SpaceX: Die nächste kalte Dusche für Anleger steht bevor
Ende vergangener Woche hatte ich Ihnen von den fallenden Kursen der SpaceX-Aktie berichtet. Das Thema greife ich heute noch einmal auf, und das nicht ohne Grund. Denn der August wird noch einmal spannend. Da tritt das ein, wovor ich Sie schon gewarnt hatte: Die ersten Lock-up-Fristen laufen ab. Einige Investoren, die schon vor dem Börsengang in SpaceX investiert hatten, dürfen dann erstmals ihre Aktienpakete verkaufen.
Zur Erinnerung: Lock-up-Fristen sind vertraglich vereinbarte Sperrfristen nach einem Börsengang. Sie sollen verhindern, dass Gründer, Manager oder frühe Investoren ihre Anteile unmittelbar nach dem IPO auf den Markt werfen. Meist dauern diese Sperrfristen zwischen 3 und 6 Monaten. Erst danach dürfen die bisherigen Eigentümer ihre Aktien frei verkaufen. Zwei Studien zeigen: Da wird meist nicht lange gefackelt.
Börsenneulinge: Risiken lauern auch nach dem IPO
Das zeigen zwei wissenschaftliche Untersuchungen, die zwar schon 25 Jahre alt sind, aber auch heute noch aussagekräftig sind. Die eine heißt „The IPO Lock-Up-Period: Implications for Market Efficiency And Downward Sloping Demand Curves“. Sie wurde 2000 erstellt und stammt von Eli Ofek und Matthew Richardson (Stern School of Business, New York University). Die andere trägt den Titel „The Expiration of IPO Share Lockups“ von Laura Casares Fields und Gordon Hanka. Sie wurde 2001 im Journal of Finance publiziert. Darin wurden Tausende von Börsengängen aus der Zeit der Dotcom-Blase untersucht.
Das Ergebnis: Nach dem Ende der Lock-up-Fristen stieg das tägliche Handelsvolumen der betreffenden Aktien im Schnitt dauerhaft um rund 40%. Am eigentlichen Stichtag wurden sogar häufig mehr als 60% mehr Aktien gehandelt als zuvor. Offensichtlich sind gerade Finanzinvestoren (Beteiligungsgesellschaften, Risikokapitalgeber) nicht zimperlich dabei, die Möglichkeiten für einen schnellen Verkauf zu nutzen.
Es muss niemanden wundern, wenn die Kurse dabei unter Druck geraten. So war es auch bei den untersuchten Aktien. Der Grund liegt auf der Hand: Sobald Millionen zusätzlicher Aktien verkauft werden dürfen, wächst das Angebot am Markt schlagartig. Das belastet den Kurs, selbst wenn längst nicht alle Alteigentümer tatsächlich verkaufen.
Die Studien mögen schon ein Vierteljahrhundert alt sein. Aber ihre Ergebnisse beschreiben auch heute noch zuverlässig, was Anleger in der Zeit nach einem Börsengang erwartet. Das sind eher hohe Schwankungen und zurückgehende Kurse als ein erfreulicher Aufschwung.
Mein Rat an Sie lautet deshalb: Nicht zu schnell kaufen
Lassen Sie sich auch in den Monaten nach einem IPO (Initial Public Offering, also Börsengang) von den Schlagzeilen um spektakuläre Börsenneulinge nicht verführen. Der Kursverlauf wird anfangs oft von Emotionen und Spekulationen getrieben. Ein ideales Umfeld für gute und möglichst sichere Gewinne ist das nicht. Wesentlich entspannter investieren Sie, wenn Sie einem Unternehmen zunächst etwas Zeit geben.
Hat sich das Geschäftsmodell bewährt, liegen erste Quartals- oder besser Jahreszahlen als börsennotiertes Unternehmen vor und ist auch die Lock-up-Phase überstanden, können Sie den Wert noch einmal in Ruhe prüfen. Gute Unternehmen laufen Ihnen nicht davon. Eine IPO-Euphorie dagegen endet oft schneller, als vielen Anlegern lieb ist.
Ich empfehle daher Aktien von Qualitätsunternehmen, die sich am Markt schon bewährt haben. IPO-Träume können dagegen schnell platzen.