BMW stärkt E-Antriebe: Millionen für das Werk Steyr
Der Münchner Automobilkonzern BMW (ISIN: DE0005190003) treibt die Transformation zur Elektromobilität konsequent voran und baut seine unabhängige Fertigungstiefe weiter aus. Bis zum Jahr 2029 investiert das Unternehmen mehr als 100 Millionen Euro zusätzlich in sein traditionsreiches Motorenwerk im österreichischen Steyr. Ziel der Maßnahme ist der Aufbau einer hochmodernen Produktionslinie für Leistungselektronik und Inverter-Komponenten, die das technologische Herzstück künftiger Elektrofahrzeuge bilden.
Wie sollen Anleger jetzt reagieren? Gratis Chartanalyse zur BMW-Aktie!
BMW-Investition in Steyr: Unabhängigkeit bei Halbleitern im Fokus
Während am Standort Steyr bereits der Hochlauf für die sechste Generation (Gen6) der Elektromotoren für die sogenannte „Neue Klasse“ stattfindet, sichert sich der Konzern mit der neuen Millionen-Investition weiteres Schlüssel-Know-how. Im Zentrum steht dabei das Leistungsmodul im Inverter. Dieses hochkomplexe Bauteil steuert die Energieübertragung zwischen der Hochvoltbatterie und dem Elektromotor und ist somit maßgeblich für die Effizienz und Reichweite der Fahrzeuge verantwortlich.
Bislang wurden solche Komponenten häufig von externen Systemlieferanten bezogen. Durch die Integration der Montage in das eigene Produktionsnetzwerk übernimmt BMW künftig selbst die Steuerung der vorgelagerten Lieferkette. Harald Gottsche, Geschäftsführer der BMW Motoren GmbH in Steyr, betonte im Zuge der Ankündigung die strategische Tragweite dieses Schrittes: Durch den tieferen Einstieg in die Elektrotechnik könne der Autobauer essenzielle Bauteile wie Halbleiter künftig deutlich flexibler direkt auf den Weltmärkten beschaffen. Dies stärke die Wettbewerbsposition und reduziere kritische Abhängigkeiten in einem geopolitisch sensiblen Technologiefeld erheblich.
Neue Fertigungsprozesse bis zum Produktionsstart 2029
Für die Umsetzung des Vorhabens bis zum geplanten Produktionsstart im Sommer 2029 errichtet BMW in Steyr unter anderem einen neuen Sauberraum samt dazugehöriger Infrastruktur und Montagelinie. Technologisch betritt der DAX-Konzern dabei Neuland: Um die insgesamt zehn Einzelteile des Leistungsmoduls präzise zusammenzufügen, kommen erstmals innerhalb der BMW Group spezielle Verfahren wie das Großflächenlöten und das Ultraschallschweißen zum Einsatz.
Die aktuelle Investition von über 100 Millionen Euro reiht sich in ein übergeordnetes Transformationsprogramm ein. Bereits für den Zeitraum von 2022 bis 2030 hatte der Konzern ein Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro für das oberösterreichische Werk veranschlagt. Langfristig sollen am Standort jährlich bis zu 600.000 elektrische Antriebe vom Band rollen, während parallel bestehende Produktionsprozesse kontinuierlich auf Effizienz getrimmt werden.
BMW-Aktie am Nachmittag behauptet – Analysten sehen Potenzial
Am Aktienmarkt wird die langfristige strategische Weichenstellung ruhig aufgenommen. Im Xetra-Handel notiert die BMW-Aktie am späten Nachmittag bei 54,56 Euro und verzeichnet damit ein leichtes Plus von 0,26 Prozent. Nachdem das Papier seit Jahresbeginn merklich unter Druck stand und rund 38 Prozent an Wert eingebüßt hat, stabilisiert sich der Kurs damit im Bereich der Marke von 54,50 Euro.
Rückenwind erhält der Titel indes von Seiten der Analysten. Die Experten von Deutsche Bank Research haben ihre Einstufung für die BMW-Aktie im Vorfeld der anstehenden Quartalsberichterstattung auf „Buy“ mit einem Kursziel von 71 Euro belassen. Zwar dürften laut Analyst Tim Rokossa geringere Absatzmengen, Wechselkurseffekte sowie höhere Rohstoffkosten und Abschreibungen das operative Ergebnis im abgelaufenen Quartal belastet haben. Allerdings sollte eine einmalige Entschädigungszahlung von Zulieferern in Höhe von rund 350 Millionen Euro die Rentabilität des Autobauers spürbar stützen. Langfristig orientierte Anleger blicken nun gespannt darauf, wie schnell sich die hohen Vorleistungen für die „Neue Klasse“ in den kommenden Jahren in steigenden Margen niederschlagen werden.