Adobe Aktie: Wann zündet die Semrush-Übernahme?
- KI setzt Adobe unter Duck
- Adobe als Marktführer für digitale Inhalte
- Adobe setzt zunehmend auf künstliche Intelligenz
- SEO und KI-Suche gewinnen an Bedeutung
- Was ergibt sich daraus für die Adobe Aktie?
- Gewinnschätzungen sprechen für steigende Erträge
- Risiken – trotz Semrush-Übernahme
- Adobe Aktie jetzt kaufen?
Es ist noch gar nicht allzu lange her, dass die Adobe Aktie ihr All Time High markierte: Sage und schreibe fast 700 US-Dollar zahlten Investoren im November 2021 je Anteilsschein für den Acrobat-Erfinder. Und nun? Gerade mal 200 Dollar. Innerhalb von nicht einmal fünf Jahren hat es den Aktienkurs um gut 70 Prozent geschreddert. Ist die Aktie jetzt ein Schnapper, wie es so schön heißt? Kann sein, muss aber nicht.
Das Unternehmen hat sich von einem klassischen Softwareanbieter zu einem Anbieter von Cloud-Lösungen entwickelt und erzielt heute einen Großteil seiner Umsätze über wiederkehrende Abonnements. Produkte wie Photoshop, Illustrator, Acrobat oder das Video-Bearbeitungsprogramm „Premiere Pro“ sind in vielen Branchen fest etabliert.
KI setzt Adobe unter Duck
Doch die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz ließen Investoren zunehmend an der Beständigkeit des Geschäftsmodells zweifeln. Mit der Übernahme von Semrush versucht Adobe gegenzusteuern, denn der Take Over erweitert das klassische Geschäft mit Kreativsoftware. Nach eigener Darstellung ist Semrush eine führende All-In-One-Plattform für digitales Marketing. Sie hilft Unternehmen dabei, die Sichtbarkeit ihrer Website im Internet zu erhöhen, mehr Besucher zu gewinnen und die Online-Marketing-Strategie der Konkurrenz zu analysieren. Also ein Tool, das jede SEO Agentur, die etwas auf sich hält und es sich leisten kann, hat. SEO steht übrigens für „Search Engine Optimization“ (Suchmaschinenoptimierung), das Bemühen also, Unternehmen durch passende Strategien möglichst weit oben bei den Google-Suchergebnissen zu platzieren.
Adobe als Marktführer für digitale Inhalte
Adobe verfügt über eine starke Stellung im Bereich der digitalen Medien. Millionen Unternehmen, Agenturen, Designer und Kreative nutzen täglich die Softwarelösungen des Konzerns. Diese breite Kundenbasis sorgt für stabile Umsätze und eine hohe Kundenbindung.
Während viele Softwareunternehmen auf einzelne Anwendungen spezialisiert sind, deckt Adobe große Teile des digitalen Content-Prozesses ab. Von der Erstellung über die Bearbeitung bis hin zur Veröffentlichung von Inhalten bietet der Konzern zahlreiche Werkzeuge aus einer Hand an. Dadurch entstehen enge Verbindungen zu den Kunden, die häufig über viele Jahre bestehen bleiben.
Die Creative Cloud bildet das Herzstück des Adobe-Geschäfts. Programme wie Photoshop, InDesign, After Effects oder Illustrator gehören in vielen Unternehmen zum Arbeitsalltag. Durch das Abo-Modell erzielt Adobe regelmäßig wiederkehrende Einnahmen. Diese sorgen für eine hohe Planbarkeit und reduzieren die Abhängigkeit von einzelnen Produktveröffentlichungen.
Adobe setzt zunehmend auf künstliche Intelligenz
Mit Firefly hat Adobe eine eigene KI-Plattform entwickelt. Nutzer können damit Bilder generieren, Grafiken verändern oder kreative Prozesse beschleunigen. Die Integration von KI in bestehende Programme bietet Adobe einen Vorteil gegenüber vielen neuen Wettbewerbern. Kunden müssen ihre Arbeitsabläufe nicht komplett umstellen, sondern erhalten zusätzliche Funktionen innerhalb der bereits bekannten Softwareumgebung. Dadurch fällt die Nutzung neuer Technologien deutlich leichter.
