Vossloh: Volle Auftragsbücher – jetzt zählt der Endspurt
Die milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur haben die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Monaten etwas „wachgeküsst“. Wenn Sie davon profitieren und in die (bessere) Zukunft der Schiene investieren möchten, sollten Sie Vossloh im Blick haben. Der deutsche Bahntechnik-Spezialist liefert wichtige Komponenten für Schienennetze und unterstützt deren Instandhaltung.
Das Geschäftsmodell setzt damit an einer entscheidenden Stelle an: Leistungsfähiger Bahnverkehr braucht eine zuverlässige Infrastruktur. Für Anleger eröffnet das langfristige Perspektiven. Kurzfristig muss das Unternehmen allerdings zeigen, dass es seine gute Auftragslage auch in höhere Gewinne umsetzen kann.
Aufträge sichern das Geschäft von morgen
In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 erreichte der Auftragseingang rund 1,15 Mrd. Euro, ein Plus von 21,7%. Der Auftragsbestand stieg auf knapp 1,1 Mrd. Euro. Wesentlichen Anteil daran hatte die Übernahme von Sateba. Doch auch ohne diesen Zukauf erhöhten sich die Bestellungen um rund 3%.
Die Zahlen liefern aus meiner Sicht ein ermutigendes Signal: Die Nachfrage ist vorhanden. Das erleichtert die Planung und schafft eine gute Grundlage für die kommenden Quartale. Volle Auftragsbücher allein garantieren allerdings noch keine hohen Gewinne. Entscheidend bleiben eine termingerechte Umsetzung und auskömmliche Margen.
Für Sie als Anleger lohnt sich deshalb der Blick auf beide Seiten: Wie entwickeln sich die Bestellungen – und wie profitabel arbeitet Vossloh diese ab?
Wachstum mit vorübergehenden Belastungen
Der Umsatz legte vor allem übernahmebedingt um 19,6% auf rund 1,09 Mrd. Euro zu. Ohne Sateba lagen die Erlöse dagegen etwa 4% unter dem Vorjahr. Projektverschiebungen und geringere Abrufe aus Rahmenverträgen bremsten das Geschäft. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern sank auf 56,6 Mio. Euro. Höhere Kosten und zusätzliche Abschreibungen im Zusammenhang mit der Übernahme belasteten das Ergebnis.
Das zeigt: Vossloh befindet sich derzeit in einer anspruchsvollen Übergangsphase. Wachstum durch Zukäufe muss erst in nachhaltige Ertragskraft übersetzt werden. Positiv bewerte ich, dass die Auftragsentwicklung grundsätzlich Rückhalt bietet. Nun kommt es darauf an, die vorhandene Nachfrage wirtschaftlich erfolgreich zu bedienen.
Schlussquartal und 2027 bieten Chancen
Das Management meldet einen sehr guten Start ins 4. Quartal. Für 2026 erwartet Vossloh den Umsatz ungefähr in der Mitte der Spanne von 1,51 bis 1,61 Mrd. Euro. Beim operativen Gewinn dürften es eher die unteren Werte der Prognose von 100 bis 110 Mio. Euro werden. Für 2027 stellt der Vorstand deutlich bessere Ergebnisse in Aussicht.
Damit ist die Aufgabe klar: Der Jahresendspurt muss die erwartete Belebung bringen. Anschließend sollte sichtbar werden, wie viel Erholungspotenzial tatsächlich im Unternehmen steckt.
Mein Fazit: Vossloh bleibt ein interessanter Infrastrukturwert mit einer überzeugenden Auftragsbasis. Gelingt es, die Ergebnisbelastungen zurückzuführen, kann daraus wieder eine stärkere Gewinnentwicklung entstehen. Genau darin liegt die Chance für geduldige Anleger.