HKM-Deal & H1-Gewinn: Deutsche Bank rät bei Salzgitter zum Kauf
Die europäische Stahlbranche steht durch konjunkturelle Schwankungen und den teuren Umbau hin zu grüner Produktion unter hohem Anpassungsdruck. Umso genauer blicken Marktbeobachter auf die jüngsten Halbjahreszahlen der Salzgitter AG. Der SDAX-Konzern konnte die Markterwartungen deutlich übertreffen und drehte eindrucksvoll in die Gewinnzone. Wer die Aktie im Depot hält, sieht sich durch diese operative Erholung bestätigt – ein Trend, den auch die Analysten der Deutschen Bank mit einer anhaltenden Kaufempfehlung quittieren.
Aurubis-Beteiligung und Sparprogramm liefern ab
Nach einem herausfordernden Vorjahr hat sich das Zahlenwerk im ersten Halbjahr 2026 sichtbar aufgehellt. Während in der Vorjahresperiode noch ein Verlust nach Steuern von 88,9 Millionen Euro zu Buche stand, wies der Stahl- und Technologiekonzern nun einen unterm Strich stehenden Gewinn von 43,5 Millionen Euro aus. Ein maßgeblicher Treiber für diesen Umschwung war die Beteiligung am Kupferkonzern Aurubis, die einen außerordentlich starken Ergebnisbeitrag lieferte. Hinzu kamen Kosteneinsparungen aus dem konzerneigenen Profitverbesserungsprogramm „P28“. Wie das Management durchblicken ließ, wurden bis Mitte des Jahres bereits rund 80 Prozent des für 2026 angepeilten Effizienzziels realisiert.
An der Börse wird diese gestiegene Ergebnisqualität aufmerksam registriert. Die Papiere der Salzgitter AG (ISIN: DE0006202005, WKN: 620200) notieren derzeit bei knapp 51,10 Euro und weisen damit seit Jahresbeginn ein beachtliches Plus von rund 26 Prozent auf. Dennoch preist der Markt angesichts des zyklischen Umfelds weiterhin gewisse Risiken ein, weshalb das Papier trotz des Kurssprungs für Value-Investoren noch Luft nach oben haben könnte.
Volle Konsolidierung von HKM stärkt das Fundament
Strategisch von hoher Relevanz ist zudem der jüngst abgeschlossene Erwerb der Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM). Nachdem die Mitgesellschafter thyssenkrupp Steel Europe und Vallourec ihren Rückzug aus dem Joint Venture angekündigt hatten, übernahm Salzgitter im Juli 2026 die vollständige Kontrolle. Für die Bilanzstruktur des Konzerns bedeutet dies spürbaren Rückenwind: Vorbehaltlich einmaliger Effekte aus der Kaufpreisallokation geht der Vorstand davon aus, dass die vollständige Konsolidierung der HKM bereits im zweiten Halbjahr 2026 einen zusätzlichen operativen Ergebnisbeitrag (EBITDA) im mittleren zweistelligen Millionenbereich abwerfen wird.
Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in der neu formulierten Jahresprognose wider. Das Unternehmen peilt für das Gesamtjahr 2026 nun einen Umsatz von rund 10 Milliarden Euro sowie ein operatives EBITDA zwischen 725 und 825 Millionen Euro an. Wenn Sie die Widerstandsfähigkeit des Portfolios bewerten, ist diese Kombination aus internen Effizienzsteigerungen und anorganischem Wachstum durch den HKM-Deal ein klares Signal der Stärke.
Analysten bleiben positiv gestimmt
Vor diesem Hintergrund hat das Analysehaus Deutsche Bank Research seine Einschätzung für den SDAX-Titel aktualisiert. Zwar wurde das Kursziel in einer aktuellen Studie minimal von 65 auf 63 Euro gesenkt, die Einstufung „Buy“ jedoch ausdrücklich bekräftigt. Die leichte Zielanpassung begründen die Experten weniger mit grundlegenden Zweifeln am Geschäftsmodell, sondern vielmehr mit einer vorsichtigeren Einschätzung der allgemeinen Preisbildungsrisiken im Stahlmarkt sowie der künftigen Entwicklung der Aurubis-Erträge. Das weiterhin hohe Kursziel von 63 Euro impliziert jedoch nach wie vor ein signifikantes Aufwärtspotenzial von über 20 Prozent vom aktuellen Kursniveau.
Für die künftige Wertentwicklung wird nun entscheidend sein, wie nahtlos sich die HKM-Strukturen integrieren lassen und ob der Konzern die anspruchsvollen Ziele zur CO2-armen Stahlproduktion im Rahmen des SALCOS-Projekts weiterhin im Zeitplan hält. Das fundamentale Fundament, das durch die starken Halbjahreszahlen gegossen wurde, dürfte die Aktie jedoch vorerst nach unten gut absichern.