US-Baubrance: Steigende Zinsen bremsen

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Donald Trump will sinkende Leitzinsen und tobt. Denn die US-Notenbank stellt sich quer. Die Inflation in den USA ist vor allem aufgrund der hohen Energiekosten einfach zu hoch. Welch ein Glück, dass die FED mehr Wert legt auf die eigene Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Kapitalmärkte als auf politischen Druck.

Bauvolumen im Sinkflug

Die Kehrseite der Medaille: Insbesondere für die amerikanische Baubranche sind wiederholte Anhebungen des Leitzinses gleichsam schleichendes Gift. Im Juli dieses Jahres sank das gesamte US-Bauvolumen auf annualisiert zwar knapp 2,2 Milliarden US-Dollar – 3,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders schwach war der private Wohnungsbau. So fielen die Ausgaben für Einfamilienhäuser im Monatsvergleich um 3,2 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent. Zwar stiegen die Einfamilienhaus-Baubeginne im August um 7,6 Prozent. Doch die Genehmigungen für künftige Projekte gingen zurück.

Margendruck bei Bauträgern

Bei den Hausbaufirmen ist der Margendruck deutlich spürbar. In jüngster Zeit senkten nach statistischen Angaben knapp 40 Prozent der Bauunternehmen ihre Preise im Schnitt um sechs Prozent. Sogar 66 Prozent der Bauträger versuchten durch zusätzliche Kaufanreize, Kunden zu gewinnen. Die Aktien bekannter Bauträger wie D. R. Horton, Lennar, Pulte Group und NVR sind vermeintlich günstig bewertet. Doch –wie gesagt – steigende Zinsen, Rabatte und höhere Materialkosten belasten die Gewinne.

Ein fast dramatisches Warnsignal für die Branche: der „NAHB/Wells Fargo Housing Market Index“ ist jüngst unerwartet stark auf 32 Punkte gefallen – der niedrigste Stand seit September 2025. Werte unter 50 Punkten signalisieren eine negative Grundstimmung und einen pessimistischen Ausblick der US-amerikanischen Bauträger.

Steigende Hypo-Zinsen auch in Deutschland

Und in Deutschland? Auch hier sind die Hypothekenzinsen spürbar gestiegen. Nach einem Jahrestief im Januar bei rund 3,3 Prozent Zins für Baudarlehen mit zehnjähriger Bindung ging es im Februar dank des Konflikts im Iran deutlich nach oben.

Mittlerweile zahlen Häuslebauer und Häuslekäufer für Immobilienkredite zwischen 4,0 und 4,5 Prozent. Heißt: Ein Baudarlehen in Höhe von angenommen 300.000 Euro kostet jetzt mindestens 3.000 Euro mehr Zins als noch zu Jahresbeginn.

Wer jetzt baut oder modernisiert respektive saniert, schaut vermutlich mehr auf die Preise als früher. In Deutschland beispielsweise ist die Nachfrage nach Baumaterialien von Anbietern und Herstellern aus dem Ausland erkennbar gestiegen, weil die oft billiger sind. Häufig verbaut werden etwa Türen und Fenster aus Polen, vor allem bei Modernisierungen und Sanierungen, mittlerweile auch bei neuen Objekten.

Polnische Fensterbauer gefragt

Polen ist der größte Fensterexporteur Europas. Dort hergestellte Fenster machen historisch einen erheblichen Teil des deutschen Marktes aus. Das gilt insbesondere bei Kunststofffenstern, bei denen der Importanteil aus Polen bei bis zu 75 Prozent aller deutschen Fensterimporte liegt.

Doch nach jahrelangem Wachstum büßten polnische Fensterhersteller auf dem deutschen Markt zuletzt erstmals Marktanteile ein. Betrachtet man die reine Importquote, bleibt Polen dennoch die unangefochtene Nummer 1 im deutschen Außenhandel mit Bauelementen.

Für das Jahr 2026 erwarten Branchenverbände wie der VFF ein leichtes Marktwachstum von rund 2,8 Prozent in Deutschland. Zugleich bleibt der Konkurrenzdruck zwischen etablierten deutschen Herstellern und polnischen Werken im Kampf um Marktanteile extrem hoch.

US-Bauaktien: Heimwerker statt Bauträger

Die Aktien amerikanischer Bauunternehmen sind derzeit eine heiße Spekulation und deshalb riskant. Da die US-Notenbank in den kommenden Monaten möglicherweise erneut die Leitzinsen liftet, sollten selbst Hartgesottene den Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt mehr als nur gut überlegen. Möglicherweise gibt es die Aktien von Lennar & Co. im Dezember oder Januar spürbar preiswerter als heute.

Eher in Betracht kommen da schon die Anteilsscheine von Baumärkten, insbesondere von Home Depot sowie Lowe‘s.

Home Depot konnte im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres positiv überraschen. So stieg der Umsatz um knapp sechs Prozent auf nahezu 48 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 4,92 Dollar. Die vergleichbaren Verkäufe in den USA stiegen um 1,3 Prozent.

Das klingt zwar kaum erwähnenswert, aber dies ist der beste Wert seit Ende des Jahres 2022. Modernisierungen, Gartenbedarf und kleinere Bauprojekte laufen solide. Eher große und überdies kreditfinanzierte Vorhaben wie neue Küchen oder Bäder bleiben jedoch schwach.

Der strategische Vorteil von Home Depot ist das Profigeschäft. Rund die Hälfte der Umsätze stammt inzwischen von Handwerkern und Bauunternehmen. Durch Zukäufe wie SRS Distribution und GMS will der Konzern diesen Bereich weiter ausbauen. Das macht Home Depot etwas weniger abhängig vom privaten Heimwerker.

Im zweiten Quartal erzielte Konkurrent Lowe‘s einen Gewinn über den Analysten-Erwartungen. Doch der Umsatz und die vergleichbaren Verkäufe enttäuschten mit nur + 0,2 Prozent auf vergleichbarer Fläche. Deshalb senkte das Unternehmen den Ausblick, für das Gesamtjahr rechnet Lowe’s nun praktisch mit keinem Umsatzwachstum. Allerdings scheint an der Börse bereits viel Skepsis eingepreist. Der Markt bewertet Lowe’s mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das kommende Jahr mit rund 15, Home Depot dagegen mit knapp 20.

Nice to know: Home Depot hat die Dividende zuletzt um 1,3 Prozent erhöht, die Ausschüttung wurde 17 Jahre in Folge angehoben und wird seit 157 Quartalen ohne Unterbrechung gezahlt. Lowe’s zahlt seit dem Börsengang im Jahr 1961 ohne Unterbrechung eine Quartalsdividende und erhöhte diese seit mehr als sechs Jahrzehnten jedes Jahr. Die jüngste Anhebung betrug vier Prozent. Somit zählt das Unternehmen zu den Dividenden-Aristokraten in den USA.

Lowe’s einen Ticken besser als Home Depot?

Wer sein Portfolio diversifizieren und partout nicht die Finger von der US‑amerikanischen Baubranche lassen möchte, für den scheinen aus heutiger Sicht die Anteilsscheine von Lowe’s die momentan bessere Wahl. Zugleich sollten Anleger immer im Hinterkopf behalten, dass an der US-Leitzinsfront mutmaßlich das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Selbst wenn die Lowe’s-Aktie momentan günstig bewertet scheint, kann sie noch weiter fallen.