Zalando-Aktie: B2B-Boom und neue KI-Pläne im Härtetest

Weiße Kartons mit schwarzem Zalando-Logo stehen übereinander gestapelt.
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Zalando verschiebt mit den Zahlen zum dritten Quartal 2026 die Gewichte im eigenen Geschäftsmodell: Während das klassische Modegeschäft mit Preisnachlässen um Marktanteile kämpft, katapultiert sich die hochprofitable B2B-Sparte mit fast 28 Prozent Umsatzplus zum zentralen Ergebnistreiber. Trotz eines operativen Gewinnanstiegs auf 107 Millionen Euro reagiert der Aktienmarkt zunächst verhalten, da ein ausgewiesener Nettoverlust und Druck auf die Bruttomarge die Euphorie bremsen.

Der Berliner DAX-Konzern Zalando SE (ISIN: DE000ZAL1111) hat im Zeitraum von Juli bis September seine operative Schlagkraft unter Beweis gestellt, ohne dabei alle Zweifel der Marktteilnehmer auszuräumen. Das Bruttowarenvolumen (GMV) kletterte im Jahresvergleich um 7,5 Prozent auf 4,54 Milliarden Euro, während der Konzernumsatz um 5,1 Prozent auf 3,18 Milliarden Euro zulegte. Beide Werte übertrafen die durchschnittlichen Analystenschätzungen. Noch deutlicher fiel die Steigerung beim bereinigten operativen Ergebnis (Adjusted EBIT) aus, das um 10,6 Prozent auf rund 107 Millionen Euro wuchs. Die entsprechende bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent.

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An der Börse sorgte das Zahlenwerk am Dienstag dennoch für Verkaufsdruck. Nachdem die Zalando-Aktie im frühen Handel zeitweise deutlich unter die Marke von 25,60 Euro gerutscht war, stabilisierte sich das Papier im weiteren Verlauf nur teilweise. Auf Xetra notiert der Titel aktuell bei 26,23 Euro, was einem Abschlag von 2,82 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 26,99 Euro entspricht (Tagesspanne: 25,20 bis 27,78 Euro). Am Handelsplatz Frankfurt steht ein Kurs von 25,78 Euro (-4,2 Prozent) zu Buche, während sich die Notierungen auf Tradegate im Nachmittagshandel bei rund 26,64 Euro (-1,00 Prozent) einpendeln.

Verantwortlich für die Zurückhaltung der Investoren sind vor allem zwei Faktoren jenseits der bereinigten Erfolgskennzahlen: Zum einen sank die Bruttomarge im Konzern aufgrund gezielter Preisinvestitionen im Endkundengeschäft um 90 Basispunkte auf 38,7 Prozent und verfehlte damit den Marktkonsens von 39,9 Prozent. Zum anderen wies Zalando nach Berücksichtigung sämtlicher Aufwendungen einen Nettoverlust von 18 Millionen Euro (0,07 Euro je Aktie) aus, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Überschuss von 12,5 Millionen Euro erzielt worden war. Nach dem starken Kursanstieg im Oktober von fast 18 Prozent nutzten viele Marktteilnehmer diese Diskrepanz für Gewinnmitnahmen.

B2B-Sparte der Zalando-Aktie entwickelt sich zur Margenperle

Die fundamentale Qualität des Quartalsberichts offenbart sich erst bei einer getrennten Betrachtung der beiden Konzernsäulen. Der strategische Umbau vom reinen Online-Modehändler hin zu einem breit aufgestellten E-Commerce-Ökosystem trägt im Firmenkundengeschäft (B2B) beeindruckende Früchte. Der Umsatz in diesem Segment schoss im dritten Quartal um knapp 28 Prozent auf 354 Millionen Euro nach oben.

Noch wichtiger für die Bewertung der Zalando-Aktie ist die enorme Skalierbarkeit dieses Bereichs: Das bereinigte EBIT der B2B-Sparte hat sich mit 42 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die operative Marge sprang von 7,1 Prozent im Vorjahreszeitraum auf nunmehr 11,9 Prozent und liegt damit mehr als dreimal so hoch wie im Gesamtkonzern.

Treiber dieser Entwicklung sind die Logistikplattform ZEOS Fulfilment sowie die B2B-Softwareeinheit SCAYLE, die durch die Integration von About You zusätzliches Gewicht erhalten hat. Beiden Sparten gelang im abgelaufenen Quartal der Durchbruch bei namhaften internationalen Großkunden:

  • SCAYLE (Software-Lösungen): Expansion in den US-Markt durch Abschlüsse mit der Rue Gilt Groupe und Neighborhood Intelligence (zu deren Portfolio unter anderem Bed Bath & Beyond zählt) sowie Gewinn der N Brown Group in Großbritannien.
  • ZEOS Fulfilment (Logistik): Ausbau des europäischen Netzwerks durch neue Großaufträge von bekannten Marken wie Lascana, LC Waikiki und Champion.

