RTX: Warum das Wartungsgeschäft den Unterschied macht
Wer derzeit auf die wachsende Nachfrage nach Flugreisen setzt, denkt wahrscheinlich zuerst an Airbus oder Boeing. Beide Hersteller verfügen über volle Auftragsbücher, können daraus wegen anhaltender Produktionsprobleme aber nur begrenzt steigende Auslieferungen und Gewinne machen. Für Sie als Value-Anleger stellt sich deshalb die Frage: Wer verdient am Luftfahrtboom derzeit am zuverlässigsten?
Wartung wird zum entscheidenden Geschäft
Auch Triebwerkshersteller leiden unter Lieferengpässen. Im Unterschied zu den Flugzeugbauern verdienen sie jedoch nicht nur an neuen Maschinen. Mit jedem ausgelieferten Triebwerk wächst die Zahl der Flugzeuge, die über viele Jahre gewartet und mit Ersatzteilen versorgt werden müssen.
Genau dieses Wartungsgeschäft sorgt für langfristige und vergleichsweise gut planbare Einnahmen. Fluggesellschaften können notwendige Arbeiten nicht beliebig verschieben, ohne die Einsatzfähigkeit ihrer Maschinen zu gefährden. Zudem bleiben Triebwerke oft über Jahrzehnte in Betrieb.
Vom wachsenden Wartungsgeschäft profitieren unter anderem GE Aerospace, MTU Aero Engines und der zu RTX gehörende Triebwerkshersteller Pratt & Whitney. GE Aerospace weist derzeit die stärkste operative Entwicklung auf. Die Aktie wird allerdings bereits mit dem 27,2-Fachen des erwarteten Gewinns bewertet. MTU ist günstiger, hängt aber stärker von einzelnen Triebwerksprogrammen ab.
Aus meiner Sicht lohnt sich deshalb vor allem bei RTX ein genauerer Blick. Der Konzern verbindet das wachsende Wartungsgeschäft mit einer breiten Aufstellung und einer noch vertretbaren Bewertung.
RTX profitiert von drei Wachstumstreibern
RTX ist in drei Geschäftsfeldern aktiv: Pratt & Whitney, Collins Aerospace und Raytheon. Pratt & Whitney entwickelt und wartet Flugzeugtriebwerke. Collins Aerospace liefert unter anderem Flugsteuerungen, Fahrwerke und Kabinentechnik für zivile und militärische Flugzeuge. Raytheon produziert vor allem Raketen- und Luftverteidigungssysteme.
Durch diese breite Aufstellung hängt RTX weniger stark von einzelnen Flugzeugprogrammen ab. Der Konzern profitiert sowohl von der wachsenden zivilen Luftfahrt als auch von den weltweit steigenden Verteidigungsausgaben. Zum Ende des 2. Quartals 2026 erreichte der Auftragsbestand 289 Mrd. US-Dollar. Davon entfielen 170 Mrd. US-Dollar auf das zivile Geschäft und 119 Mrd. US-Dollar auf den Verteidigungsbereich.
Inzwischen schlägt sich der hohe Auftragsbestand auch deutlich in den Geschäftszahlen nieder. Im 2. Quartal stieg der Umsatz um 14% auf 24,7 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 21% auf 1,89 US-Dollar zu. Gleichzeitig erwirtschaftete RTX einen freien Cashflow von 2,9 Mrd. US-Dollar.
Besonders kräftig wuchs Pratt & Whitney. Der Umsatz des Triebwerksbereichs erhöhte sich um 16%. Mit Wartungen und Ersatzteilen für zivile Triebwerke nahm RTX sogar 25% mehr ein. Auch Collins Aerospace und Raytheon steigerten ihren Umsatz und operativen Gewinn.
Nach dem starken 1. Halbjahr hob das Management seine Jahresprognose an. RTX erwartet jetzt einen bereinigten Umsatz zwischen 95 und 96 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll 7,10 bis 7,25 US-Dollar erreichen. Beim freien Cashflow rechnet der Konzern mit 8,50 bis 8,75 Mrd. US-Dollar.
Was bedeutet das für Sie als Anleger?
Risiken bleiben dennoch bestehen. Produktionsengpässe können die Auslieferung neuer Triebwerke und Flugzeugsysteme verzögern. Hinzu kommen hohe Belastungen durch notwendige Inspektionen bestimmter Getriebefan-Triebwerke von Pratt & Whitney. Wie teuer technische Mängel in der Luftfahrt werden können, zeigt gerade dieses Problem.
Die jüngsten Zahlen belegen jedoch, dass RTX diese Belastungen auffängt und zugleich in allen drei Geschäftsfeldern wächst. Mit dem 22,2-Fachen des erwarteten Gewinns ist die Aktie zwar nicht günstig. Angesichts des hohen Auftragsbestands, der angehobenen Prognose und des erwarteten Gewinnwachstums erscheint die Bewertung aber noch vertretbar.
Wer lediglich auf steigende Flugzeugbestellungen schaut, übersieht daher möglicherweise den verlässlicheren Teil des Geschäfts. RTX verdient mit Wartungen, Flugzeugsystemen und Verteidigungstechnik auch dann weiter, wenn sich die Auslieferung neuer Maschinen verzögert.
Die Probleme bei den Getriebefan-Triebwerken bleiben ein Risiko. Dennoch verbindet RTX Wachstum, eine breite Aufstellung und eine noch vertretbare Bewertung derzeit überzeugender als GE Aerospace und MTU. Innerhalb der Branche ist RTX deshalb mein Favorit.