Kampf um die 21-Tagelinie

Inhaltsverzeichnis

Der DAX zeigt sich heute Morgen mal wieder wankelmütig und ringt weiter mit der Marke von 23.600 Punkten. Vorbörslich notiert er  knapp unter der 21-Tage-Linie. Ein charttechnisches Signal nach oben bleibt damit vorerst aus.

Von der Wall Street kam gestern Abend keine Schützenhilfe: Die US-Indizes legten nach ihrer Rekordjagd den Rückwärtsgang ein. Der Dow Jones fiel um 0,19 %, der S&P 500 gab 0,55 % ab und der Nasdaq 100 rutschte sogar um 0,73 % tiefer. Gewinnmitnahmen dominierten das Bild – auch, weil Fed-Chef Jerome Powell einmal mehr die Risiken zwischen Inflation und Arbeitsmarkt in den Vordergrund stellte.

Auch in Asien überwogen am Morgen die roten Vorzeichen: Der Nikkei 225 verlor nach schwachen PMI-Daten und dem gestrigen Feiertag rund ein halbes Prozent, der australische ASX 200 fiel nach unerwartet hohen Inflationszahlen um ein Prozent. In China dagegen sorgte die Hoffnung auf neue Konjunkturmaßnahmen für leichte Gewinne.

Im Fokus hierzulande steht heute der Ifo-Geschäftsklimaindex. Nach gemischten Einkaufsmanagerdaten schauen Investoren besonders genau hin, ob die Stimmung in der deutschen Wirtschaft kippt – oder doch ein kleines Aufatmen erlaubt.

Unternehmensnachrichten / Einzelaktien

Nvidia erwischte es besonders hart: Nach Milliarden-Investitionsankündigungen in den ChatGPT-Entwickler OpenAI war die Aktie am Montag noch zum Rekordhoch durchgestartet, am Dienstag setzten Gewinnmitnahmen ein – Kursverlust: -2,8 %. Die Ansage von Huawei, Nvidia in Sachen KI-Chips in drei Jahren überholen zu wollen, machte die Stimmung nicht besser. Auch Apple und Oracle mussten Federn lassen.

Für positive Schlagzeilen sorgte dagegen Boeing: Die Aktie stieg um zwei Prozent, nachdem Uzbekistan Airways bis zu 22 Dreamliner orderte. Zudem kursieren Gerüchte, dass ausgerechnet China bald wieder bei Boeing Großbestellungen platzieren könnte.

Im Pharmasektor erholten sich die Titel von Kenvue leicht um 1,6 %. Auslöser war eine kuriose Debatte: US-Präsident Trump warnte Schwangere vor Tylenol – doch Experten betonen, dass ein wissenschaftlicher Zusammenhang mit Autismus nicht belegt ist.

Politischer Einfluss

Die Geldpolitik bleibt das Nadelöhr der Märkte. Fed-Chef Powell sprach von „keinem risikolosen Pfad“ zwischen Inflation und Arbeitsmarkt – eine Aussage ohne Neuigkeitswert, aber mit Signalwirkung: Zinssenkungen lassen auf sich warten. Gleichzeitig erhöht Trump den Druck: Sein neu in den Fed-Vorstand berufener Verbündeter Stephen Miran warnt vor unnötigen Entlassungen, sollte das Zinsniveau zu hoch bleiben.

Politische Sprengkraft zeigte sich auch bei Trumps Einlassungen zu Kenvue und Tylenol, die kurzfristig den Kurs bewegten. Zudem schürt die US-Handelspolitik weiterhin Unsicherheit in Japan, wo Auto- und Stahlbranche unter hohen Zöllen ächzen.

Fazit: 

Die Märkte wirken heute wie ein Jongleur, der auf zu vielen Bällen gleichzeitig balanciert – zwischen Gewinnmitnahmen in Tech, Hoffnungen in China, schwachen Daten aus Japan und Australien sowie politischem Druck auf die Fed. Wir Anleger dürfen uns also auf einen weiteren nervösen Handelstag einstellen.