Condor-Beben: Attestor übernimmt Airline komplett

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Der deutsche Staat beendet sein Engagement bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. Wie Condor am heutigen Freitag mitteilte, übernimmt der britische Mehrheitseigner Attestor auch die verbleibenden 49 Prozent der Anteile, die bislang für den Bund und das Land Hessen treuhänderisch verwaltet wurden. Damit endet ein Kapitel, das mit der Insolvenz der ehemaligen Konzernmutter Thomas Cook begann und in der Corona-Pandemie durch massive staatliche Hilfen seinen vorläufigen Höhepunkt fand.

Vorzeitige KfW-Rückzahlung ebnet den Weg

Möglich wurde dieser Schritt durch die finanzielle Stabilisierung der Airline. Bereits im Frühjahr 2026 hatte Condor den staatlich verbürgten KfW-Kredit über 175 Millionen Euro vorzeitig abgelöst. Die 49-Prozent-Beteiligung des Staates, die beim Einstieg des Finanzinvestors im Jahr 2021 als Kreditsicherheit vereinbart worden war, hatte damit ihren Zweck erfüllt. Attestor machte nun von der vertraglich fixierten Kaufoption Gebrauch. Der formelle Vollzug der Übernahme (Closing) ist für den 31. August 2027 vorgesehen. Über weitere finanzielle Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.

Condor zwischen Flottenausbau und Sparkurs

Attestor übernimmt den Ferienflieger in einer Umbruchphase. Zwar konnte Condor den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 um fast elf Prozent auf 2,35 Milliarden Euro steigern und das operative Ergebnis (EBIT) auf 151 Millionen Euro verbessern. Unter dem Strich stand jedoch ein Nettoverlust von 110 Millionen Euro, der maßgeblich auf Zinslasten für die umfassende Flottenmodernisierung zurückzuführen ist. Die Fluggesellschaft steuert mit einem „Zukunftspakt“ gegen, der Einsparungen von rund 100 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren vorsieht.

Parallel sucht das Management mittelfristig nach einem strategischen Partner aus der Luftfahrtbranche, da Attestor als Finanzinvestor voraussichtlich keine Dauerlösung bleiben wird. Im Gespräch waren zuletzt unter anderem etablierte Golf-Carrier, da eine Übernahme durch den Marktführer Lufthansa aus wettbewerbsrechtlichen Gründen als unwahrscheinlich gilt.

Branchenblick: Lufthansa-Aktie im Fokus

Da Condor selbst nicht an der Börse notiert ist, blicken Anleger im Luftfahrtsektor meist auf den größten nationalen Konkurrenten. Die Aktie der Deutschen Lufthansa (ISIN: DE0008232125), die den ehemaligen Zubringervertrag mit Condor gekündigt hatte und nun mit dem Tochterunternehmen Discover Airlines stärker im Ferienflugsegment konkurriert, zeigte sich am heutigen Freitagvormittag an der Xetra-Börse freundlich. Das Papier verzeichnete leichte Kursgewinne von über einem Prozent und notierte zuletzt im Bereich von 7,71 Euro. Trotz des schwierigen Marktumfelds konnte der Kranich-Konzern zum Wochenabschluss damit leichte positive Impulse setzen.

Es bleibt spannend, wie sich die neue Alleineigentümerschaft bei Condor auf den europäischen Luftverkehr und den Wettbewerb am Drehkreuz Frankfurt auswirken wird.