Wenn die Kreditnehmer keine Kredite mehr nehmen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 13. November 2009, 07:30 Uhr
ENL5462
Der Dow ist am vergangenen Freitag um 17 Punkte nach oben gegangen, und hielt sich damit bei über 10.000 Zählern. Auch Gold ist nach oben geklettert - auf ein neues Rekordhoch.
In den Berichten erfährt man, dass die amerikanische Wirtschaft wieder wächst. Ja, das ist die offizielle Geschichte.
Aber einen Augenblick noch, was ist das für ein Wachstum?
David Rosenberg:
„Das einzige, was ich dazu sagen kann, ist, dass es allgemeiner Konsens zu sein scheint, dass die Rezession hinter uns liegt. Wenn das stimmt, dann haben wir es hier mit dem Inbegriff aller arbeitslosen Erholungsphasen zu tun. Und jegliches Wirtschaftswachstum, das in das System gequetscht wird, ist eine Folge der dramatischsten Regierungsintervention in der Geschichte der Menschheit - inklusive des New Deal in den Dreißigern. Präsident Obama lässt mittlerweile Defizite anlaufen, die sogar Roosevelt erblassen lassen.
... dann gibt die Regierung das Geld eben für die Bevölkerung aus
Die Quacksalber bei der amerikanischen Notenbank und im Finanzministerium haben uns den größten Adrenalinstoß im Laufe der Geschichte verpasst. Die Leute im Privatsektor geben kein Geld mehr aus? Zur Hölle mit ihnen, dann wird die Regierung das Geld eben für sie ausgeben.
Die amerikanische Zentralbank hat fast einhundert Jahre gebraucht, um die Bilanzen auf 800 Milliarden Dollar wachsen zu lassen - die die Grundlage des amerikanischen Geldvorrats sind. Nachdem Lehman Bros. Pleite machte, hat man die Bilanz verdoppelt - auf mehr als 1,8 Billionen Dollar.
Anfang der vergangenen Woche gab die amerikanische Zentralbank bekannt, dass man den Tropf vom Durchmesser eines Feuerwehrschlauchs auch weiterhin an Ort und Stelle lassen würde. Und dann, am Ende der Woche, bestätigten die Finanzminister beim Treffen der G20, dass sie ihre Konjunkturprogramme fortsetzen würden.
Man kann nicht so viel Bargeld in ein Finanzsystem pumpen, ohne dass es eine Reaktion gibt. Goldman macht beispielsweise Rekordgewinne. Wie verdient man bei Goldman sein Geld? Es ist das Finanzgeschäft. Da macht man Gewinne, indem man Kredite anbietet. Wenn die Kredite wachsen, dann verdienen die Geldverleiher und Spekulanten bei Goldman Geld.
Der Privatsektor leiht kein Geld. Jeden Tag gibt es neue Beweise dafür.
Die Verbraucherkredite sind im September erneut geschrumpft - den achten Monat in Folge.
Die Arbeitslosenzahlen haben gerade die Marke von 10% überschritten, berichtet die New York Times.
„Kleinunternehmen verkleinern sich, um zu überleben", heißt es in einer anderen Schlagzeile.
Eine weitere große Bank hat in Kalifornien Pleite gemacht.
Aber während der Privatsektor seine Schulden abbaut, dehnt der öffentliche Sektor seine weiter aus. Jetzt sind es die Regierungsvertreter, die das Geld leihen - ungefähr 1,7 Billionen Dollar in diesem Jahr.
Das ist großartig für die Leute, die der Regierung dabei helfen, das Geld auszugeben. Aber das einzige, was es tut, ist, dass es noch mehr Schulden ins System gibt. Und die Schulden sind ein wahres Problem.
Wenn der einstige Direktor von OMB, David Stockman, Recht behält, dann werden wir es mit Defiziten von zwei Billionen Dollar innerhalb eines Jahrzehnts zu tun haben.
Auf das, was die Menschen einst für absurd hielten, verlassen sie sich heute. Z.B. die Defizite im Umfang von einer Billion Dollar. Denn sogar bei diesem Loch in den öffentlichen Finanzen, die 13% des Bruttoinlandsprodukt entsprechen, hat das amerikanische Repräsentantenhaus ein Gesetz verabschiedet, dass die Ausbesserung des Gesundheitssystems mit Kosten von einer Billion Dollar ermöglicht.
