Evonik blockt ab: BASF scheitert mit Milliarden-Offerte
Die Spekulationen um ein historisches Beben in der deutschen Chemiebranche verdichten sich, doch der erste große Vorstoß ist vorerst gestoppt. Der Branchenriese BASF ist laut übereinstimmenden Medienberichten von Reuters und dem „Handelsblatt“ mit einer ersten Offerte beim Spezialchemie-Konkurrenten Evonik abgeblitzt. Im Raum stand ein Angebot von rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie, was das Unternehmen aus Essen mit deutlich über 10 Milliarden Euro bewerten würde.
Das Management von Evonik hat diese Annäherung jedoch zurückgewiesen. Für die Ludwigshafener BASF wäre ein solcher Zukauf eine der größten Transaktionen in der über 160-jährigen Firmengeschichte. Nun richtet sich der Blick der Anleger auf die Aktionärsstruktur und die nächsten denkbaren Schachzüge im Ringen um den Traditionskonzern.
RAG-Stiftung und Politik entscheiden über die Evonik Aktie
Eine Schlüsselrolle bei einer potenziellen Übernahme fällt zweifellos der RAG-Stiftung zu, die rund 43 Prozent der Evonik-Anteile hält. Über die Stiftung werden unter anderem die Ewigkeitsaufgaben des deutschen Steinkohlebergbaus finanziert. Das Kuratorium der RAG-Stiftung ist politisch prominent besetzt, unter anderem durch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst. Angesichts von mehr als 11.000 betroffenen Arbeitsplätzen allein in Nordrhein-Westfalen formiert sich in der Landespolitik bereits erheblicher Widerstand gegen einen schnellen Ausverkauf.
Ein reiner Finanz-Deal ohne langfristige strategische Garantien für den Verbundstandort Marl und die Hauptverwaltung in Essen dürfte auf wenig Gegenliebe stoßen. Für die BASF-Spitze bedeutet dies: Sollte das Übernahmevorhaben weiterverfolgt werden, müssen neben den finanziellen auch handfeste strukturpolitische Zugeständnisse gemacht werden.
Aktuelle Kursentwicklungen: BASF und Evonik im Fokus
Die Kapitalmärkte verarbeiten die Nachrichtenlage derzeit mit nüchterner Zurückhaltung. Die Evonik Aktie (ISIN: DE000EVNK013) notierte am heutigen Vormittag bei 20,58 Euro. Damit liegt der Kurs spürbar unter der kolportierten BASF-Offerte von 22,15 Euro. Diese Diskrepanz spiegelt die Skepsis der Investoren wider, ob es nach der ersten Ablehnung zeitnah zu einem erfolgreichen Deal – oder gar einer Nachbesserung des Angebots – kommen wird.
Die BASF Aktie (ISIN: DE000BASF111) behauptete sich unterdessen stabil und tendierte am frühen Nachmittag im Bereich von rund 50 Euro. Offenbar werten einige Marktteilnehmer das ambitionierte Übernahmeinteresse als Zeichen finanzieller Stärke, während andere vor den enormen potenziellen Integrationskosten eines solchen Milliarden-Zusammenschlusses warnen.
Steht die Chemiebranche vor einer Konsolidierungswelle?
Auch nach der vorläufigen Absage an BASF bleibt die Grundannahme an den Märkten bestehen: Die europäische Chemiebranche steht massiv unter Konsolidierungsdruck. Hohe Energiekosten, wachsende regulatorische Anforderungen und der aggressive Wettbewerb aus Übersee zwingen die europäischen Konzerne zum Handeln.
Ob BASF nach dem ersten Dämpfer nachlegt oder ob sich möglicherweise andere strategische Akteure in Stellung bringen, wird die Börsennachrichten der kommenden Wochen dominieren. Für Anleger bedeutet dies vor allem eines: Hohe Volatilität, aber auch signifikante Renditechancen im Sektor.