Commerzbank-Poker: Bund stellt UniCredit harte Bedingungen
Der Kampf um die Eigenständigkeit der Commerzbank (ISIN DE000CBK1001) erreicht eine neue Eskalationsstufe. Im Übernahmepoker durch die italienische Großbank UniCredit (ISIN IT0005239360) schaltet sich nun die deutsche Bundesregierung aktiv ein, um die strategischen Interessen des heimischen Finanzplatzes zu wahren.
Spitzentreffen in Berlin: Klingbeil empfängt Orcel
Nachdem das Management in Mailand in den vergangenen Wochen kontinuierlich Fakten geschaffen hatte, erhöht Berlin nun den politischen Druck. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat UniCredit-Konzernchef Andrea Orcel für den kommenden Montag zu einem Krisengespräch in das Finanzministerium geladen. Während Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp parallel direkte Gespräche mit der italienischen Seite führt, will die Bundesregierung als zweitgrößter Aktionär klare rote Linien ziehen.
Aus Verhandlungskreisen sickern bereits unmissverständliche Kernforderungen durch: Die deutsche Identität des Traditionsinstituts müsse zwingend erhalten bleiben. Konkret bedeutet dies den dauerhaften Erhalt der Börsennotierung am Standort Frankfurt, die lückenlose Sicherstellung der Kreditversorgung für den deutschen Mittelstand sowie den strikten Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Zuvor hatten interne Berechnungen von Orcel für Unruhe gesorgt, wonach bei einer vollständigen Fusion bis zu 7.000 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten.
UniCredit baut Dominanz aus – Aktienkurse im Höhenflug
Dass ein bloßes Abwarten für Berlin keine Option mehr ist, liegt an der aggressiven Taktik der Italiener. Die UniCredit hat sich über den Markt und komplexe Finanzinstrumente inzwischen den Zugriff auf knapp 50 Prozent der Stimmrechte gesichert. Der Bund hält aus den Tagen der Bankenrettung noch gut 12 Prozent der Anteile. Dieses Paket reicht zwar nicht aus, um eine feindliche Übernahme im Alleingang zu blockieren, macht die Bundesregierung jedoch zum entscheidenden Machtfaktor bei der künftigen Ausrichtung.
An der Börse sorgt das andauernde Tauziehen für eine massive Aufwertung der Papiere. Die Commerzbank-Aktie profitiert erheblich von der eingepreisten Übernahmefantasie und notiert am späten Nachmittag bei starken 42,75 Euro – ein gewaltiger Kurssprung im Vergleich zu den Notierungen vor wenigen Monaten. Auch das Papier der UniCredit zeigt sich auf dem Parkett in exzellenter Verfassung: Die Aktie verzeichnet am frühen Abend Kursgewinne und wechselt für 85,02 Euro den Besitzer.
Was bedeutet das für Anleger der Commerzbank-Aktie?
Für Investoren bleibt die Lage hochspannend. Da die Europäische Zentralbank (EZB) als Befürworterin grenzüberschreitender Bankenfusionen gilt, liegen die regulatorischen Hürden für die Italiener vergleichsweise niedrig. Sollte Orcel den weitreichenden Forderungen aus Berlin entgegenkommen und Standortgarantien abgeben, könnte der Mega-Deal zügig Form annehmen. Allerdings ist in den aktuellen Kursen der Commerzbank bereits eine erhebliche Übernahmeprämie enthalten. Ein plötzliches Scheitern der politischen Gespräche birgt daher kurzfristige Rückschlagsrisiken, weshalb Anleger das Treffen am Montag genauestens im Blick behalten sollten.