Endkundengeschäft (B2C): Kundenrekord und „Zalando Extended“ als KI-Hebel

Im klassischen Endkundengeschäft (B2C) fiel das Umsatzwachstum mit 2,8 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro deutlich moderater aus. Dennoch erreichte die Plattform mit 63,2 Millionen aktiven Kunden (+2,9 Prozent zum Vorjahr) einen neuen historischen Höchststand. Starke Impulse lieferten dabei das Partnergeschäft sowie die Werbesparte Retail Media, deren Erlöse um fast 18 Prozent zulegten und inzwischen rund 2 Prozent des gesamten B2C-Bruttowarenvolumens ausmachen. Niedrigere Fulfillment-Kosten (-90 Basispunkte) und erste Kostensynergien aus der About-You-Übernahme stützten hierbei das operative Ergebnis.

Um das Wachstum auf der Konsumentenseite künftig wieder stärker zu beschleunigen, ohne selbst teure Lagerbestände aufbauen zu müssen, zündet der Konzern unter dem Namen „Zalando Extended“ die nächste technologische Stufe. Das Konzept öffnet die Plattform für Produkte externer Online-Shops, die Zalando bislang nicht im eigenen Sortiment führt – zum Start etwa im Bereich Möbel und Einrichtung mit Partnern wie Westwing.

Der entscheidende Clou folgt ab dem Jahr 2027: Ein eigens entwickelter, autonomer KI-Agent soll den gesamten Bestell- und Bezahlvorgang bei den externen Partner-Shops im Namen der Kunden abwickeln. Käufer müssen die gewohnte Zalando-App somit nicht mehr verlassen, während angeschlossene Händler ohne aufwendige technische Systemintegration sofortigen Zugriff auf die über 63 Millionen Zalando-Kunden erhalten. Nachdem der bisherige sprachbasierte KI-Assistent im laufenden Jahr bereits von über 22 Millionen Nutzern zur Produktsuche verwendet wurde, vollzieht Zalando damit den Schritt in den sogenannten agentenbasierten Handel (Agentic Commerce).

Ausblick 2026: Hohe Hürde für das entscheidende Weihnachtsquartal

Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte der Vorstand die im August ausgegebene Prognose. Sowohl beim Bruttowarenvolumen als auch beim Umsatz wird unverändert ein Zuwachs in der unteren Hälfte der Spanne von 12 bis 17 Prozent angepeilt. Das bereinigte EBIT soll zwischen 680 und 720 Millionen Euro landen, bei geplanten Investitionen (Capex) von 240 bis 300 Millionen Euro.

Diese Bestätigung impliziert für das laufende vierte Quartal eine enorme Ergebnisdynamik: Um das Jahresziel beim operativen Gewinn zu erreichen, muss Zalando im traditionell stärksten Weihnachtsquartal ein bereinigtes EBIT in einer Größenordnung von rund 400 bis 440 Millionen Euro erwirtschaften. Erste Reaktionen von Analysehäusern wie Jefferies, UBS und Deutsche Bank Research fielen ungeachtet der verfehlten Bruttomarge konstruktiv aus – die Experten bestätigten ihre Kaufempfehlungen mit Kurszielen um 35 Euro.

Fazit für Anleger: Chancen und Risiken im direkten Vergleich

Die Transformation von Zalando gewinnt an Kontur, verlangt Aktionären aber kurzfristige Fehlertoleranz beim ausgewiesenen Nettoergebnis ab. Für die weitere Bewertung der Aktie stehen drei zentrale Faktoren im Fokus:

  • Struktureller Margenhebel durch B2B: Mit fast 12 Prozent EBIT-Marge und 28 Prozent Wachstum beweist die B2B-Sparte (SCAYLE und ZEOS), dass Zalando weit mehr ist als ein zyklischer Modehändler. Setzt sich dieses Tempo fort, erzwingt dies mittelfristig eine Neubewertung der Aktie als Technologie- und Infrastrukturplattform.
  • KI-Monetarisierung über Zalando Extended: Gelingt ab 2027 die reibungslose Einführung des autonomen KI-Einkaufsagenten, erschließt sich der Konzern hochmargige Provisions- und Werbeerlöse in völlig neuen Produktkategorien, ohne das eigene Inventarrisiko zu erhöhen.
  • Risikofaktor Konsumklima und Bruttomarge: Kurzfristig bleibt das Kerngeschäft (B2C) anfällig für Rabattschlachten, wie der Rückgang der Bruttomarge auf 38,7 Prozent sowie der Nettoverlust von 18 Millionen Euro zeigen. Im entscheidenden Weihnachtsquartal darf sich der Konzern keine Nachfrageschwäche erlauben, um das ambitionierte Jahresziel von mindestens 680 Millionen Euro beim bereinigten EBIT einzulösen.