Iran-Krieg erreicht jetzt auch Ihre Heizung

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Sie spüren den Iran-Krieg bislang vielleicht vor allem beim Tanken. Doch nun erreicht der Konflikt zunehmend auch Ihre Heizung – und möglicherweise bald Ihre Gasrechnung.

Der europäische Gaspreis ist innerhalb eines Monats um fast 50 Prozent gestiegen. Eine Megawattstunde, also eine größere handelsübliche Menge Gas, kostet inzwischen rund 62 Euro. Damit ist Gas so teuer wie seit Beginn des Krieges nicht mehr.

Der Grund ist eine gefährliche Mischung aus Krieg, Hitze und zu niedrigen Vorräten.

Wichtige Lieferungen fallen aus

Durch die Blockade der Straße von Hormus können Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate derzeit kaum Flüssiggas exportieren. Flüssiggas, kurz LNG, ist Erdgas, das stark heruntergekühlt und anschließend per Schiff transportiert wird.

Das ist für Europa besonders wichtig, weil russisches Gas seit dem Ukraine-Krieg weitgehend ersetzt werden musste. Ein großer Teil kommt nun über LNG-Terminals aus anderen Regionen.

Doch auch dort gibt es Probleme. Eine wichtige Anlage in Katar wurde schwer beschädigt. Gleichzeitig fällt das amerikanische Exportterminal Freeport wegen Wartungsarbeiten aus. Dadurch gelangt weniger Gas auf den Weltmarkt.

Hinzu kommt die Hitze. Klimaanlagen treiben den Stromverbrauch in Europa und Asien nach oben. Viele Kraftwerke benötigen dafür Gas. Europa konkurriert deshalb immer stärker mit asiatischen Käufern um dieselben Lieferungen.

Die Speicher sind zu leer

Besonders kritisch ist der niedrige Füllstand der deutschen Gasspeicher. Sie sind derzeit nur zu gut 45 Prozent gefüllt und damit deutlich leerer als im Vorjahr.

Das Problem: Für Händler lohnt es sich momentan kaum, Gas einzulagern. Der aktuelle Preis ist bereits hoch, während Gas für den kommenden Winter nicht wesentlich teurer gehandelt wird. Die Händler können also kaum Geld verdienen, wenn sie heute kaufen und das Gas später verkaufen.

Für Verbraucher entsteht daraus ein unangenehmes Risiko. Wer noch einen alten Festpreisvertrag besitzt, ist zunächst geschützt. Bei einem neuen Vertrag können die Kosten dagegen bereits rund ein Viertel höher liegen als vor einem Jahr.

Was bedeutet das für Sie?

Steigende Gaspreise belasten nicht nur private Haushalte. Auch Chemie-, Metall- und andere Industriebetriebe benötigen große Mengen Energie. Werden ihre Kosten zu hoch, sinken Gewinne und Produktion.

Zugleich könnte die Inflation wieder steigen. Das erschwert Zinssenkungen und kann die Börse insgesamt bremsen.

Mein Rat als Experte: Prüfen Sie Ihren Gasvertrag rechtzeitig, aber wechseln Sie nicht panisch zu jedem Preis. Als Aktionär sollten Sie investiert bleiben, jedoch besonders energieabhängige Unternehmen kritisch beobachten.

Entscheidend ist nun, ob Europa seine Speicher vor dem Winter deutlich schneller füllt. Geschieht das nicht, kann aus dem heutigen Preisanstieg im kalten Winter ein echtes Versorgungsproblem werden.