Zins-Schock und Goldman-Votum belasten Vonovia & Co.

Gebäude mit großem Schild, das blaues Logo und Schriftzug "Vonovia" zeigt. Moderne Glasfassade im Hintergrund.
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Der europäische Immobiliensektor durchlebt derzeit unruhige Zeiten. Steigende Anleiherenditen und hartnäckige Zinssorgen entziehen der Branche das dringend benötigte Fundament für eine stabile Wertentwicklung. Im Fokus des aktuellen Abwärtsdrucks steht insbesondere der DAX-Konzern Vonovia, der nach einer empfindlichen Analysten-Abstufung deutliche Blessuren davonträgt. Doch auch die Papiere der MDAX-Konkurrenten müssen kräftig Federn lassen.

Goldman Sachs streicht Kaufempfehlung für Vonovia

Für die Aktie von Vonovia (ISIN: DE000A1ML7J1) kommt es in diesen Tagen knüppeldick. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Papiere des Bochumer Wohnimmobilienkonzerns von ihrer prestigeträchtigen „Conviction List“ gestrichen. Damit einhergehend wurde die bisherige Kaufempfehlung („Buy“) auf „Neutral“ herabgestuft. Das Kursziel senkten die Experten zudem drastisch von zuvor 29,50 Euro auf nunmehr 21,20 Euro.

Als Hauptgrund für die neue, weitaus defensivere Einschätzung nennt Goldman Sachs das anhaltend schwierige Zinsumfeld, welches die Unternehmensstrategie merklich bremse. Hinzukommen die politischen Unsicherheiten auf dem Berliner Wohnungsmarkt, die Investoren zusätzlich abschrecken. Die Reaktion an den Märkten ließ nicht lange auf sich warten: Die Vonovia-Aktie notierte am Vormittag auf der Handelsplattform Tradegate im Bereich von 18,60 Euro und nähert sich damit bedrohlich ihrem 52-Wochen-Tief.

Zinsumfeld als Bremsklotz für den Immobiliensektor

Das Kernproblem der Immobilienbranche bleibt die gesamtwirtschaftliche Zinsentwicklung. Höhere Anleiherenditen bedeuten schlichtweg teurere Refinanzierungskosten für die extrem kapitalintensiv agierenden Wohnungskonzerne. Gleichzeitig drückt das hohe Zinsniveau auf die Bewertungen der milliardenschweren Immobilienportfolios. Solange sich hier keine nachhaltige Entspannung an den Rentenmärkten einstellt, dürfte der Sektor in Europa weiterhin erheblichen Gegenwind spüren.

Auch LEG Immobilien und TAG Immobilien im Sog

Der Vertrauensverlust und die allgemeine Sorge vor weiteren Portfolio-Abwertungen machen auch vor der zweiten Reihe nicht halt. Im MDAX geraten namhafte Branchenvertreter in den Sog des Branchenprimus. Die Aktie von LEG Immobilien (ISIN: DE000LEG1110) rutschte im Laufe des Vormittags auf ein Niveau von rund 48 Euro ab. Auch die Papiere von TAG Immobilien (ISIN: DE0008303504) verzeichnen spürbare Kursverluste und setzen ihren jüngsten Abwärtstrend weiter fort.

Für Anleger gilt es nun, die weitere Zinsentwicklung der Zentralbanken sowie die anstehenden politischen Entwicklungen, insbesondere in regulierten Mietmärkten wie Berlin, genau zu beobachten. Eine rasche, weitreichende Trendwende scheint ohne positive makroökonomische Impulse vorerst nicht in Sicht zu sein.