Chemie-Paukenschlag: BASF greift nach Konkurrent Evonik
Die krisengeplagte europäische Chemiebranche steht womöglich vor einer historischen Konsolidierungswelle. Was am Markt zunächst als Gerücht kursierte, hat sich am frühen Freitagnachmittag zu einem handfesten Börsenkrimi entwickelt: Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat ein Auge auf den Spezialchemie-Rivalen Evonik geworfen.
Wie Evonik in einer Ad-hoc-Mitteilung offiziell bestätigte, gab es bereits eine unverbindliche Ansprache der Ludwigshafener, die auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien abzielt.
Zuvor hatte bereits die britische „Financial Times“ unter Berufung auf Insiderberichte über den Vorstoß berichtet. Ein Zusammenschluss der beiden Schwergewichte würde einen neuen europäischen Chemiegiganten mit einem kombinierten Jahresumsatz von rund 74 Milliarden Euro formen – eine direkte Kampfansage an Konkurrenten wie das US-Unternehmen Dow oder die staatlich gestützte Sinopec aus China.
Evonik-Aktie zündet nach Bestätigung den Turbo
Die Reaktionen am Aktienmarkt ließen nicht lange auf sich warten. Die Papiere von Evonik (ISIN: DE000EVNK013) verzeichneten am Freitagmittag einen massiven Kurssprung. In der Spitze schoss der Kurs um rund 11 Prozent nach oben und überwand dabei die Marke von 20 Euro – das höchste Kursniveau seit Mai 2025. Anleger spekulieren offensichtlich darauf, dass BASF für eine erfolgreiche Übernahme eine saftige Prämie auf den aktuellen Börsenwert auf den Tisch legen müsste.
Aktuell wird Evonik an der Börse mit gut 8,4 Milliarden Euro bewertet. Unter Einbeziehung der Nettoverschuldung schätzen Finanzexperten den Unternehmenswert auf rund 12 Milliarden Euro. Ob es am Ende tatsächlich zu einem Abschluss kommt, hängt jedoch maßgeblich an einem zentralen Akteur.
RAG-Stiftung als Zünglein an der Waage
Eine Schlüsselrolle bei dem potenziellen Milliarden-Deal spielt die Essener RAG-Stiftung, die mit einem Anteil von knapp 43,8 Prozent der mit Abstand größte Einzelaktionär von Evonik ist. Auch die Stiftung bestätigte am Freitagnachmittag, dass sie von BASF auf ein etwaiges Angebot angesprochen worden sei. Bislang ließ der Großaktionär jedoch offen, wie er sich zu den Avancen positioniert. Fest steht: Ohne den Segen der RAG-Stiftung ist eine Übernahme de facto unmöglich. Evonik selbst betonte derweil, dass aktuell noch keine konkreten Gespräche mit BASF stattfinden.
BASF: Synergien versus finanzielle Bürde
Während die Evonik-Aktionäre feiern, zeigten sich die Investoren von BASF (ISIN: DE000BASF111) deutlich skeptischer. Die Aktie des Dax-Konzerns gab am Freitag im Xetra-Handel nach und notierte am frühen Nachmittag bei rund 51,32 Euro, was einem Minus von fast zwei Prozent entspricht.
Am Markt werden die strategischen Vorteile einer Fusion intensiv diskutiert. Analysten sehen in der Zusammenlegung durchaus Potenzial für erhebliche Synergieeffekte, insbesondere da sich etwa zwei Drittel des Evonik-Portfolios gut mit den BASF-Strukturen ergänzen würden. Für den BASF-Chef Markus Kamieth wäre der Zukauf ein Befreiungsschlag, um im aktuell extrem schwierigen Branchenumfeld – geprägt von hohen Energiekosten in Europa und einer schwachen globalen Nachfrage – Skaleneffekte zu erzielen. Gleichzeitig warnen kritische Stimmen vor den enormen Auswirkungen auf die Bilanz der Ludwigshafener. Eine Übernahme in dieser Größenordnung ist ein gewaltiger finanzieller Kraftakt, der von den Anlegern naturgemäß kritisch beäugt wird.
Es bleibt nun abzuwarten, ob aus der anfänglichen Sondierung bald ein verbindliches Angebot formuliert wird. Die kommenden Tage dürften für die gesamte europäische Chemieindustrie richtungsweisend sein.
Dieser Text wurde unter Einsatz von KI-Tools erstellt und redaktionell überarbeitet.