Abfindung von der Firma? Was tun mit dem Geld?

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Er ist 63 und hat nur noch ein paar Jahre bis zum Ruhestand, Rentenreform hin oder her. Was er außerdem ist: für seine Firma viel zu teuer. Weshalb also sich noch ein paar Jahre rumplagen, sobald der Chef ein Angebot macht, das sein Mitarbeiter nicht ablehnen kann. Versüßt wird die – in diesem Fall – betriebsbedingte Kündigung durch eine Abfindung. Dank der langen Betriebszugehörigkeit alles in allem ein recht erfreulich hoher sechsstelliger Betrag. Und nun? Was tun mit dem ganzen Geld? Sinnvollerweise so investieren, dass die spätere Rente spürbar aufgebessert wird. Doch wie geht das?

Geldanlagen weitgehend ohne Risiko

Unterstellt, was statistisch vergleichsweise wahrscheinlich ist, er hat ein Eigenheim, das just zur Rente – also in drei bis vier Jahren – schuldenfrei sein soll. Naheliegende Überlegung wäre, die Tilgung des Hypothekendarlehens durch einen Teil der Abfindung vorzuziehen. Vorausgesetzt, das wäre ohne Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung möglich. Falls nicht, kämen Sondertilgungen in Betracht, soweit dies im Darlehensvertrag festgelegt ist, um die Zeit bis zur kompletten Entschuldung zu verkürzen.

Tagesgeld und Festgeld

Mit dem Slogan „Keine Experimente“ warb die CDU vor einer Ewigkeit um Stimmen. Keine Experimente möchte auch er mit seiner Abfindung eingehen, was so viel bedeutet: das Geld nach menschlichem Ermessen ohne Risiko anlegen. Alternativ in Betracht neben der (Teil)Entschuldung der eigenen vier Wände kommen Tagesgeld und Festgeld.

In Deutschland aktive Onlinebanken überschlagen sich förmlich mit immer neuen und immer höheren Zinsangeboten. Durch sogenanntes Banken-Hopping, also das stetige Wechseln des Anbieters nach Auslaufen des Hoch-Zinses, lässt sich der Ertrag optimieren. Dies gilt insbesondere für Tagesgeld, nicht so sehr für Festzins-Angebote mit mehreren Jahren Laufzeit.

Wichtig: die Einlagensicherung beachten. Diese beträgt EU-weit derzeit 100.000 Euro, dank eigener Sicherungsinstrumente der diversen Bankenverbände im Einzelfall möglicherweise mehr. Hat der baldige Ex-Mitarbeiter Mut zur Lücke, vertraut er die gesamte Abfindung einer einzigen Bank an. Falls nicht, verteilt er das Geld entsprechend der Einlagensicherung gleich auf mehrere Institute.

Anleihen und Anleihen-ETFs

Staatsanleihen von Schuldnern mit hoher Bonität werfen mittlerweile mehr ab als noch vor zwei oder drei Jahren. Aus heutiger Sicht dürften sie in puncto Sicherheit praktisch keine Wünsche offenlassen. Allerdings sollte er auf die sogenannte Fristenkongruenz achten. Heißt: Das Jahr der Anleihen-Fälligkeit ist möglichst identisch mit dem Jahr des Renteneintritts.

Wer nämlich eine Anleihe bis zur Tilgung hält, den können zwischenzeitliche Kursverluste (aufgrund spürbar steigender Zinsen) kaltlassen. Entscheidet er sich hingegen jetzt für eine Anleihe mit acht bis zehn Jahren Restlaufzeit, besteht die nicht zu unterschätzende Gefahr, dass der Bond im Jahr des Rentenbeginns erkennbar niedriger notiert – also weniger kostet als seinerzeit dafür bezahlt.

Dies liegt in der Natur der Sache, da sich der Preis einer Anleihe gegensätzlich zu den Zinsen bewegt. Der Kurs fällt, sobald die Zinsen steigen. Und er fällt umso mehr, je länger die Restlaufzeit einer Anleihe.

Auch zum Direkt-Erwerb von Anleihen gibt es Alternativen. In Betracht kommen Anleihen-ETFs. Davon gibt es – gefühlt – unzählige von unterschiedlichen Anbietern. Da der Anleger „Zielsparen“ im Hinblick auf seinen Eintritt in den Ruhestand betreibt, sollte er auf Folgendes achten: Geeignet sind ETFs, deren Anleihen eine überschaubare, heißt: nicht allzu lange, Laufzeit haben. Wie bei Anleihen wirkt sich hier ein Zinsanstieg bei überschaubaren Laufzeiten weniger gravierend aus.

Eine weitere wichtige Kennzahl ist die sogenannte Duration. Sie gibt an, in wie vielen Jahren das investierte Geld durch Zinsen und Rückzahlung im Schnitt zurückfließt. Die Wirkungsweise der zugrunde liegenden und recht komplizierten Durations-Formel ist vereinfacht wie folgt: Je kürzer die Duration, desto weniger sensibel reagiert eine Anleihe (ein Anleihen-ETF) auf Zinsveränderungen. Beispiel: Beträgt die Duration 3 und steigt der Marktzins um 1 Prozentpunkt, sinkt der Kurs der Anleihe um rund drei Prozent.

Aktien und Aktien-ETFs für Hartgesottene

Zweifellos, börsennotierte Unternehmensbeteiligungen, nichts anderes sind Aktien, sind das mit Abstand lukrativste Investment. Langfristig! Um es zu wiederholen: laaangfristig!! Und bei diesem „langfristig“ können schon mal ein paar Jährchen, bisweilen auch mehr, vergehen. Die Älteren unter uns erinnern sich an das Platzen der Dotcom-Blase, die durch den Zusammenbruch von Lehman verursachte Finanzkrise, Corona, Überfall auf die Ukraine sowie den Irankrieg. Wer in ein paar Jahren aufs Älteren-Teil geht, lässt von „Risikopapieren“, wie Aktien oft genannt werden, besser die Finger. Lieber weitgehend sicher investieren, als einen größeren Teil seiner Abfindung einbüßen, weil irgendein Despot, Autokrat oder wer auch immer durchdreht und deshalb etwa der Liter Benzin oder Diesel fünf Euro und mehr kostet.