Siemens Energy im Aufwind: Starke Signale von GE Vernova
Der weltweite Ausbau von Stromnetzen und Kraftwerkskapazitäten für energiehungrige Rechenzentren im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) erweist sich weiterhin als zentraler Wachstumstreiber für die Energietechnikbranche. Nachdem Zulieferer des Sektors an den Börsen zuletzt unter deutlichem Verkaufsdruck und Gewinnmitnahmen gelitten hatten, sorgten frische Quartalszahlen des US-Konkurrenten GE Vernova (ISIN: US36828A1016) für spürbaren Rückenwind bei der Aktie von Siemens Energy (ISIN: DE000ENER6Y0). Die vorgelegten Daten untermauern eine anhaltende Sonderkonjunktur bei Gasturbinen, Transformatoren und Übertragungsnetzen.
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Siemens Energy-Aktie baut Erholung im Xetra-Handel aus
An der Frankfurter Leitbörse reagierten Marktteilnehmer erfreut auf die Branchensignale aus den Vereinigten Staaten. Im Xetra-Handel kletterte die Siemens Energy-Aktie im Tagesverlauf bis auf ein Hoch von 134,30 Euro und ging zum Handelsschluss am späten Nachmittag mit einem deutlichen Plus von 3,64 Prozent bei 133,26 Euro aus der Sitzung. Damit knüpfte der DAX-Titel nahtlos an die Erholung des Vortages an, als das Papier bereits bei 128,58 Euro geschlossen hatte.
Die jüngsten Kursgewinne verschaffen den Anlegern nach turbulenten Wochen wichtige Entlastung. Seit Anfang Oktober waren hoch bewertete KI- und Strominfrastrukturwerte verstärkt in eine Sektorrotation geraten, ausgelöst durch steigende Anleiherenditen und Diskussionen über das künftige Investitionstempo großer Technologiekonzerne. Trotz des aktuellen Aufschwungs notiert das Papier von Siemens Energy weiterhin rund ein Drittel unter seinem 52-Wochen-Hoch von 191,66 Euro.
GE Vernova-Zahlen untermauern Boom bei Stromnetzen
Den entscheidenden Impuls für die Aufhellung der Branchenstimmung lieferte der US-Rivale GE Vernova mit seiner Bilanz zum dritten Quartal. Das Unternehmen steigerte seinen Quartalsumsatz im Jahresvergleich um rund 27 Prozent auf 12,64 Milliarden US-Dollar und übertraf mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 4,81 US-Dollar die Erwartungen der Wall Street deutlich. Besonders stark präsentierte sich der Auftragseingang, der organisch um 96 Prozent auf rund 29 Milliarden US-Dollar nach oben schnellte und den gesamten Auftragsbestand auf den Rekordwert von 197 Milliarden US-Dollar trieb.
Zudem hob das Management von GE Vernova seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 46,5 bis 47,5 Milliarden US-Dollar an und verdoppelte das laufende Aktienrückkaufprogramm von zehn auf 20 Milliarden US-Dollar. An der New Yorker Börse (NYSE) reagierte die Aktie von GE Vernova nach den starken Vorab-Aufschlägen im regulären US-Handel am Nachmittag allerdings volatil und gab zeitweise nach, da einige Marktteilnehmer nach der enormen Rallye der vergangenen Monate auf noch höhere Einzelwerte bei den Neuaufträgen spekuliert hatten.
Milliarden-Zukauf im Bereich Hochspannungstechnik
Wie eng der Wettlauf um Produktionskapazitäten für den Netzausbau mittlerweile ist, zeigt ein weiterer strategischer Schritt des US-Konzerns: Parallel zu den Quartalszahlen kündigte GE Vernova die Übernahme des Hochspannungstechnik-Spezialisten Trench Group vom Finanzinvestor Triton Partners für rund neun Milliarden US-Dollar an. Trench war in der Vergangenheit ein Teilgeschäft von Siemens Energy. Mit dem Zukauf, der Ende 2027 abgeschlossen werden soll, sichert sich der US-Wettbewerber zusätzliche Fertigungskapazitäten in einem absoluten Engpasssegment sowie einen bestehenden Auftragsbestand von rund fünf Milliarden US-Dollar.
Bewertung und Ausblick für die Siemens Energy-Aktie
Für die Aktionäre von Siemens Energy bestätigen die Entwicklungen in den USA vor allem die enorme Preissetzungsmacht der wenigen globalen Anbieter. Den Markt für große Gasturbinen und komplexe Netztechnik teilen sich im Wesentlichen Siemens Energy, GE Vernova und Mitsubishi Heavy Industries. Auch bei den Münchnern sind die Bücher prall gefüllt: Berichten zufolge verfügt der Konzern über feste Aufträge im Volumen von rund 162 Milliarden Euro, wodurch bereits zum Start des neuen Geschäftsjahres im Oktober ein Großteil des geplanten Jahresumsatzes abgesichert war.
Zudem rückt der Bewertungsunterschied zwischen den beiden großen Kontrahenten zunehmend in den Fokus internationaler Beobachter. Analysen, unter anderem im Wall Street Journal, wiesen zuletzt darauf hin, dass Siemens Energy gemessen am erwarteten Gewinn mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber GE Vernova gehandelt wird. Ob der deutsche Konzern diese Lücke nachhaltig schließen kann, hängt maßgeblich von der weiteren Margenentwicklung und den Fortschritten bei der Sanierung der Windkrafttochter Siemens Gamesa ab. Konkrete Einblicke in die eigene operative Entwicklung erhalten Anleger am 11. November, wenn Siemens Energy seine Ergebnisse für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert.