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Genie u. Wahnsinn: Wie Musk die Tesla-Aktie aufs Spiel setzt

Inhaltsverzeichnis

Wohl keine andere Aktie dieser Welt ist so mit einer einzigen Person verbunden wie Tesla. Elon Musk und seine Art der offensiven Kommunikation haben einen sehr großen Anteil daran, dass der Elektroautobauer an der Börse gerade in den Jahren 2020 und 2021 eine sagenhafte Entwicklung hingelegt hatte.

Inzwischen ist die Tesla-Aktie längst von diesem hohen Ross nach unten gestürzt, wie Sie sicherlich mitbekommen haben. Und wieder einmal ist Musk selbst daran nicht ganz unschuldig. Erst vor wenigen Tagen hat der Milliardär erneut Tesla-Aktien im großen Stile verkauft – zum vierten Mal in diesem Jahr.

Musk braucht offenbar Geld für sein Twitter-Desaster

Konkret stieß Musk zwischen dem 12. und 14. Dezember knapp 22 Millionen Aktien ab, im Wert von 3,6 Milliarden Dollar. Insgesamt hat der Tesla-Chef in 2022 damit Wertpapiere für fast 40 Milliarden Dollar verkauft. Beobachter gehen davon aus, dass Musk das frische Geld immer noch zur Finanzierung seiner umstrittenen Twitter-Übernahme braucht.

Der Unternehmer hatte den Kurznachrichtendienst vor wenigen Monaten für 44 Milliarden Dollar übernommen. Ein Deal, der für Musk mehr und mehr zum Problem wird. Denn: Durch seine Ankündigung, die Meinungsfreiheit auf Twitter zu stärken, gibt es Befürchtungen, dass radikale Ansichten vor allem aus dem rechten Spektrum auf der Plattform salonfähig werden könnten. In der Folge haben viele große Konzerne ihre Werbung auf Twitter gestoppt – darunter der deutsche Autobauer Volkswagen.

Musk musste deshalb unlängst hohe Einnahmeverluste seines neuen Unternehmens einräumen. Er sprach gar von einer Geldverbrennungsmaschine. Um die Plattform trotzdem am Laufen zu halten, sieht sich der Milliardär nun offenbar gezwungen, neues Geld nachzuschießen. Ein Fass ohne Boden also.

Tesla-Aktie leidet mit

Und davon betroffen ist auch Tesla, einfach weil die Aktie so stark von Elon Musk abhängig ist. Es ist nie ein gutes Signal, wenn ein Konzernlenker Aktien seines Unternehmens verkauft. Im Falle Musk wiegt das noch einmal schwerer.  Hinzu kommt die Befürchtung, dass Musk bei Twitter so in Beschlag genommen werde, dass er zu wenig Zeit für Tesla habe.

Hat sich Musk also schlicht übernommen? Wollte er zu viel? Der Milliardär ist neben Tesla und Twitter immerhin auch CEO bei der inzwischen florierenden Raumfahrtfirma SpaceX und an weiteren Unternehmen in führender Position beteiligt. Darunter: Neuralink (Neurotechnologie) und The Boring Company (Tunnelbau).

Wird Musk als Tesla-Chef abdanken?

Viele Analysten sind sich deshalb sicher, dass Musk früher oder später kürzertreten muss, um seine Projekte und gar seine selbstauferlegte Mission (die Rettung der Menschheit) nicht zu gefährden. Tatsächlich hatte es erst im November Berichte gegeben, wonach Musk als Tesla-Chef abdanken könnte. Demnach hat ein Mitglied des Tesla-Verwaltungsrats durchsickern lassen, dass Musk schon seit Monaten nach einem möglichen Nachfolger suche.

Seit der Twitter-Übernahme arbeitet der Milliardär nach eigenen Angaben rund 120 Stunden pro Woche. Das würde heißen: rund 17 Stunden pro Tag – auch am Wochenende. Vorher seien es „nur“ 78 Stunden gewesen, so der Unternehmer. Selbst für einen Workaholic wie Musk ist dieses Pensum auf Dauer nicht durchzuhalten.

Aber wie könnte Musks künftiges Engagement bei Tesla aussehen? Möglich wäre, dass der Unternehmer als  Vorstandschef zurücktritt und etwa als führender Produktstratege an Bord bleibt. Dadurch würde man Musk als Zugpferd und Aushängeschild belassen und dessen Millionen Fans bei der Stange halten.

Natürlich könnte sich Musk auch komplett aus dem operativen Geschäft zurückziehen und Tesla als eine Art Markenbotschafter dienen. Nicht zuletzt würde ihm durch seinen immer noch hohen Aktienanteil an Tesla ein gewisser Einfluss bleiben.

Mein Fazit für Sie

Elon Musk ist für die Tesla-Aktie Fluch und Segen gleichermaßen. Ohne ihn und seine Fähigkeit, Menschen von Visionen zu überzeugen und diese zu verkaufen, hätte es die Erfolgsgeschichte Tesla in dieser Form nicht gegeben.

Immerhin ist Tesla nicht nur zu einem profitablen Mega-Konzern avanciert. Der Elektroautobauer aus Kalifornien hat neue Maßstäbe gesetzt, denen die etablierten Autokonzerne nacheifern. Tesla hat somit einen großen Anteil am aktuellen Boom der Elektromobilität.

Auf der anderen Seite der Medaille steht Musks oftmals irrationales Handeln, das bis hin zu Größenwahn reicht. Der ehemalige Siemens-Chef Joe Kaeser, der während seiner Amtszeit häufiger mit Musk zu tun hatte, brachte das kürzlich in einem Podcast auf den Punkt: Bei Musk gebe es eine Trennlinie zwischen Genie und Wahnsinn. „Es gibt dazwischen keinen Puffer, kein Neutral, in dem man sich bewegt. Er ist entweder genial unterwegs oder er ist in einer Weise unterwegs, dass man sich wundern muss, dass solche Leute überhaupt Erfolg haben können“, so Kaeser.

Mit Blick auf die derzeitige Situation rund um die Twitter-Übernahme attestierte der ehemalige Siemens-Chef dem US-Milliardär indes ein Rückfall in Richtung Wahnsinn: „Aktuell ist er unter dieser Trennlinie“, konstatierte Kaeser, der in dem Podcast auch von nächtlichen Wutanrufen Musks in seiner Zeit als Siemens-Chef berichtete.

Es ist sind also unruhige Zeiten für Tesla-Anleger – übrigens auch wegen der makroökonomischen Krisen. Das aber ist ein anderes Thema.