Norwegens Staatsfonds plant massiven US-Anleihen-Abbau
Der norwegische Staatsfonds, mit einem verwalteten Vermögen von rund 2,3 Billionen US-Dollar der größte seiner Art weltweit, sendet ein deutliches Signal an die internationalen Kapital- und Rentenmärkte. Das Management rund um Notenbankchefin Ida Wolden Bache und Fonds-CEO Nicolai Tangen hat dem norwegischen Finanzministerium offiziell empfohlen, das Engagement in Staatsanleihen drastisch zu reduzieren. Im Zentrum dieses strategischen Kurswechsels stehen vor allem US-Staatsanleihen.
Warum das Management um Nicolai Tangen umschichtet
Bislang sieht der Referenzindex des Norges Bank Investment Management (NBIM) eine Gewichtung von Regierungsanleihen in Höhe von 70 Prozent vor. Dieser Anteil soll nach dem Willen der Führungsebene nun auf 50 Prozent gekappt werden. In der Praxis bedeutet dies einen massiven Kapitalabfluss aus dem US-Anleihemarkt: Schätzungen zufolge würde der Fonds Papiere im Wert von knapp 80 Milliarden US-Dollar abstoßen, was den Anteil der US-Treasuries am Anleihen-Portfolio von 34,1 Prozent auf 21,9 Prozent drücken würde.
Laut Bache und Tangen reicht eine Quote von 50 Prozent an Staatsanleihen völlig aus, um den Liquiditätsbedarf des Fonds selbst in stürmischen Marktphasen zu decken. Das frei werdende Kapital soll stattdessen in rentablere, aber ähnlich sichere Papiere fließen.
Hohe US-Verschuldung erzwingt Strategiewechsel
Hintergrund dieser historischen Umschichtung ist die ausufernde Staatsverschuldung, insbesondere in den USA. Die Fondsmanager schlagen vor, bei der Gewichtung künftig nicht mehr primär auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der jeweiligen Länder abzustellen, sondern auf den tatsächlichen Marktwert. Die bisherige BIP-Logik verfehle angesichts der rasant wachsenden Schuldenberge der Industrienationen zunehmend ihren Zweck, da sie Investoren unweigerlich in die Papiere der am höchsten verschuldeten Staaten zwinge.
Stattdessen rücken nun festverzinsliche Wertpapiere jenseits klassischer Staatsschulden in den Fokus. So plant der NBIM, verstärkt in hypothekenbesicherte Wertpapiere (Mortgage-Backed Securities, MBS) und Unternehmensanleihen zu investieren. Dabei handelt es sich oftmals um Papiere, die von staatlich geförderten Agenturen wie Fannie Mae (ISIN: US3135861090) oder Freddie Mac (ISIN: US3134003017) besichert werden. Diese Instrumente bieten nicht nur eine Bonität, die US-Staatsanleihen nahekommt, sondern werfen als Ausgleich für das Risiko vorzeitiger Rückzahlungen in der Regel auch höhere Renditen ab.
Aktuelle Markttendenz bei US-Staatsanleihen
Der Vorstoß aus Oslo trifft den Rentenmarkt in einer ohnehin sensiblen Phase. Angesichts anhaltender Inflationssorgen und des enormen Kapitalbedarfs der US-Regierung stehen Regierungsanleihen weltweit unter Druck. Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen verzeichnen am frühen Vormittag an den internationalen Handelsplätzen weiterhin eine Aufwärtstendenz und bewegen sich robust im Bereich ihrer jüngsten Mehrjahreshochs. Das Rendite-Niveau verharrt nach den starken Anstiegen der letzten Tage auf hohem Terrain, was die anhaltende Nervosität der Anleger widerspiegelt.
Sollten weitere große institutionelle Investoren dem Beispiel Norwegens folgen und ihre Nachfrage nach US-Schuldtiteln drosseln, könnte dies die Finanzierungskosten der Vereinigten Staaten weiter in die Höhe treiben. Für Anleger bedeutet dies, dass alternative Zinspapiere mit solidem Risiko-Rendite-Profil – wie eben hochwertige MBS oder ausgewählte Unternehmensanleihen – in den kommenden Monaten zunehmend an Bedeutung gewinnen dürften.