BYD-Offensive: Eigene Werke gegen die EU-Zollmauer
Der chinesische Elektroauto- und Batterie-Gigant BYD (ISIN: CNE100000296) beherrscht seinen Heimatmarkt bereits nach Belieben: Mit einem imposanten Marktanteil von rund 37 Prozent im Segment der alternativen Antriebe (New Energy Vehicles) hat der Konzern aus Shenzhen die heimische wie auch die westliche Konkurrenz in China weit hinter sich gelassen.
Doch das rasante Wachstum im Inland stößt zunehmend an Grenzen, und ein intensiver Preiskampf drückt auf die Margen. Um die Profitabilität nachhaltig zu sichern, verlagert das Management den strategischen Schwerpunkt nun radikal auf die internationale Expansion – und wählt dabei einen Weg, der bestehende Handelsbarrieren geschickt umgeht.
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Lokale Fertigung: Wie BYD die EU-Zölle aushebelt
Für die Expansion nach Europa stellen die jüngsten handelspolitischen Maßnahmen aus Brüssel auf den ersten Blick eine erhebliche Hürde dar. Neben den regulären Einfuhrzöllen von zehn Prozent belegt die Europäische Union reine Elektroautos (BEVs) aus chinesischer Produktion mit zusätzlichen Ausgleichszöllen, die im Fall von BYD bei 17 Prozent liegen. Zudem verschärft die EU den Ton auch bei Hybridfahrzeugen: Erst Mitte Oktober einigten sich europäische Vertreter im Grundsatz darauf, die stark wachsenden Importe chinesischer Hybridmodelle durch eine jährliche Quote von 350.000 Fahrzeugen zu begrenzen.
Die Antwort von BYD auf diese Protektionismus-Welle lautet Lokalisierung. Wie Unternehmensvizepräsident Liu Xueliang und Europachefin Stella Li gegenüber internationalen Medien wie Reuters und der South China Morning Post bekräftigten, will der Konzern zu einem „europäischen Unternehmen“ reifen. Das Herzstück dieser Strategie ist das neue Werk im ungarischen Szeged, das noch im laufenden vierten Quartal die Massenproduktion aufnehmen soll. Die Anlage ist langfristig auf eine Jahreskapazität von bis zu 300.000 Fahrzeugen ausgelegt und soll unter anderem kompakte Elektromodelle wie den Dolphin und den Atto 2 fertigen.
Darüber hinaus entsteht ein weiteres großes Produktionswerk in der Türkei, die über eine Zollunion eng an den europäischen Binnenmarkt angebunden ist. Berichten von Bloomberg und Reuters zufolge prüft BYD zudem weitere Standorte in Europa und führte in den vergangenen Monaten bereits Gespräche über die mögliche Übernahme nicht ausgelasteter Werke etablierter Autobauer wie Stellantis. Langfristig sollen nahezu alle in Europa verkauften Fahrzeuge auch vor Ort produziert werden, wobei BYD verstärkt auf lokale europäische Zulieferer setzen will.
Globale Expansion von BYD fordert etablierte Autobauer heraus
Dass die Strategie der Chinesen aufgeht, zeigen aktuelle Marktdaten von Dataforce: Erstmals haben chinesische Automarken – angeführt von BYD und Chery – in einem gesamten Quartal mehr Fahrzeuge in Europa verkauft als ihre japanischen Rivalen rund um Toyota und Nissan. Im September verdoppelten sich die Neuzulassungen chinesischer Marken in Europa im Jahresvergleich nahezu und erreichten einen Marktanteil von 12,7 Prozent. Speziell für Europa entwickelte Plug-in-Hybride wie der BYD Dolphin G DM-i treffen den Nerv preissensibler Käufer und setzen etablierte Hersteller wie Volkswagen, Renault und Stellantis auf ihren Heimatmärkten massiv unter Druck.
Doch BYD blickt längst nicht nur nach Europa. Um das laut Bloomberg intern ausgegebene Ziel von 1,5 Millionen verkauften Fahrzeugen in Übersee für das Gesamtjahr 2026 zu erreichen, baut der Konzern ein weltweites Produktionsnetzwerk auf. Neben bestehenden und entstehenden Fabriken in Thailand, Indonesien und Usbekistan treibt BYD vor allem sein Engagement in Südamerika voran. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass das Unternehmen in Brasilien Genehmigungen beantragt hat, um die geplante Jahreskapazität seines dortigen Werks auf 600.000 Fahrzeuge zu verdoppeln. Gleichzeitig fordert BYD mit einer aggressiven Niedrigpreis-Strategie auch in Südkorea den dortigen Platzhirsch Hyundai im eigenen Land heraus.
BYD-Aktie im Fokus: Gegenwind durch Steueränderungen und Analysten
Trotz der operativen Erfolge auf der Weltbühne bleibt das Umfeld für die BYD-Aktie anspruchsvoll. Ein Grund für den forcierten Drang ins Ausland mit eigener Fertigung liegt auch in der heimischen Fiskalpolitik: Die chinesische Regierung hat angekündigt, die Mehrwertsteuer-Rückerstattung für den Export von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben ab April 2027 von 13 auf 9 Prozent zu senken. Zusammen mit wieder eingeführten Verbrauchssteuern auf Batterien könnte dies die Exportmargen aus China heraus belasten.
Diese Gemengelage sorgt an der Börse für eine gewisse Zurückhaltung. Am heutigen Montag reagierte die Investmentbank JPMorgan auf die drohenden Margenbelastungen in der chinesischen E-Auto-Branche und stufte die Papiere von BYD ab, verbunden mit einer Senkung des Kursziels auf 60 Hongkong-Dollar (HKD) beziehungsweise 65 Yuan. An ihrem wichtigsten Handelsplatz, der Börse in Hongkong, verzeichnete die BYD-Aktie (Ticker: 1211) zum Handelsstart am Vormittag (Ortszeit) leichte Abgaben von rund 0,6 Prozent und notierte bei 71,15 HKD. Auch im europäischen Handel zeigt sich das Papier zum Wochenstart entsprechend verhalten.
Für langfristig orientierte Anleger befindet sich BYD damit in einer entscheidenden Transformationsphase: Gelingt es dem Konzern, seine enormen Kostenvorteile und die hohe vertikale Integration bei Batterien und Elektronik erfolgreich auf die neuen Werke in Ungarn, der Türkei und Brasilien zu übertragen, dürfte BYD gestärkt aus dem aktuellen Zoll- und Preiskampf hervorgehen.

Jahreschart BYD Aktie, Quelle: https://oct.mymarkets.com
Dieser Text wurde unter Einsatz von KI-Tools erstellt und redaktionell überarbeitet.