Welche Minen profitieren vom Gold-Boom?
Hier entsteht eine gewaltige Wette! Gold und Silber haben in den vergangenen Jahren enorme Bewegungen erlebt, doch gerade bei Minen-Aktien könnte der entscheidende Hebel erst noch kommen. Die spekulative These dahinter ist einfach: Steigen die Edelmetallpreise in den kommenden Jahren deutlich weiter, können kleinere Produzenten und Entwickler überproportional profitieren. Fallen Gold und Silber dagegen nachhaltig, geht diese Rechnung natürlich nicht auf.
Besonders aggressiv wird die These mit einem möglichen Goldpreis von 7.000 US-Dollar und einem Silberpreis von 200 US-Dollar innerhalb der kommenden 2 bis 3 Jahre. Das sind keine konservativen Prognosen, sondern extreme Szenarien. Genau deshalb sollten Anleger die daraus abgeleiteten Kurschancen bei Minen-Aktien ebenfalls als Spekulation und nicht als verlässliche Erwartung betrachten.
Warum Minen-Aktien einen gewaltigen Hebel besitzen
Der entscheidende Mechanismus steckt in den Produktionskosten. Kostet die Förderung einer Unze Gold beispielsweise 2.000 US-Dollar und Gold steht bei 3.000 US-Dollar, bleiben vereinfacht 1.000 US-Dollar übrig. Steigt Gold auf 5.000 US-Dollar, erhöht sich der Goldpreis zwar nur um 67 Prozent, die Differenz zu den Produktionskosten steigt aber von 1.000 auf 3.000 US-Dollar.
Bei Minen mit hohen Fixkosten kann deshalb ein erheblicher Gewinnhebel entstehen. Genau das macht kleine Minen-Aktien in einem starken Edelmetall-Bullenmarkt interessant und gleichzeitig gefährlich.
Hinzu kommt die makroökonomische Wette: Die US-Staatsverschuldung wächst weiter, hohe Zinsen verteuern die Finanzierung und steigende Zinsausgaben belasten den Haushalt zusätzlich. Sollte die US-Notenbank irgendwann wieder stärker gegen wirtschaftliche Schwäche vorgehen müssen, könnte zusätzliche Liquidität Gold unterstützen. Bleiben die Zinsen dagegen länger hoch, steigt der Druck auf den US-Haushalt.
Aus dieser Konstellation wird teilweise sogar ein zukünftiger Währungs-Reset abgeleitet. So weit müssen Sie allerdings gar nicht gehen. Für steigende Goldpreise reicht bereits eine zunehmende Nachfrage nach einem Vermögenswert ohne Gegenparteirisiko. Die wesentlich spekulativere Annahme beginnt dort, wo daraus konkrete Ziele wie 7.000 oder 8.000 US-Dollar für Gold abgeleitet werden.
Diese Minen könnten besonders stark profitieren
Unter den spannenden Unternehmen befinden sich auffällig viele kleine Entwickler und Produzenten. Genau dort liegt der größte mögliche Hebel, aber auch das höchste Risiko.
Bei Silber sticht beispielsweise Avino Silver & Gold hervor. Das Unternehmen produziert bereits und besitzt mit Avino und La Preciosa zusammen große Silber-Ressourcen. Die Produktion soll von rund 2,5 Mio. Unzen Silber 2026 auf 7 Mio. Unzen 2028 und 8 Mio. Unzen 2029 wachsen. Gleichzeitig verfügt Avino über rund 100 Mio. US-Dollar Cash und hat keine langfristigen Schulden. Sollte Silber tatsächlich in Richtung 200 US-Dollar steigen, würde sich die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte fundamental verändern. Hier sehen Sie den Tageschart.

