5,4 Prozent Dividende: Wird BMW jetzt zur Turnaround-Chance?

5,4 Prozent Dividende: Wird BMW jetzt zur Turnaround-Chance?
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BMW steht an einer entscheidenden Marke. Nach dem Absturz von fast 100 Euro auf unter 57 Euro versucht die Aktie inzwischen eine Bodenbildung. Fundamental passt das zur aktuellen Situation: Das China-Geschäft schwächelt, die Margen sind eingebrochen und der Konzernumbau kostet Geld. Gleichzeitig sinken die Investitionen, der Cashflow verbessert sich und mit der Neuen Klasse startet BMW seine wichtigste Modelloffensive seit Jahren.

Für Anleger könnte daraus eine Turnaround-Chance entstehen, sofern die derzeit niedrige Profitabilität tatsächlich nur vorübergehend ist. Die Aktie hat im Tageschart seit Anfang des Jahres einen ordentlichen Stoß/Dämpfer bekommen.

(Quelle: Tradingview.com)

China drückt BMW, aber nicht überall läuft es schlecht

Das größte Problem bleibt China. Im 2. Quartal sanken die dortigen Auslieferungen um 30,2 Prozent auf 117.815 Fahrzeuge. Im 1. Halbjahr betrug das Minus 20,4 Prozent. Allerdings schrumpfte der chinesische Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum um rund 20,2 Prozent. BMW verlor damit im 1. Halbjahr nicht massiv Marktanteile, sondern wurde vor allem von der allgemeinen Marktschwäche getroffen.

In Europa stiegen die Auslieferungen dagegen um 5,4 Prozent, in den USA um 3,9 Prozent. Trotzdem belastet China das Ergebnis erheblich. Die EBIT-Marge im Autogeschäft fiel im 2. Quartal von 5,4 auf nur noch 2,3 Prozent. Für 2026 erwartet BMW lediglich 1 bis 3 Prozent und liegt damit weit unter dem langfristigen Ziel von 8 bis 10 Prozent. Hinzu kommen Kosten für den Konzernumbau.

Genau daraus entsteht die Turnaround-Wette: Verschwinden Teile der Belastungen und stabilisiert sich China, könnte sich die Profitabilität deutlich erholen. Mit einem KGV von rund 9,3 und einer Dividendenrendite von etwa 5,4 Prozent wird BMW bereits mit viel Skepsis bewertet.

Billig bedeutet allerdings nicht automatisch günstig. Bleiben Margen von 1 bis 3 Prozent die neue Realität, wäre ein erheblicher Bewertungsabschlag durchaus gerechtfertigt. Und teilweise soll eine hohe Dividende auch Käufer anlocken, die sonst nicht kaufen würden.

Die Neue Klasse muss jetzt liefern

Der wichtigste Hoffnungsträger ist die Neue Klasse. Mit dem iX3 beginnt eine Fahrzeuggeneration, die BMW bei Elektroantrieb, Elektronik und Software technologisch nach vorne bringen soll.

Die ersten Nachfragesignale sind ermutigend. In Europa entfiel seit der Weltpremiere ungefähr jede 3. Bestellung eines vollelektrischen BMW auf den iX3. Ende Juli bewegte sich das Modell bereits in Richtung 100.000 Bestellungen. Am 25. September startet der iX3 außerdem in den USA. Noch wichtiger wird China, wo bereits eine speziell für diesen Markt entwickelte Langversion bestellbar ist.

Dort trifft BMW allerdings auf Hersteller mit teilweise erheblich schnelleren Entwicklungszyklen. Genau deshalb reicht ein erfolgreiches neues Modell nicht aus. BMW muss beweisen, dass der Konzern dauerhaft schneller und kosteneffizienter entwickeln kann.

Positiv entwickelt sich der Kapitalbedarf. Im 1. Halbjahr sanken die Investitionen um 30,5 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro. Der freie Cashflow des Autogeschäfts erreichte nach 6 Monaten 1,29 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr hält BMW an seinem Ziel von mehr als 2,5 Mrd. Euro fest.

Gleichzeitig fließt Kapital an die Aktionäre zurück. BMW hält an einer Ausschüttungsquote von 30 bis 40 Prozent des zurechenbaren Gewinns fest und führt sein Aktienrückkaufprogramm über insgesamt 2 Mrd. Euro fort. Gerade bei einer niedrigen Aktienbewertung können Rückkäufe zusätzlichen Wert schaffen.

Jetzt entscheidet die 200-Tage-EMA

Der Tageschart zeigt inzwischen erste Anzeichen einer Stabilisierung. Nach dem Hoch bei fast 98 Euro entwickelte sich ein ausgeprägter Abwärtstrend, der BMW im Sommer bis in den Bereich um 56 bis 57 Euro drückte.

Dort fanden sich mehrfach Käufer. Anschließend begann eine Erholung und inzwischen wurde die horizontale Marke bei 62,90 Euro zurückerobert. Diese Zone ist wichtig, weil sie während des vorherigen Ausverkaufs als Unterstützung gebrochen wurde. Gelingt es BMW, sie nun als neue Unterstützung zu etablieren, wäre das ein erstes positives Signal.

Die eigentliche Bewährungsprobe wartet jedoch wenige Euro höher. Die grüne 200-Tage-EMA fällt noch deutlich und verläuft ungefähr bei 66 Euro. Solange BMW darunter notiert, bleibt der übergeordnete Abwärtstrend technisch intakt.

Eine Rückeroberung der 200-Tage-EMA würde das Bild erheblich verbessern. Scheitert die Aktie dagegen dort und fällt anschließend wieder unter 62,90 Euro, könnte die Bodenbildung erneut infrage gestellt werden. Dann würden die Tiefs zwischen 56 und 60 Euro wieder relevant.

Der nächste fundamentale Prüfstein folgt am 29. und 30. September mit dem Kapitalmarkttag. Das Management muss dort vor allem zeigen, wie die Auto-Marge wieder deutlich steigen soll.

Für Anleger liegt darin die eigentliche Chance. BMW muss nicht plötzlich zum Wachstumsstar werden. Bei einem KGV um 9 sind die Erwartungen bereits niedrig. Eine Stabilisierung Chinas, erfolgreiche Modelle der Neuen Klasse und eine Normalisierung der Margen könnten deshalb erheblichen Bewertungsspielraum schaffen.

Bleibt die Profitabilität dagegen dauerhaft schwach, könnte sich die vermeintlich günstige Aktie als Value-Falle erweisen. Der Chart liefert nun das erste Signal, dass Anleger wieder auf die bessere Variante setzen. Ob daraus eine echte Trendwende entsteht, dürfte sich spätestens an der 200-Tage-EMA zeigen.