Es steht heuer zur Debatte: der EWF-Plan
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 8. März 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
nachdem in der letzten Woche Griechenlands relativ erfolgreiche Emission von 10-jährigen Staatsanleihen zur allgemeinen Beruhigung beitragen konnte, scheint die Griechenland-Problematik schon wieder deutlicher in der Hintergrund zu treten.
Noch mal kurz zur Info, obwohl Sie es sicher schon mitbekommen haben: Griechenland hat in der vergangenen Woche Bonds im Wert von 5 Milliarden Euro platziert. Die Kaufangebote umfassten ein Volumen von rund 16 Milliarden Euro - so dass eine ganze Reihe an Kaufinteressenten gar nicht zum Zuge gekommen ist.
Das wird jetzt als Erfolg gewertet, auch im Hinblick auf die Blamage im Januar bei der Ausgabe von 5-jährigen Staatsanleihen und hat zur wieder aufkeimenden Freude in der letzten Woche beigetragen.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Griechen auch einen hohen Preis für ihre Bond-Emission zahlen müssen. Der Renditeaufschlag mit 6,25% ist ganz schön hoch und in meinen Augen auch ganz schön belastend für das sowieso schon hochverschuldete Land. Aber, na ja, erstmal atmen alle auf, bis ...tja bis zur nächsten Emission?
Nun gut, während also alle aufatmen und Athen jetzt von einer Emission zur nächsten krabbelt, wobei allerdings die grundlegende Problematik des Landes, nämlich der Zugang zu Krediten unter relativ normalen Bedingungen (auf der anderen Seite, was ist schon normal?) noch immer nicht gelöst ist, blicken die Europäer schon wieder weit in die Zukunft.
EWF-Pläne
Mittlerweile hat Bundesfinanzhäuptling Schäuble gesprochen und eine Idee in den europäischen Raum geworfen. Die Idee zur Bildung eines Europäischen Währungsfonds, nach dem Vorbild des IWF (Internationaler Währungsfonds). Eine Idee, die offenbar auf einige offene Ohren stößt. Zwar will Schäuble erst noch mal mit den Franzosen sprechen, weil man das Ganze gemeinsam besser durchsetzen kann, aber wie Industriekommissar Antonio Tajani verriet, will die EU-Kommission offenbar bereits ab morgen darüber beraten.
Also ein EWF! Das würde bedeuten, im Krisenfall gäbe es Finanzhilfen für Euro-Mitgliedsstaaten, nach festgelegten Kriterien und an bestimmte Bedingungen gekoppelt. Wie das alles aussehen soll, also wer, wann, wie viel und warum bekäme und was wer, wann und wieso dafür tun müsste, ob es Strafen gibt und wie diese aussehen - keine Ahnung!
Lediglich verlautbar wurde, dass man sich nach diesen Plänen künftig den IWF vom Hals halten will - Euro-Länder müssten sich verpflichten kein Geld mehr vom IWF anzunehmen. Eine klare Ansage, die ungefähr so lautet: liebe Amerikaner und Asiaten, haltet euch aus Euro-Raum-Angelegenheiten raus!
Ich persönlich vermisse allerdings die Antwort auf die - in meinen Augen - allerwichtigste der Fragen in diesem Zusammenhang: nämlich diejenige nach der Finanzierung eines solchen Fonds!
Liebe Euro-Politiker, natürlich sind wir alle mit der Gesamtsituation unzufrieden, natürlich erwartet man von euch nun irgendeine Lösung der grundlegenden Problematik und die Verhinderung eines zukünftigen erneuten Debakels (denn dafür bezahlen wir euch ja schließlich) und natürlich sehen wir ein, dass ihr, wie die meisten Politiker in den meisten Staaten, mit dieser Aufgabe auch hoffnungslos überfordert seid, aber könntet ihr uns wenigstens verraten, wie die Schaffung einer solchen Institution und damit also ein Prozess der Jahre dauern wird, zur Lösung der aktuellen Problematik beitragen soll? Oder ist Griechenland jetzt aus dem Schneider, weil es schon wieder langweilig geworden ist?
Na ja, liebe Leser, dann schauen wir eben mal, was da noch kommt! Zur Finanzierung des EW-Fonds hätte ich eine Idee: wieso steigen wir dann nicht gleich aus dem IWF aus, vielleicht bekommen wir ja die hinterlegte Summe zurück und können sie gleich in den EWF einspeisen...
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