Bayer siegt vor US-Gericht: mRNA-Patentstreit eskaliert
Der deutsche Pharma- und Agrarkonzern Bayer hat einen wichtigen juristischen Etappensieg im hart umkämpften Markt für mRNA-Technologien errungen. Ein Bundesgericht im US-Bundesstaat Delaware lehnte am Montag die Anträge der Impfstoffhersteller BioNTech, Pfizer und Moderna ab, eine von Bayer eingereichte Patentklage frühzeitig abzuweisen. Damit tritt das Gerichtsverfahren in eine entscheidende und potenziell sehr kostspielige Phase ein, bei der es um weitreichende Schadenersatzforderungen aus älteren Agrar- und Biotechnologiepatenten geht.
Der Ursprung des Streits: Monsanto-Patente und die BioNTech-Aktie
Hintergrund der gerichtlichen Auseinandersetzung ist eine Klage, die Bayer im Januar dieses Jahres in den USA eingereicht hat. Der Dax-Konzern wirft den Impfstoffproduzenten vor, eine geschützte Technologie zur Stabilisierung von Boten-RNA (mRNA) ohne entsprechende Lizenzen genutzt zu haben. Diese Technologie wurde bereits in den 1980er-Jahren von der heutigen Bayer-Tochter Monsanto entwickelt – ursprünglich mit dem Ziel, das genetische Material von Nutzpflanzen widerstandsfähiger zu machen.
Bayer argumentiert, dass genau dieser Mechanismus entscheidend war, um die mRNA in den erfolgreichen Covid-19-Vakzinen haltbar und wirksam zu machen. Die betroffenen Hersteller weisen die Vorwürfe strikt zurück. So machten die Anwälte von Moderna unter anderem geltend, das entsprechende Patent decke lediglich ein nicht patentierbares „Naturgesetz“ ab. Der US-Bezirksrichter William Bryson entschied nun jedoch, dass die Beklagten in diesem frühen Stadium des Verfahrens nicht ausreichend belegen konnten, dass das Patent ungültig sei oder nicht verletzt wurde.
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Börsen-Reaktion: Bayer-Aktie profitiert, BioNTech und Pfizer stabil
Trotz der drohenden rechtlichen Risiken und potenzieller Milliardenzahlungen an Bayer zeigen sich die Papiere der verklagten Pharma-Riesen an den Börsen bemerkenswert unbeeindruckt. Anleger scheinen einen langen und zähen Rechtsstreit bereits eingepreist zu haben.
Die Papiere von Bayer (ISIN: DE000BAY0017) verbuchen Rückenwind. Am frühen Nachmittag notiert die Aktie an den deutschen Handelsplätzen bei rund 49,67 Euro und verzeichnet damit ein solides Plus von 1,99 Prozent zum Vortag.
Auch die BioNTech-Aktie (ISIN: US09075V1026) zeigt sich resilient. Am frühen Nachmittag kostet das Mainzer Papier etwa 86,80 Euro, was einem leichten Gewinn von 0,63 Prozent entspricht.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den US-amerikanischen Partnern und Konkurrenten ab. Die Anteilsscheine von Pfizer (ISIN: US7170811035) notieren am späten Vormittag bei 25,38 Euro (+0,30 Prozent). Die Aktien von Moderna (ISIN: US60770K1079) wechseln am Nachmittag für 172,72 Euro den Besitzer und weisen mit einem Zuwachs von 0,29 Prozent ebenfalls eine verhalten positive Tendenz auf.
Ausblick: Drohen der Pharma-Branche milliardenschwere Lizenzgebühren?
Der Ausgang des Verfahrens könnte die gesamte mRNA-Branche nachhaltig prägen. Auch wenn Bayer kein Verkaufsverbot für die Impfstoffe anstrebt, stehen erhebliche finanzielle Forderungen im Raum. Angesichts der enormen Umsätze, die BioNTech, Pfizer und Moderna während der Pandemie mit ihren Vakzinen erzielt haben, könnten sich die geforderten Lizenzgebühren am Ende auf zweistellige Milliardenbeträge summieren.
Für Anleger bedeutet das: Das regulatorische und juristische Risiko im Biotech-Sektor bleibt hoch. Ob es in den kommenden Monaten zu einem außergerichtlichen Vergleich kommt oder ob sich die Parteien auf einen jahrelangen Gerichtskrieg einlassen, wird maßgeblich darüber entscheiden, wie stark die Bilanzen der Impfstoff-Pioniere künftig belastet werden.