Nahost-Konflikt treibt Brent-Ölpreis über 91-Dollar-Marke
Die Eskalation im Nahen Osten hat den globalen Energiemarkt einmal mehr fest im Griff. Nachdem US-Streitkräfte am Wochenende erstmals seit Wochen wieder gezielte Militärschläge gegen iranische Raketenabschussrampen auf der Insel Larak nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus durchgeführt haben, reagieren die Rohstoffbörsen zum Start in die neue Handelswoche mit spürbaren Risikoaufschlägen.
US-Militärschlag und Irans Vergeltung in der Straße von Hormus
Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Nadelöhren für den weltweiten Öltransport. Entsprechend sensibel reagieren die Marktteilnehmer auf Störungen in dieser Region. Berichten des US-Zentralkommandos zufolge wurden die Militärschläge als Reaktion auf Vorbereitungen der Islamischen Revolutionsgarden durchgeführt, die Raketen mit Seeminen in die Meerenge abfeuern wollten. Die iranische Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Teheran kündigte Vergeltung an und nahm in der Folge Stützpunkte im Nahen Osten, unter anderem in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Jordanien, ins Visier. Das erneute Aufflammen der Kampfhandlungen erschüttert die Hoffnungen auf eine diplomatische Entspannung und lässt die geopolitische Risikoprämie für den Rohstoff Öl rasant ansteigen.
Ölpreis (Brent) und WTI reagieren mit Aufschlägen
Am wichtigsten Handelsplatz für die Nordseesorte Brent (ISIN: XC0009677409), der Intercontinental Exchange (ICE), hat der Preis am Vormittag die psychologisch wichtige Schwelle von 90 US-Dollar deutlich hinter sich gelassen. Zuletzt notierte ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent bei 91,18 US-Dollar. Auch die US-Leichtölsorte WTI (ISIN: XC0009677441), die primär an der NYMEX gehandelt wird, verbucht kräftige Gewinne und kletterte am Vormittag auf 86,38 US-Dollar pro Fass.
Experten betonen, dass diese Preisbewegung die wachsende Sorge der Investoren widerspiegelt, dass eine anhaltende Blockade oder Verminung der Handelsroute die globalen Lieferketten für Rohöl drastisch einschränken könnte. Solange sich keine Verhandlungslösung für den Konflikt abzeichnet, bleibt der Aufwärtsdruck bei den Energierohstoffen hoch.
Inflationssorgen belasten die internationalen Aktienmärkte
Der plötzliche Energiesprung facht an den globalen Börsen die Sorgen vor einem anhaltenden Inflationsdruck wieder massiv an. Steigende Ölpreise gelten als klassischer Treiber für Verbraucherpreise, was wiederum den Spielraum der Zentralbanken für mögliche Zinssenkungen einengt. Diese Gemengelage bremst die jüngste Rekordjagd an den Aktienmärkten spürbar ab.
So mussten beispielsweise Anleger am deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt Gewinne mitnehmen: Der Leitindex DAX (ISIN: DE0008469008) rutschte nach seinem jüngsten Rekordhoch wieder in die Verlustzone, belastet durch die Kombination aus steigenden Energiekosten und zeitgleich falkenhaften Zinssignalen aus den USA.
Anleger sollten in den kommenden Tagen die Nachrichtenlage rund um den Persischen Golf genau im Blick behalten. Die hohe Volatilität dürfte sowohl bei den Öl-Futures als auch an den Aktienmärkten vorerst anhalten.