Mercedes-Krise spitzt sich zu: Zwei Werke vor dem Aus?
Die Lage beim Stuttgarter Premium-Autobauer Mercedes-Benz wird zunehmend ungemütlicher – und das bekommen auch die Aktionäre deutlich zu spüren. Die Papiere der Mercedes-Benz Group (ISIN: DE0007100000) gehören derzeit zu den großen Verlierern im DAX. Am heutigen Donnerstagvormittag gaben die Anteilsscheine weiter nach und notierten im Bereich von 41,18 Euro, womit sie sich in der Nähe eines neuen Fünfjahrestiefs bewegen. Auslöser für die zunehmende Nervosität am Markt sind Berichte über einen drastisch verschärften Sparkurs, der im äußersten Fall zu Standortschließungen in Deutschland führen könnte.
800 Millionen Euro Einsparungen: Der harte Sparkurs bei Mercedes
Der internationale Wettbewerb und die sinkenden Margen zwingen den Konzern zum Handeln. Übereinstimmenden Medienberichten von Nachrichtenagenturen wie Reuters zufolge, peilt das Management an, allein in Deutschland die Arbeitskosten um rund 800 Millionen Euro zu senken.
Auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen fand Produktionsvorstand Michael Schiebe kürzlich deutliche Worte: Das klare Ziel sei es zwar, alle heimischen Standorte zu erhalten. Sollten sich Unternehmensführung und Arbeitnehmervertreter jedoch auf keine verträglichen Maßnahmen zur Kostensenkung einigen können, drohe die Schließung von zwei deutschen Werken – konkret eines Aufbauwerks und eines Werks für Antriebsstränge (Powertrain). Dies wäre ein historischer und schmerzhafter Einschnitt für den traditionsreichen Autobauer.
Hohe Lohnkosten und wachsender Druck aus China
Die strukturellen Probleme am Standort Deutschland sind offensichtlich. Die Arbeitskosten sind im internationalen Vergleich kaum noch wettbewerbsfähig. So sollen die Produktionskosten im Mercedes-Werk im ungarischen Kecskemét rund 70 Prozent niedriger ausfallen als in der Bundesrepublik. Hinzu kommt der immer stärker werdende Druck durch chinesische Hersteller, die auch in Europa Marktanteile erobern, während gleichzeitig die Nachfrage nach Fahrzeugen im für Mercedes so wichtigen chinesischen Markt schwächelt.
Um die Produktivität in Deutschland zu steigern, hatte der Konzern zuletzt unter anderem vorgeschlagen, die Arbeitszeit der Belegschaft ohne entsprechenden Lohnausgleich auf bis zu 40 Stunden zu erhöhen. Dieser Vorstoß stößt jedoch auf massiven Widerstand der Gewerkschaft IG Metall, die bereits mit Zehntausenden Beschäftigten gegen die Pläne und Einschnitte protestierte.
Mercedes-Benz Aktie (DE0007100000) sucht den Boden
Für Anleger stellt die aktuelle Nachrichtenlage eine starke Belastungsprobe dar. Das Vertrauen der Investoren schwindet angesichts des drohenden Arbeitskampfes und der anhaltenden Absatzschwäche in Asien. Am Donnerstagvormittag verbuchte das Papier auf den Handelsplattformen erneut Kursverluste von knapp zwei Prozent, was den negativen Abwärtstrend der vergangenen Wochen schonungslos aufzeigt.
Die nächsten Wochen dürften für die Konzernführung richtungsweisend werden. Gelingt es dem Management nicht, zeitnah einen tragfähigen Kompromiss mit den Arbeitnehmervertretern zu finden, könnte sich die ohnehin fragile Stimmung rund um die DAX-Aktie weiter eintrüben. Anleger sollten die Entwicklungen in Sindelfingen daher weiterhin mit größter Vorsicht im Blick behalten.