SEO und KI-Suche gewinnen an Bedeutung
Die klassische Google-Suche verändert sich zunehmend. Immer häufiger kommen KI-gestützte Suchsysteme zum Einsatz. Nutzer erhalten Antworten direkt von intelligenten Assistenten, ohne zahlreiche Webseiten besuchen zu müssen. Für Unternehmen entsteht dadurch die Herausforderung, nicht nur bei Suchmaschinen sichtbar zu sein, sondern auch in KI-Systemen präsent zu bleiben. Semrush investiert bereits seit längerer Zeit in Bereiche wie Generative Engine Optimization. Dabei geht es darum, Inhalte für KI-gestützte Suchanfragen aufzubereiten. Adobe erhält durch die Übernahme Zugang zu diesem wachsenden Marktsegment.
Was ergibt sich daraus für die Adobe Aktie?
Die Übernahme eröffnet mehrere Wachstumsmöglichkeiten, die über das bisherige Kerngeschäft hinausgehen. Adobe kann bestehende Kunden künftig mit zusätzlichen Marketing- und SEO-Lösungen versorgen. Gleichzeitig ergeben sich Chancen, neue Kundengruppen anzusprechen, die bisher ausschließlich Semrush genutzt haben. Die strategische Ausrichtung von Adobe verändert sich damit deutlich. Das Unternehmen entwickelt sich von einem Anbieter für Kreativsoftware zu einer Plattform, die Inhalte erstellt, analysiert und deren digitale Sichtbarkeit verbessert.
Die Zahlen für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres zeigen, dass Adobe operativ weiterhin auf hohem Niveau wächst. Im zweiten Quartal erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 6,6 Milliarden US-Dollar und erreichte damit erneut einen Rekordwert. Gleichzeitig konnte Adobe den bereinigten Gewinn je Aktie auf knapp 6 US-Dollar steigern und die Erwartungen vieler Analysten übertreffen.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der wiederkehrenden Umsätze. Die Cloud-Abonnements sorgen weiterhin für stabile Einnahmen und bilden das Fundament des Geschäftsmodells. Gleichzeitig wächst der Anteil neuer KI-Produkte und zusätzlicher Marketinglösungen.
Gewinnschätzungen sprechen für steigende Erträge
Adobe erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinn je Aktie von mehr als 24 US-Dollar. Gegenüber den Vorjahren stellt dies einen weiteren Anstieg dar. Auch für die kommenden Geschäftsjahre rechnen Analysten mit weiter steigenden Gewinnen. Die Erwartungen basieren auf zusätzlichen Erlösen aus KI-Produkten, dem Ausbau des Marketinggeschäfts sowie den Synergien aus der Semrush-Übernahme. Da Adobe über hohe Gewinnmargen verfügt, kann ein steigender Umsatz überproportional auf den Gewinn durchschlagen. Auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen bewegt sich das künftige Kurs-Gewinn-Verhältnis (sogenanntes Forward KGV) im Bereich von etwa 15 bis 17.
Risiken – trotz Semrush-Übernahme
Der Markt für Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant. Neue und alte Wettbewerber können innerhalb kurzer Zeit erhebliche Marktanteile gewinnen. Weitere Unternehmen entwickeln KI-Lösungen für die Erstellung von Bildern, Texten und Videos. Adobe muss deshalb kontinuierlich investieren, um seine Marktstellung zu verteidigen. Die Integration von Firefly und anderen KI-Technologien spielt dabei eine wichtige Rolle.
Adobe Aktie jetzt kaufen?
Das Unternehmen verfügt über starke, weil seit einer kleinen Ewigkeit etablierte Marken, eine große Kundenbasis und stabile Einnahmen aus dem Cloud-Geschäft. Die aktuellen Quartalszahlen zeigen, dass Adobe weiterhin wächst und mehr verdient. Für langfristig orientierte Anleger ist die Aktie nach meiner Meinung durchaus interessant. Wer sich der weiter vorhandenen Risiken bewusst ist, kann als eher spekulativ orientierter Anleger eine erste Position im Bereich 190 bis 200 US-Dollar aufbauen.