Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert und langfristig erfolgreicher als der Gesamtmarkt.
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Finanzkrise
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Ein griechischer Ökonom vertritt die Ansicht, die Wettbewerbsprobleme seines Landes seien weitgehend gelöst, dies zeige sich jedoch nur mit einer Verzögerung von 2-3 Jahren in den ökonomischen Statistiken. Guckt man nur auf die Zahlen, stimmt diese Aussage. Doch Wettbewerbsfähigkeit beschränkt sich nicht nur auf Zahlen.
Deutschland bei der Arbeitsproduktivität in der Spitzengruppe
Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW Köln) veröffentlichte im Dezember 2011 seine neuste Statistik zur Produktivität und den Lohnstückkosten der Industrie im internationalen Vergleich, Untersuchungsjahr war 2010. Mit der Produktivität beschreiben Volkswirte das Verhältnis vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu den für die Erzeugung dieses BIPs nötigen Arbeitseinheiten. Kurz gesagt: Je größer das erzeuge BIP bei gleichem Zeitaufwand, desto höher ist die Produktivität.
Das IW Köln sah Deutschland im bei der Produktivität in der Spitzengruppe. Beim Vergleich von 25 Industriestaaten erreicht Deutschland den dritten Platz. Vor Deutschland liegen nur die Niederlande und die USA mit um 8% bzw. 28% höherer Produktivität. Griechenland liegt weit abgeschlagen mit 51% geringerer Produktivität im unteren Drittel.
Griechenland liegt bei den Lohnstückkosten weit vor Deutschland
Doch die Produktivität sagt nichts über die Rentabilität von Arbeit aus. Ein geringproduktiver Arbeiter kann rentabler sein als ein hochproduktiver, wenn sein Lohn die geringere Produktivität überkompensiert. Hier kommen die Lohnstückkosten ins Spiel. Sie setzen die Summe der Arbeitnehmerentgelte in Relation zum BIP. Kurz gesagt: Je höher das BIP bei gleicher Lohnsumme, desto geringer sind die Lohnstückkosten.
Beim Vergleich der Lohnstückkosten landet Griechenland zwar nicht in der Spitzengruppe, aber doch deutlich vor Deutschland. Die Lohnstückkosten sind 15% niedriger als in Deutschland und immerhin 3,4% niedriger als im Durchschnitt aller 25 untersuchten Länder. In Ungarn und Litauen liegen die Lohnstückkosten sogar um 35% unter den deutschen.
Investoren achten nicht nur auf Kosten, so wie die Politik
Würden Investoren unter „wettbewerbsfähig" nur die reinen Kosten je produzierter Einheit verstehen, müssten also Länder wie Griechenland, Litauen oder Ungarn schon im Jahr 2010 wahre Investorenparadiese sein. Doch sie waren und sind es nicht. Denn Investoren achten nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf weitere Faktoren wie die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern, die Nähe von Abnehmern und Zulieferern, die Infrastruktur oder die Effizienz behördlicher Abläufe.
Fokus auf Kosten verstellt den Blick für andere Problemfelder
Bei all diesen Faktoren kann Griechenland nicht mithalten. Das Land hat keine industrielle Basis wie z.B. Deutschland, auf der sich aufbauen ließe. Der einseitige Fokus auf Kosten, den die Troika legt, macht es unmöglich, Griechenland ernsthaft wettbewerbsfähig zu machen. Zu denken, in Griechenland würde in zwei bis drei Jahren ein Investitionssturm ausbrechen und alle Probleme lösen, weil die Kosten noch weiter gesenkt wurden, dürfte sich als Wunschtraum herausstellen.
Auch ein Austritt aus dem Euro hilft Griechenland kaum weiter. Denn die Einführung einer eigenen, gegenüber dem Euro abgewerteten Währung wäre auch nichts anderes als die Reduktion der Kosten für ausländische Investoren und Handelspartner.
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