Rekordlaunen an den Börsen – beim DAX noch nicht
Die US-Börsen bleiben in Feierlaune – zumindest fast. Am Freitag schaffte es der Dow Jones Industrial erstmals über die magische Marke von 47.000 Punkten, bevor ihm kurz vor Handelsschluss ein wenig die Puste ausging. Immerhin blieb am Ende ein Plus von 0,51 % auf 46.758 Punkte. Auch der S&P 500 kletterte zwischendurch auf ein Rekordhoch, rettete aber nur ein Mini-Plus von 0,01 % ins Ziel. Der Nasdaq 100, sonst der strahlende Star der KI-Euphorie, verlor nach frühem Höhenflug leicht um 0,43 %.
Die Investoren kümmert der US-Regierungsstillstand derzeit herzlich wenig – selbst der Arbeitsmarktbericht fiel wegen der Haushaltssperre aus, und trotzdem war die Stimmung blendend. Der Grund: Die Hoffnung auf Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed im Oktober ist groß. Und was könnte der Börse lieber sein als billigeres Geld?
Auch in Asien war die Stimmung zu Wochenbeginn nicht schlecht – vor allem in Japan, wo der Nikkei 225 mit einem Plus von mehr als fünf Prozent auf ein Rekordhoch sprang. Die neue Hoffnungsträgerin Sanae Takaichi, voraussichtlich Japans erste Premierministerin, steht für mehr Staatsausgaben und Konjunkturprogramme – also Musik in den Ohren der Märkte. Der Yen schwächelte, was den exportstarken Unternehmen zusätzlichen Rückenwind verlieh.
Der deutsche DAX dürfte am Montag mit leicht positiver Tendenz in die neue Woche starten. Nach einem mustergültigen Auftakt in den Oktober hofft man hierzulande schon auf die alljährliche Jahresendrally – der Oktober macht’s möglich, die Zinsen helfen, und die KI sorgt für Glanz in den Augen der Anleger.
Unternehmensnachrichten & Einzelaktien
Das Schlagwort der Woche bleibt eindeutig: Künstliche Intelligenz. Und wer meint, das Thema hätte seinen Zenit erreicht, wird eines Besseren belehrt. Gleich zwei neue internationale Partnerschaften ließen Anlegerherzen höherschlagen:
- Hitachi arbeitet künftig mit OpenAI zusammen, um eine globale KI-Infrastruktur zu schaffen – inklusive effizienter Rechenzentren und niedrigerem Energieverbrauch.
- Fujitsu und Nvidia erweitern ihre Kooperation, um branchenspezifische KI-Plattformen für Gesundheit, Fertigung und Robotik zu entwickeln.
Diese Meldungen befeuern den Glauben, dass die milliardenschweren Investitionen in KI tatsächlich bald handfeste Gewinne bringen könnten. Oder, wie Analyst Robert Halver von der Baader Bank es formulierte: „Die hohen Bewertungen dokumentieren einen festen Glauben in die unendlichen Weiten der Künstlichen Intelligenz.“
Bei den Einzelwerten sah es gemischt aus:
- Nvidia verlor am Freitag leicht 0,7 %, bleibt aber mit einem Jahresplus von rund 40 % der unangefochtene Star im Dow.
- Die Chipwerte NXP Semiconductors, Microchip Technology, On Semiconductor und Micron legten zwischen 0,5 % und 2,2 % zu.
- Applied Materials musste dagegen nach schwächerem Ausblick 2,7 % abgeben.
- Nike fiel mit -3,5 % ans Dow-Ende – offenbar eine kleine Verschnaufpause nach zwei starken Tagen.
Politischer Einfluss
Politisch ist derzeit einiges in Bewegung – und die Börsen reagieren gelassen bis optimistisch.
In den USA bleibt der Regierungsstillstand bestehen, doch die Anleger zucken nur mit den Schultern. Solange die Aussicht auf eine weitere Zinssenkung besteht, überstrahlt das die politische Blockade.
In Japan dagegen sorgt die Politik für Aufbruchsstimmung: Mit Sanae Takaichi steht eine Politikerin vor dem Sprung ins Amt, die als finanzpolitische „Taube“ gilt – also für niedrige Zinsen und hohe Staatsausgaben steht. Das gefällt der Börse, dem Yen weniger.
Und in Europa? Hier richtet sich der Blick auf die USA: Sollte die Fed tatsächlich die Zinsen senken, dürfte das auch den DAX weiter beflügeln. Noch ist die Vorsicht groß, doch die Hoffnung auf den „goldenen Herbst“ an den Märkten wächst – getrieben von KI, fallenden Zinsen und einem Hauch politischer Stabilität.
Fazit
Die Börsen tanzen weiter im Takt der künstlichen Intelligenz – und solange die Musik spielt, bleibt die Stimmung gut. Zinsfantasie, technologische Euphorie und politische Zuversicht liefern das perfekte Trio für eine mögliche Jahresendrally.