Hochtief sitzt in der spanischen Falle
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 20. September 2010, 14:30 Uhr
ENL5454
seit Donnerstag ist klar: Der spanische Baukonzern ACS will per Aktientausch die Mehrheit an Hochtief erwerben. Doch Deutschlands größter Baukonzern ist von dieser Offerte alles andere als begeistert und will sich wehren.
Die "Berliner Zeitung" beginnt ihren Bericht über die geplante feindliche Übernahme mit folgendem sehr anschaulichen Sachverhalt: "Am Hamburger Hafenbecken entsteht derzeit das Prunkstück im Portfolio des Baukonzerns Hochtief. Ende Mai wurde das Richtfest des neuen Aushängeschilds der Hansestadt gefeiert, in zwei Jahren sollen dann die Bläser und Streicher in der Elbphilharmonie aufspielen. Möglicherweise ist der größte deutsche Baukonzern bis dahin schon nicht mehr deutsch." Denn viele Experten räumen Hochtief nur wenige Chancen ein, die Übernahmepläne des spanischen Baukonzerns ACS von Real-Madrid-Präsident Florentino Perez noch zu verhindern. "Hochtief sitzt in der Falle", die Headline der Berliner Zeitung" bringt die missliche Lage auf den Punkt.
Und in der Falle sieht sich auch Hochtief-CEO Herbert Lütkestratkötter. Er wurde vom Übernahmeangebot der spanischen Konkurrenz eiskalt erwischt und hebt den Zeigefinger in Richtung ACS-Manager Garcia Altozano. ASC ist bereits Großaktionär bei Hochtief, hält aktuell knapp 30% der Anteile. Umso enttäuschender findet es Lütkestratkötter, dass der Großaktionär so im Dunkel handelte. Der Konzernchef warf den Spaniern mangelnde Absprache im Vorfeld des Angebots vor. "Ich kann mir keine wirkliche Notlage vorstellen, die mich davon abhalten würde, meinen Partner vor Überraschungen zu schützen", sagte Lütkestratkötter am Freitag im Gespräch mit der dpa.
ACS-Manager Angel Garcia Altozano soll sich jedoch damit entschuldigt haben, dass es ein Informationsleck gegeben habe, so dass das Unternehmen zu einem schnellerem Handeln gezwungen gewesen sei als ursprünglich vorgesehen.
Bislang keine Abwehrstrategie
Überrascht und in der Falle - das wird auch darin deutlich, dass Hochtief zu einer möglichen Abwehrstrategie noch keine konkreten Angaben machen kann. "Wir sind seit gestern in einer neuen Situation", bringt der CEO es auf den Punkt. Man wolle erst alle Optionen analysieren und das offizielle Angebot im Detail prüfen, bevor man sich zum weiteren Vorgehen äußere, wird Lütkestratkötter in der Presse zitiert. Mit der Vorlage des offiziellen Angebots sei jedoch erst Anfang November zu rechnen. Doch auch dies ist eine relativ kurze Zeit, um etwas gegen die geplante Übernahme zu unternehmen. Viele Optionen gibt es eigentlich nicht. Eine Möglichkeit wäre das Hinzuziehen eines weiteren Bieters, der eine bessere Offerte vorlegen könne. Ansonsten bliebe nur der Verkauf von Unternehmensteilen.
ACS-Manager Garcia Altozano unterstrich die guten Absichten der Spanier. "Unsere Intentionen sind sehr freundschaftlich", sagte Garcia Altozano am Freitag in Madrid. Wenn die Essener die angekündigte Offerte als "feindlich" einstuften, habe dies rein technische Gründe. Nach dem deutschen Recht müsse eine Übernahme als "feindlich" betrachtet werden, wenn es vorher keine öffentlich geführten Verhandlungen gegeben habe, sagte García Altozano. ACS und Hochtief unterhielten seit vier Jahren "enge Beziehungen".
Konditionen für Hochtief-Aktionäre nicht attraktiv
Zu den angekündigten Konditionen für das Übernahme-Angebot meinte Lütkestratkötter: "Auf das in Aussicht gestellte Angebot haben die Marktteilnehmer enttäuscht reagiert. Ich kann es gut nachvollziehen." ACS bietet acht eigene Aktien gegen fünf von Hochtief. Der Preis entspricht dem gesetzlichen Mindestgebot, das ab einem Anteil von 30 Prozent an Hochtief laut Gesetz fällig wird, und ist damit mit rund 56 Euro je Hochtief-Aktie nicht attraktiv. So kann ACS darauf spekulieren, nur von einem Teil der anderen Aktionäre Papiere zum Kauf angeboten zu bekommen. Doch angeblich hat ACS Zeit. Zwar will man bis zu Jahresende den Deal unter Dach und Fach haben. Doch man sei auch bereit, die notwendigen Anteile für die Mehrheit nach und nach an der Börse zuzukaufen.
Ich gehe fest davon aus, dass ACS das Angebot noch einmal nachbessern muss, wenn man nicht zu lange Anteile am Markt einsammeln will. Die Aktie des Essener Bauunternehmens liegt bereits jetzt deutlich über dem Niveau des ursprünglichen Tauschangebotes. Das MDAX-Papier hält sich stabil zwischen 60 und 61 Euro. Die Börsenakteure scheinen also fest mit einer Nachbesserung aus Spanien zu rechnen. Auch von Seiten der Spanier soll es mittlerweile Andeutungen geben habe, dass man mehr auf den Tisch legen würde als die derzeitige Offerte. Es wird also spannend bleiben.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
ähnliche Beiträge:
- Hochtief in der Abwehrschlacht
- Hochtief-Übernahmepoker: Ein Ass im Ärmel, das nicht hilft
- Hochtief: Erbitterter Kampf gegen die lange Hand aus Spanien
- Renditen auf längerfristige US-Staatsanleihen steigen: USD unter Druck
- Die Hochtief-Aktie
- Hochtief: Dank Leighton voll auf Kurs
- Leser kommentieren: Zum Hochtief-Übernahmepoker
- Hochtief mit stattlichem Rücksetzer
weitere Ausgaben von
Insider Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Freitag, 25. Mai 2012
Donnerstag, 24. Mai 2012
Mittwoch, 23. Mai 2012
alle AusgabenBörsenbrief: Travel Trader
Ihr Börsendienst mit dem globalen Insidernetzwerk
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Börsenbrief: Travel Trader