Bayer: Starker Pharmaschub trifft auf harte Bilanzrealität
Ein operatives Plus von 23,6 Prozent im Pharmageschäft verleiht der Bayer AG neuen Schub und stützt die angehobene Margenprognose von 25 bis 27 Prozent. Gleichzeitig verdeutlichen ein Quartalsverlust von 672 Millionen Euro und anhaltend hohe Rechtskosten, dass der Leverkusener DAX-Konzern seine tiefgreifende Bilanzkrise noch keineswegs überwunden hat. An den Märkten sorgt dieser fundamentale Spagat für spürbare Bewegung, wirft aber zugleich Schlaglichter auf die Baustellen im Agrargeschäft.
Die Aktie der Bayer AG (ISIN: DE000BAY0017) legte im Vormittagshandel auf Xetra um gut drei Prozent auf 53,40 Euro zu. Verantwortlich für diesen Kurssprung ist vor allem das operative Abschneiden der Medikamentensparte im dritten Quartal. Dort kletterte das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA vor Sondereinflüssen) auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Der befürchtete Umsatzeinbruch durch den ablaufenden Patentschutz des Blockbusters Xarelto vollzieht sich damit deutlich glimpflicher als lange befürchtet.
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Bayer-Aktie profitiert: Nubeqa und Kerendia tragen das Wachstum
Das Fundament dieser Ertragswende bilden zwei neuere Präparate. Das Prostatakrebsmittel Nubeqa erzielte ein Quartalsplus von 58 Prozent und steuert mit fast einer Milliarde Euro Umsatz rasch auf Blockbuster-Status zu. Das Nierenmedikament Kerendia legte um 65 Prozent auf 374 Millionen Euro zu. Beide Produkte etablieren sich zügig in ihren Märkten und fangen die Erlösverluste älterer Arzneien zuverlässig auf.
Zusätzliches Potenzial verspricht der Gerinnungshemmer Asundexian, der unter dem Handelsnamen Sunharbo in China die weltweit erste Marktzulassung zur Schlaganfallprävention erhalten hat. Leverkusen bereitet dort nun die breite Markteinführung vor. Diese operative Dynamik rechtfertigt die Entscheidung des Managements um CEO Bill Anderson, die bereinigte Jahres-EBITDA-Marge für das Pharmasegment auf 25 bis 27 Prozent hochzusetzen.
Bayer-Agrarsparte Crop Science bremst die Sanierung
Außerhalb des Labors trübt sich das Bild spürbar ein. Der Gesamtumsatz von Bayer legte im Quartal bereinigt lediglich um magere 1,9 Prozent auf rund zehn Milliarden Euro zu. Während Consumer Health stagniert, verfehlte die Agrarsparte Crop Science mit einem bereinigten Ergebnis von lediglich 101 Millionen Euro das Marktniveau deutlich. Preisschwächen und ein verhaltener Absatz bei Pflanzenschutzmitteln belasten diesen Bereich spürbar.
Ebenso schwer wiegen die bilanziellen Altlasten. Durch außerplanmäßige Wertminderungen bei rezeptfreien Produkten sowie einzelnen Präparaten wie Xofigo weist Bayer für das Quartal einen Nettoverlust von 672 Millionen Euro aus. Weil zugleich 1,2 Milliarden Euro für US-Rechtsvergleiche abflossen, lag der freie Cashflow mit minus 293 Millionen Euro im negativen Bereich. Die Nettofinanzverschuldung von gut 31 Milliarden Euro soll bis zum Jahresende auf 28 bis 29 Milliarden Euro sinken. Hohe Verbindlichkeiten schränken den strategischen Handlungsspielraum jedoch weiterhin ein.
Fazit: Chancen und Risiken für die Bayer-Aktie
Der jüngste Kursanstieg auf 53,40 Euro spiegelt den beachtlichen Erfolg der neuen Medikamentengeneration wider, ignoriert jedoch die zähe Sanierungsarbeit im Gesamtkonzern. Bestehende Positionen profitieren von der aufgehellten Pharma-Perspektive, Neuinvestoren sollten Rücksetzer abwarten.
- Chancen: Hohe Wachstumsraten bei Nubeqa und Kerendia sichern die Ertragskraft, während die China-Zulassung von Asundexian neues Marktpotenzial im Kernbereich Pharma eröffnet.
- Risiken: Anhaltende Milliardenabflüsse für Rechtsstreitigkeiten in den USA, eine schwächelnde Agrarsparte Crop Science sowie eine Nettoverschuldung von über 31 Milliarden Euro begrenzen die finanzielle Flexibilität.