Inflationssorgen und Zinserhöhungsängste durch Mehrwertsteuererhöhung?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 13. Juli 2005 18:00 Uhr
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Hitzefrei, zumindest hätte ich das, wenn ich noch zur Schule ging. In Köln sind es an die 30 Grad, man schwitzt schon, wenn man zuviel mit dem Augen zwinkert. Na ja, es hilft alles nichts, also nicht ganz so frisch ans Werk:
Führt die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu einer Zinserhöhung der EZB?
Im Moment kommen Befürchtungen auf, dass die von der Union geplante Mehrwertsteuererhöhung die Inflation soweit anheben könnte, dass die Inflation in Deutschland deutlich über die von der EZB angepeilte 2 % Marke steigt. Daraus resultiert die Sorge, dass die EZB auf diese Mehrwertsteuererhöhung eventuell mit einer Zinserhöhung reagieren könnte.
Na, besonders der letzte Schluss ist wohl ein wenig übers Ziel geschossen. Aber es wird interessant sein, zu beobachten, ob und wie weit die Produzenten bei den Produkten die Mehrweitsteuer eins zu eins an die Kunden weitergeben können. Auf der Unionsseite wird argumentiert, dass doch gleichzeitig die Lohnnebenkosten gesenkt werden, so dass die Produzenten mehr Preisspielraum hätten.
Aber die Lohnnebenkosten sollen doch eigentlich für eine Entlastung der Unternehmer und für neue Arbeitsplätze sorgen und nicht den preistreibenden Effekt die Mehrwertsteuer kompensieren – eigentlich.
Hm ...
Welche unerwarteten Effekte wird die Erhöhung haben?
Angesichts der schwachen Binnennachfrage ist es tatsächlich schwierig zu beurteilen, ob die Mehrwertsteuererhöhung ganz auf die Verbraucher umgesetzt werden kann. Vielleicht kurzfristig, doch dann wird der Preiskampf zumindest in Teilen der Produktpalette wieder voll durchschlagen.
Interessant ist wieder einmal eine ganz andere Überlegung. Kann es nicht sein, dass die Mehrwertsteuererhöhung erst einmal kurzfristig dazu führt, dass Konsumenten, die planen sich in näherer Zukunft höherpreisige Güter zu kaufen, das dann noch schnell vor der Erhöhung tun werden? Kann es also sein, dass die Binnenkonjunktur vor der Mehrwertsteuererhöhung kurzfristig erheblich anziehen wird?
Die Folge davon wäre, dass die konsumabhängigen Unternehmen in dem Quartal vor der Erhöhung größere Gewinne einfahren werden, als erwartete. Das sollten Sie unbedingt im Hinterkopf behalten, wenn eine Erhöhung ansteht. Hier lauern größere Kursgewinne!
Nach der Party kommt der Kater
Danach käme es allerdings zum Kater, denn die Kaufbereitschaft würde ebenso dramatisch wieder nach der Erhöhung sinken. Das wiederum würde den Preiskampf erhöhen, so dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die Mehrwertsteuererhöhung für die Inflationsrate kaum Auswirkung haben wird.
Trotzdem haben solche Schritte für mich auch immer den faden Beigeschmack eines typischen monetären Verschiebebahnhofs. Was ich schon seit vielen Jahren nicht verstehe, warum wird nicht erst einmal rigoros Bürokratie abgebaut, rigoros die Vorschriften, Gesetzte und Bestimmung ausgemistet.
Was hier gerade kleinere Unternehmen an Kosten sparen könnten. Durch diese Bürokratie entsteht ein ungeheurer kaum bezahlbarer Arbeitsaufwand, zusätzlich zu den Kosten für Rechtsberatung, der Zeitaufwand für Ämter und Behörden, die unendlich vielen Knüppel, die Ihnen in den Weg gelegt werden. Hier besteht ein hohes Reformpotential, das kaum einer sieht, das wenig Belastung aber viele Vorteile bringen würde.
Das würde dann auch vielen jungen Unternehmen enorm helfen, den Mittelstand beleben, viele Unternehmensgründungen vereinfachen und es würde nicht viel kosten. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Bevor ich hier noch weiter vom Thema abkomme:
Nur einmal zur Info: Deutschland steht mit Spanien in Europa an zweitletzter Stelle bei der Höhe der Mehrwertsteuer. Nur noch Luxemburg liegt mit 15 % niedriger. Dänemark und Schweden führen mit 25 % das Feld an.