Übernahmekampf: Commerzbank-Chefin warnt vor Eskalation
Der Poker um die Zukunft der Commerzbank spitzt sich weiter zu. Nachdem sich die italienische Großbank UniCredit den Zugriff auf fast die Hälfte der Anteile gesichert hat, tritt der Übernahmekampf in eine entscheidende neue Phase. Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp hat nun direkte Gespräche mit den Italienern bestätigt und mahnt eindringlich zu Sorgfalt, um einen Schaden für Aktionäre und Stakeholder abzuwenden.
„Nicht vermasseln“: Orlopp fordert konstruktiven Dialog mit UniCredit
Auf dem jüngsten „Handelsblatt“-Bankengipfel in Frankfurt machte Orlopp deutlich, dass ein feindliches Vorgehen nicht funktionieren werde. „Wir sollten das jetzt tunlichst nicht vermasseln“, erklärte die Managerin. Eine übereilte Integration berge erhebliche Risiken und könne in einer massiven Wertvernichtung enden, von der letztlich nur die Wettbewerber profitieren würden.
Brisant für Anleger: Die Bankchefin machte ihre eigene berufliche Zukunft bei der Commerzbank öffentlich vom weiteren Verlauf der Gespräche abhängig. Zwar laufe ihr Vertrag noch bis 2029, ein Verbleib sei aber nur dann sinnvoll, wenn eine vertrauensvolle Basis und eine gemeinsame strategische Ausrichtung mit UniCredit-Chef Andrea Orcel gefunden würden. Sollte es hier keine Einigung geben, müsse man entsprechende Konsequenzen ziehen.
Commerzbank-Aktie (ISIN: DE000CBK1001) profitiert von Übernahmefantasie
Die angespannte, aber dynamische Situation spiegelt sich auch am Finanzmarkt wider. Die Papiere der Commerzbank notieren weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Zum Wochenstart am Montagvormittag zeigt sich die Aktie robust und hält ihre enormen Kursgewinne der vergangenen Monate, die sie im Vorfeld und Zuge der Übernahmespekulationen aufgebaut hat. Mit einem Schlusskurs von rund 42 Euro am vergangenen Freitag demonstriert das Papier eindrucksvoll das hohe Interesse der Investoren an dem Ausgang dieses Banken-Krimis. Da für den derzeitigen Handel noch keine verifizierten Ausbrüche nach oben oder unten aus den Börsendaten hervorgehen, lässt sich vor allem festhalten: Die Übernahmefantasie stützt den Kurs weiterhin massiv.
UniCredit-Aktie (ISIN: IT0005239360) bleibt im Fokus der Investoren
Auch das Papier der UniCredit steht im Rampenlicht. Die Mailänder Bank tendierte zuletzt nach leichten Gewinnmitnahmen im Bereich von rund 83 bis 84 Euro. Andrea Orcel strebt durch den Zusammenschluss milliardenschwere Synergieeffekte an, während die Commerzbank-Führung auf Kontinuität pocht. Inzwischen ist auch die Politik in den Übernahmekampf involviert, da die Bundesregierung weiterhin Anteile hält und die Stabilität des heimischen Bankenmarktes im Blick behält. So hat das Bundesfinanzministerium UniCredit-Chef Orcel bereits zu Gesprächen nach Berlin geladen, um die Wogen zu glätten.
Wie es weitergeht, wird maßgeblich davon abhängen, ob sich das Management aus Frankfurt und Mailand auf eine wertmaximierende Strategie einigen kann. Für Aktionäre beider Häuser bleiben die kommenden Wochen hochgradig spannend.