Europas Energie-Wette wird vor allem eines: teuer
Wenn Sie wissen wollen, warum Energiepolitik auch Börsenpolitik ist, dann schauen Sie nicht zuerst auf Windräder, Solarpanels oder schöne Klimaziele. Schauen Sie auf die Straße von Hormus.
Durch diese enge Meerenge fließt ein großer Teil des weltweiten Öls und Flüssiggases. Flüssiggas, kurz LNG, ist Erdgas, das für den Transport per Schiff stark heruntergekühlt wird.
Sobald dort Ärger droht, wird plötzlich allen klar: Ohne Öl und Gas läuft die moderne Welt nicht. Keine stabile Industrie, keine sichere Logistik, keine günstige Heizung, keine bezahlbare Produktion.
Europa redet grün, kauft aber fossil
Genau hier liegt der Widerspruch. Europa will aus fossilen Energien aussteigen, bleibt aber gleichzeitig massiv abhängig von fossilen Energie-Importen. Das ist wie bei jemandem, der sein eigenes Brunnenwasser zuschüttet und sich danach wundert, dass Wasser teuer wird.
Das Problem ist nicht der Wunsch nach sauberer Energie. Den teilen wir alle. Das Problem ist die Reihenfolge. Erst wurden eigene Kapazitäten abgebaut, dann hoffte man, der Rest der Welt liefere zuverlässig und günstig weiter. Das ist keine Strategie. Das ist naives Wunschdenken.
Was heißt das für Sie als Anleger?
Für die Börse bedeutet das: Energie bleibt ein Machtfaktor. Unternehmen, die viel Strom, Gas oder Öl brauchen, stehen in Europa stärker unter Druck. Dazu gehören Chemie, Stahl, Glas, Dünger, Raffinerien und Teile der Autoindustrie. Wenn Energie dauerhaft teuer bleibt, schrumpfen Margen. Margen sind der Gewinnanteil am Umsatz.
Mein Rat als Experte für Sie: Schauen Sie bei europäischen Aktien künftig noch genauer auf die Energiekosten. Starke Unternehmen können viel ausgleichen. Schwache Geschäftsmodelle werden durch teure Energie aber schnell entlarvt.
Setzen Sie nicht blind auf schöne Zukunftsversprechen, sondern auf Firmen mit Preissetzungsmacht. Das sind Unternehmen, die höhere Kosten an Kunden weitergeben können. Genau dort liegt in unsicheren Zeiten oft die bessere Börsenchance für Sie.