BYD-Aktie unter Druck: Q3-Gewinn verfehlt Prognosen
Der chinesische Elektroauto-Gigant BYD (ISIN: CNE100000296) bekommt den unerbittlichen Verdrängungswettbewerb und die anhaltende Rabattschlacht auf seinem Heimatmarkt zunehmend zu spüren. Zwar konnte der Branchenprimus aus Shenzhen sowohl seine Auslieferungszahlen als auch den Umsatz im dritten Quartal weiter steigern, doch unter dem Strich blieb die Gewinnentwicklung hinter den hohen Erwartungen der Analysten zurück. Für Anleger stellt sich angesichts sinkender Margen und wachsender Lagerbestände die Frage, wie nachhaltig der jüngste Wachstumskurs finanziert werden kann.
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BYD Quartalszahlen im Detail: Umsatz zieht an, Gewinn enttäuscht
Wie aus den am Donnerstag vorgelegten Geschäftszahlen hervorgeht, steigerte BYD seinen Nettogewinn im Zeitraum von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf rund 10,02 Milliarden Yuan (etwa 1,35 Milliarden Euro). Damit kühlte sich das Gewinnwachstum gegenüber dem zweiten Quartal, in dem noch ein Plus von 30 Prozent erzielt wurde, leicht ab. Schwerer wiegt für die Finanzmärkte jedoch das Verfehlen der Konsensschätzungen: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Brokerhäuser hatten im Vorfeld mit einem Überschuss zwischen 11,4 und 12,95 Milliarden Yuan gerechnet.
Ein genauerer Blick in die Bilanz zeigt zudem, dass das Ergebnis durch Einmaleffekte gestützt wurde. Bereinigt um Sonderposten – darunter Bewertungserträge aus Finanzanlagen in Höhe von 1,13 Milliarden Yuan sowie staatliche Subventionen von 825 Millionen Yuan – legte der operative Gewinn um 25 Prozent auf 8,63 Milliarden Yuan zu.
Positiv stach hingegen die Umsatzentwicklung hervor. Nach vier Quartalen mit rückläufigen Erlösen gelang BYD die Trendwende: Der Konzernumsatz kletterte im dritten Quartal im Jahresvergleich um 13,6 Prozent auf knapp 221,5 Milliarden Yuan. Der Gewinn je Aktie erhöhte sich entsprechend um 29 Prozent auf 1,10 Yuan.
Preiskampf in China zwingt BYD in die internationale Offensive
Hauptursache für den spürbaren Margendruck ist die schwache Nachfrage auf dem chinesischen Heimatmarkt. Nachdem die Zentralregierung in Peking die Steuerbefreiungen beim Kauf von Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden (NEVs) zu Jahresbeginn halbiert hatte, zogen viele Konsumenten ihre Autokäufe vor, was im laufenden Jahr zu einer spürbaren Kaufzurückhaltung führte. Um die Produktionskapazitäten dennoch auszulasten, liefern sich die Hersteller in China seit Monaten einen aggressiven Preiskampf mit tiefen Rabatten.
Kompensiert wurde diese heimische Schwäche primär durch ein starkes Auslandsgeschäft. Insgesamt lieferte BYD im abgelaufenen Jahresviertel weltweit über 1,32 Millionen Fahrzeuge aus – ein Zuwachs von 18,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Exporte in Überseemärkte haben sich dabei mehr als verdoppelt. Um das internationale Wachstum weiter voranzutreiben, plant der Konzern unter anderem, die jährliche Produktionskapazität in seinem brasilianischen Werk auf 600.000 Fahrzeuge zu verdoppeln.
Schwellende Lagerbestände und wachsende Konkurrenz im Ausland
Doch auch die Flucht nach vorn in internationale Märkte birgt Risiken und hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz. Zum Stichtag Ende September schwollen die Lagerbestände von BYD im Vergleich zum Jahresende um 60,1 Prozent an, während die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen um 52,6 Prozent zulegten. Das Unternehmen begründete diesen Anstieg vor allem mit dem raschen Ausbau des Überseegeschäfts.
Branchenbeobachter warnen zudem davor, dass der Wettbewerbsdruck auch außerhalb Chinas zunimmt. Da immer mehr chinesische Konkurrenten in dieselben Exportmärkte drängen und geopolitische Handelshemmnisse die Expansion erschweren, dürften die kommenden Quartale für BYD herausfordernd bleiben.
Reaktion der BYD-Aktie: Anleger ziehen sich zurück
An der Börse sorgte das Zahlenwerk in Verbindung mit der vorsichtigen Stimmung im Sektor für Verkaufsdruck. Am Heimatmarkt in Hongkong beendete die BYD-Aktie den Handel am Donnerstag bereits vor der detaillierten Bilanzvorlage mit einem Abschlag von 2,56 Prozent bei 68,65 Hongkong-Dollar.
Auch im anschließenden westlichen Handel zeigten sich Investoren wenig überzeugt. Am Nachmittag geriet das Papier im US-amerikanischen NASDAQ OTC-Handel deutlich unter Druck und verlor zeitweise 3,7 Prozent auf 8,65 US-Dollar, wobei im Tagestief bei 8,54 US-Dollar ein neues 52-Wochen-Tief markiert wurde. An den deutschen Handelsplätzen notierte der Anteilsschein bereits am Vormittag schwächer im Bereich von rund 7,93 Euro und fiel im Tagesverlauf auf 7,70 Euro ab. Auf Jahressicht hat das Papier damit rund ein Drittel seines Börsenwertes eingebüßt. Für eine nachhaltige Bodenbildung der BYD-Aktie wird entscheidend sein, ob der Konzern im traditionell wichtigen Schlussquartal die Balance zwischen hohen Absatzzahlen und einer Stabilisierung der Gewinnmargen wiederfinden kann.