Offizielles Uber-Übernahmeangebot für die Delivery Hero SE
Das lang erwartete formelle Verfahren zur Übernahme des Berliner Essenslieferanten Delivery Hero hat am heutigen Donnerstag offiziell begonnen. Nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Morgen nach eingehender Prüfung grünes Licht gegeben hat, veröffentlichte die Uber International Technologies II Corporation die finalen und rechtlich bindenden Angebotsunterlagen. Der US-Mobilitätskonzern bietet den Anlegern einen Barpreis von exakt 41,50 Euro für jeden ausstehenden Anteilsschein. Mit diesem formellen Akt tritt die bisher größte Konsolidierungswelle im europäischen Lieferdienstsektor in ihre entscheidende Umsetzungsphase.
Parallel zur Veröffentlichung der detaillierten Übernahmedokumente legte der im deutschen Nebenwerteindex MDAX gelistete Lieferdienst seine Zahlen für das abgelaufene Quartal vor. Ein außergewöhnlich starkes operatives Geschäft sowie eine deutliche Margenverbesserung untermauern die milliardenschwere Bewertung des Unternehmens. Diese Kennzahlen verleihen den Papieren auf dem aktuellen Kursniveau zusätzliche fundamentale Stabilität und demonstrieren die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells in einem hochgradig wettbewerbsintensiven Marktumfeld.
Milliarden-Bewertung und formelle Details
Mit der nun in die Wege geleiteten Offerte bewertet der in San Francisco beheimatete US-Fahrdienstvermittler Uber den gesamten Konzern mit einem imposanten Eigenkapitalwert von rund 13 Milliarden Euro. Der Angebotspreis entspricht einem massiven Aufschlag von mehr als 100 Prozent gegenüber dem unbeeinflussten Xetra-Schlusskurs, der Anfang Mai vor den ersten konkreten Marktspekulationen verzeichnet wurde. Die gesetzliche Annahmefrist für die Aktionäre der Delivery Hero SE (ISIN: DE000A2E4K43) läuft ab sofort und endet nach aktuellem Stand am 5. November 2026. Eine Verlängerung der Frist bleibt gemäß den börsenrechtlichen Regularien unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
Die Transaktion ist an eine formelle Mindestannahmequote von 50 Prozent plus einer Aktie geknüpft. Diese Hürde gilt am Finanzmarkt jedoch bereits als de facto genommen. Uber hat sich durch eine unwiderrufliche Vereinbarung mit dem niederländischen Technologie-Investor und Großaktionär Prosus sowie durch den schrittweisen Aufbau eigener Positionen längst den direkten Zugriff auf knapp 53 Prozent der Stimmrechte gesichert. Vorstand und Aufsichtsrat des Berliner Unternehmens haben ihre vollumfängliche Unterstützung für die Übernahme bereits im Vorfeld der Veröffentlichung signalisiert und werden zeitnah eine gemeinsame, detaillierte Stellungnahme gemäß Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) publizieren.
Starkes operatives Quartal stützt die Bewertung
Pünktlich zum Start der entscheidenden Übernahmephase demonstrierte der Lieferdienst eine deutliche operative Beschleunigung, die das Timing der Akquisition in einem günstigen Licht erscheinen lässt. Das am Donnerstagmorgen publizierte Q2 Trading Update offenbart ein dynamisches Wachstum, das die bisherigen Markterwartungen sichtbar übertraf. Der Bruttowarenwert (Gross Merchandise Value, GMV) legte im zweiten Quartal auf vergleichbarer Basis um 11,3 Prozent auf beeindruckende 13,2 Milliarden Euro zu. Der ausgewiesene Konzernumsatz verzeichnete im selben Zeitraum sogar ein überproportionales Plus von 17,7 Prozent auf rund 4,0 Milliarden Euro.
Auch auf der Ertragsseite manifestierten sich signifikante strukturelle Fortschritte. Das bereinigte EBITDA erreichte im ersten Halbjahr einen Wert von 427 Millionen Euro und dokumentiert die erfolgreiche Strategie des Managements, profitabler zu wirtschaften anstatt sich ausschließlich auf aggressive Marktanteilsgewinne zu konzentrieren. Besonders der erfreulich starke Free Cash Flow von 348 Millionen Euro im ersten Halbjahr belegt den operativen Turnaround. In der Vorjahresperiode musste an dieser Stelle noch ein negativer Wert von acht Millionen Euro hingenommen werden.
Als direkte Konsequenz der unerwartet starken Halbjahresbilanz hob das Management umgehend die strategischen Prognosen für das gesamte Geschäftsjahr 2026 an. Die Zielsetzungen für das prozentuale GMV-Wachstum und den Konzernumsatz wurden merklich nach oben korrigiert. Das bereinigte EBITDA soll nun einen ambitionierten Zielkorridor von 960 bis 1.000 Millionen Euro erreichen, was das anhaltende Vertrauen in das laufende operative Geschäft untermauert.
Strategische Neuausrichtung und Marktreaktionen
Auf dem Parkett orientiert sich die Notierung der Anteilsscheine im regulären Handel weiterhin eng am Angebotspreis, verbleibt jedoch mit einem Abschlag rund um die 37-Euro-Marke. Zahlreiche Analysten und institutionelle Beobachter werten diesen Kursabstand als branchenübliche Risikoprämie für den langwierigen Zeitablauf der Transaktion. Der endgültige Abschluss der Übernahme wird aufgrund umfassender globaler behördlicher Prüfungen durch diverse Kartellämter erst für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet.
Strategisch zielt der milliardenschwere Zusammenschluss auf die Schaffung eines global dominierenden Akteurs ab, der etablierte Fahrdienstleistungen nahtlos mit einem hochgradig effizienten Quick-Commerce-Netzwerk bündelt. Um kartellrechtliche Bedenken der Aufsichtsbehörden im Vorfeld drastisch zu minimieren, veräußert der Berliner Konzern im Zuge der Übernahme operative Geschäftsbereiche in 14 überschneidenden Märkten an die Investmentgesellschaft SSW Partners. Diese flankierende, strategische Maßnahme unterstreicht die absolute Entschlossenheit beider Verhandlungspartner, den Mega-Deal planmäßig umzusetzen und das globale Geschäft mit Essenslieferungen langfristig zu dominieren.