(Quelle: Tradingview.com)
Silver Tiger Metals verfolgt eine andere Geschichte. Das El-Tigre-Projekt in Mexiko verfügt über rund 230 Mio. Unzen Silber. Für die geplante Tagebaumine werden Investitionen von rund 87 Mio. US-Dollar veranschlagt. Sie soll durchschnittlich etwa 4,8 Mio. Unzen Silberäquivalent jährlich produzieren. Zusätzlich existiert ein Untertageprojekt. Der erste Guss wird derzeit für das 4. Quartal 2027 erwartet.
Auf der Goldseite gehört NexGold Mining zu den interessanteren Entwicklungsprojekten. Das Unternehmen treibt mit Goldboro und Goliath 2 größere kanadische Projekte voran. Goldboro verfügt über rund 2,5 Mio. Unzen Gold und soll langfristig ungefähr 100.000 Unzen jährlich produzieren. Goliath könnte später weitere rund 120.000 Unzen pro Jahr beitragen. Der entscheidende Schritt besteht hier nicht in einem höheren Goldpreis allein, sondern darin, die Projekte tatsächlich in Produktion zu bringen.
Auch Lahontan Gold zeigt, wie groß die Chancen und Risiken kleiner Entwickler auseinanderliegen können. Das Santa-Fe-Projekt in Nevada verfügt nach der jüngsten Aktualisierung über rund 2,4 Mio. Unzen. Produktion wird für Ende 2027 angestrebt. Gleichzeitig muss das Unternehmen die Finanzierung des Minenbaus stemmen. Genau an solchen Punkten scheitern viele vermeintlich günstige Minen-Geschichten.
Warum aus einem möglichen 20-Bagger schnell ein Totalverlust werden kann
Die spektakulären Kurschancen entstehen gerade deshalb, weil diese Unternehmen erhebliche Risiken besitzen. Ein Projekt kann über Millionen Unzen Gold oder Silber verfügen und trotzdem für Aktionäre enttäuschend enden.
Genehmigungen können sich verzögern, Baukosten steigen und Produktionsziele verfehlt werden. Noch problematischer wird es, wenn zusätzliches Kapital benötigt wird. Kleine Minengesellschaften finanzieren sich häufig durch neue Aktien.
Bei einzelnen Kandidaten kommen weitere Risiken hinzu. Guanajuato Silver kämpft beispielsweise mit hohen Förderkosten und hat seine Aktionäre bereits mehrfach verwässert. Honey Badger Silver besitzt mit Prairie Creek zwar ein außergewöhnlich großes Projekt, steht aber vor erheblichen Fragen hinsichtlich Investitionsbedarf, Infrastruktur und möglicher Belastungen durch problematische Begleitstoffe. Bei Denarius Metals wiederum belastet eine ungewöhnlich teure Finanzierung die Investment-Story erheblich.
Deshalb ist bei solchen Aktien die Positionsgröße wichtiger als das spektakuläre Kursziel. Selbst unter der optimistischen Edelmetall-These muss nicht jede Mine erfolgreich werden. Die passende Strategie kalkuliert idealerweise damit, dass möglicherweise nur 7 von 10 ausgewählten Minen-Aktien zu Gewinnern werden.
Genau darin liegt der entscheidende Unterschied zwischen einer Gold-Wette und einer Minen-Wette. Wer Gold kauft, setzt hauptsächlich auf den Goldpreis. Wer eine kleine Minen-Aktie kauft, setzt zusätzlich auf Management, Finanzierung, Genehmigungen, Geologie, Baukosten und operative Umsetzung.
Gold bei 7.000 US-Dollar und Silber bei 200 US-Dollar würden bei einigen dieser Unternehmen enorme Cashflows ermöglichen. Ob diese Preise tatsächlich innerhalb von 2 bis 3 Jahren erreicht werden, bleibt hochspekulativ. Interessant sind die Minen deshalb nicht, weil ein 10- oder 20-Bagger wahrscheinlich wäre. Interessant sind sie, weil der mögliche Gewinn bei erfolgreicher Umsetzung außergewöhnlich groß sein kann und genau dafür ein außergewöhnlich hohes Risiko akzeptiert werden muss.