Blick auf das eigene Portfolio. Doch der Kapitalmarkt reagiert auf die aktuellen Ereignisse in der Frankfurter Taunusanlage erstaunlich gelassen. Da die Deutsche Bank in dieser Angelegenheit lediglich als Rechtsnachfolgerin agiert und die finanziellen Altlasten angesichts der in den letzten Jahren stark gestiegenen Profitabilität des Gesamtkonzerns als gut verkraftbar gelten, ließen sich die Investoren kaum verunsichern.
Am Mittwochnachmittag präsentierte sich die Aktie der Deutschen Bank (ISIN: DE0005140008) sogar in einer stabilen bis leicht positiven Verfassung. Am wichtigsten deutschen Handelsplatz Xetra notierte das Papier mit moderaten Zugewinnen im Bereich von 31,26 Euro und verzeichnete ein kleines Plus von knapp 0,6 Prozent.
Dies zeigt eindeutig: Die Börse stuft die Cum-Cum-Altlasten der Postbank als ein historisches und isoliertes Ereignis ein, das den aktuellen Wachstumskurs und das operative Geschäft des Frankfurter Bankhauses nicht grundlegend gefährdet. Anleger sollten die rechtlichen Entwicklungen zwar im Auge behalten, doch die robuste operative Basis der Bank sorgt derzeit für ein tragfähiges Fundament.