Was haben Sie sich dabei nur gedacht?
Nun, sie haben sich vermutlich gedacht, dass es auf die Defizite nicht ankommt. Und sie haben die Ausgaben vermutlich damit gerechtfertigt, dass es „konjunkturdämpfende Ausgaben" seien,, die dabei helfen würden, die Vereinigten Staaten aus der Konjunkturkrise zu retten.
Was auch immer sie sich gedacht haben, sie haben dabei nicht an das gedacht, was vor 20 Jahren passiert ist. Vor zwanzig Jahren ist die Mauer in Berlin gefallen, womit ein Versuchsaufbau beendet wurde, der 40 Jahre bestand. Die Ostdeutschen / Sowjets wollten der Welt zeigen, wie gut Wirtschaftswissenschaftler, die für die Regierung arbeiten, eine Wirtschaft führen können.
Und das war dann das Ergebnis!
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von walter bruno (13.11. 2009 14:34 Uhr):
Vielen Dank für diesen Beitrag.Prima, dass Sie das Thema so auf den Punkt gebracht haben. Würde man die Fehler der Vergangenheit im allgemeinen Interesse immer gut analysieren und die Macht haben, für die Zukunft dann solche Fehler zu vermeiden, würde die Welt ein ganzes Stück vorankommen.Nur meine Meinung dazu: die Laborköche der Gegenwart, die Wirtschaftsführer von heute, nachdem Scheitern des "Versuchsaufbaus" , machen es doch nicht besser. Die Wirtschafts- und Finanzführer der Unternehmen schreien doch laufend nach dem Staat, der dann bei ausreichender Lobby reagiert und (aus welchen Motiven immer ?) dann in den Sack greift, den man gegenwärtig nur noch mit Schuldscheinen gefüllt hat oder mit noch ungedruckten Scheinen. Und dann kommt trotzdem das grosse Jammern und die, die für alle sichtbaren materiellen Leistungen gebracht haben (die Ingenieure und Arbeiter) landen dann in der Arbeitslosigkeit. Es ist doch dieses Experiment nicht wirklich ausgewertet worden. Staatsverschuldungen wie nie zuvor , Verschiebung des grossen Knalls (bis zum ...?) , Massenarbeitslosigkeit usw. können doch nicht das Resultat einer grossartigen Wirtschaftsführung sein. Hatte ich damals (in der DDR) das Maul aufgemacht, weil mich etwas an der Wirtschaftsführung störte, so bekam ich eins drauf. Mache ich heute das Maul auf , weil mich etwas an der Wirtschaftsführung stört, so verlier ich meinen Job. So verschieden sind die Dinge im Kern gar nicht. M. E. liegt jeweils die Ursache in der Entfremdung von der Realität durch die Wirtschaftsführer (egal ob im Konzern oder in der Regierung). Es war früher so, dass sich die Inkompetenz über die Kompetenz hochherrschaftlich und selbstherrlich erhob und heute ist das nicht anders. Wer ernsthaft den Bezug zur Basis (zur Produktion, zum Markt und zur Tagesrealität der Wertschaffenden) verloren hat, der kann auch keine vernünftige Wirtschaftspolitik machen. Weder im Konzern oder Betrieb, noch in der Wirtschaftswissenschaft , schon gar nicht in der Politik. ANALYSE und gezielte Veränderung gehören doch zusammen (was nicht ausschliesst, dass es immer wieder Fehler geben wird). Stellt man sich stets die Frage: worin besteht eigentlich der ursprüngliche Sinn der Produktion? Dann findet man meistens eine bessere Lösung. Weder die staatlichen Wirtschaftswissenschaftler des damaligen Experimentes noch die Wirtschaftsweisen von heute haben die richtigen Wege gewiesen. Es gibt aber einen "Dritten Weg" ! Doch den gibt auch dieses Wirtschaftssystem nicht her.Warum streift man nicht alle Arroganz und Resentiments ab und versucht gemeinsam über den Tellerrand zu blicken ?
Antworten - Kommentar von ter haak (14.11. 2009 20:38 Uhr):
PLEITE aber schon 30 jahre vorher
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