Zwischen Euphorie, Vorsicht und politischem Gegenwind
Der Dax startet in die neue Woche mit einem kleinen Identitätsproblem: zu wenig Kaufinteresse für neue Rekorde, zu viel Optimismus für eine echte Herbstkorrektur. Analyst Jochen Stanzl bringt es auf den Punkt: „So richtig weiß der Markt nicht, wohin mit sich.“
Immerhin – die jüngsten Rekorde an der Wall Street haben den Dax etwas mitgezogen und den Widerstand bei 23.854 Punkten wieder ins Blickfeld gerückt. Doch ohne frische Käufer wird der Sprung schwer. Marktbeobachter sehen bereits Schnäppchenjägern, die bereits aktiv geworden sind – ob das reicht, bleibt spannend.
Ein klares Kaufsignal winkt, wenn der Dax die Marke von 23.800 Punkten nachhaltig überwindet. Dann könnte die nächste Rally in Richtung Rekordhoch gezündet werden. Aber: „Nach der Fed-Sitzung ist vor der Fed-Sitzung“, wie Mark Dowding trocken kommentierte. Anleger richten ihren Blick daher schon wieder auf die nächsten Konjunkturdaten und den PCE-Index am Freitag, das Lieblingsmaß der Fed für die Inflation.
Die US-Märkte haben am Freitag noch einmal fröhlich Rekorde gefeiert – S&P 500, Nasdaq und Dow Jones kletterten auf neue Bestmarken. Vor allem die Hoffnung auf weiter sinkende Zinsen befeuert die Kurse. Analysten mahnen aber zur Vorsicht: Die Inflation zieht leicht an, und zu viele Zinsschritte auf einmal wird die Fed wohl nicht riskieren.
Auch in Asien ein buntes Bild: Japan und Südkorea (dank Samsung) glänzen, während China und Hongkong eher blass bleiben.
Unternehmensnachrichten / Einzelaktien
Die Dax-Familie bekommt Zuwachs – und Abschiedstränen: Porsche und Sartorius müssen den Leitindex verlassen. Neu dabei sind Scout24 und Gea. Im MDax mischt künftig auch Fielmann mit.
Auf Unternehmensseite verspricht die Woche einiges an Schlagzeilen:
- Tui eröffnet am Dienstag die Berichtssaison mit frischen Zahlen zu Buchungen.
- H&M legt am Donnerstag die Bilanz fürs dritte Quartal vor – ein wichtiger Stimmungstest für Mode- und Konsumwerte.
- KWS Saat liefert ebenfalls am Donnerstag Jahreszahlen.
- Zum Wochenschluss wird es sportlich: Borussia Dortmund präsentiert seinen Jahresfinanzbericht.
Und über den Atlantik geschaut:
- Fedex lieferte starke Quartalszahlen, Aktie +2,3 %.
- Lennar enttäuschte beim Auftragseingang und verlor über 4 %.
- Bei den Techs bleibt es turbulent: Tesla legte nach einer Hochstufung durch Baird 2 % zu. Analyst Ben Kallo sieht sogar Luft bis 548 Dollar – weit über dem bisherigen Rekord.
- Intel hingegen bekam von der Citigroup einen Dämpfer. Nach der Rally wegen des Nvidia-Deals stufte Analyst Christopher Danely die Aktie zum Verkauf ab – Kurs minus 3 %.
Politischer Einfluss
Die Politik mischt kräftig mit. In Deutschland sorgt die Debatte um den „Herbst der Reformen“ eher für Stirnrunzeln. Während die Bundesregierung Milliardeninvestitionen als Zukunftspaket verkauft, sprechen Ökonomen wie Edgar Walk von einer „buchhalterischen Nebelmaschine“. Auch Robert Halver warnt vor „Reförmchen“ statt echten Impulsen.
International bleibt US-Präsident Trump das politische Fragezeichen für die Märkte. Seine Verschärfung der Arbeitsvisabestimmungen könnte besonders Indiens Tech-Branche belasten. Gleichzeitig wirkt die Zolleinigung zwischen den USA und der EU weniger euphorisch als erhofft – Anleger reagieren eher nüchtern.
Das große Thema der Woche bleibt aber die Geldpolitik: Die Fed hat die erste Zinssenkung des Jahres geliefert, aber wie es weitergeht, hängt stark von den kommenden Daten ab. Steigt die Inflation zu stark, könnte das die Zinssenkungsfantasien schnell abkühlen.
Fazit:
Die Märkte starten mit gemischten Gefühlen in die Woche: zwischen der Hoffnung auf neue Rekorde und der Furcht vor einem Herbst-Dämpfer. Unternehmenszahlen, das Ifo-Klima und der PCE-Index werden die Richtung weisen – und politisch bleibt genug Zündstoff. Anleger brauchen also auch in dieser Woche: Geduld, starke Nerven und vielleicht ein wenig Humor.