Es kommt immer auf den richtigen Zeitpunkt an
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 17. Juni 2010, 20:00 Uhr
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Gestern schrieb ich, dass Sparen eigentlich keine schlechte Idee sei, sofern die Grundvoraussetzungen stimmen. Wenn Deutschland spart, dann führt das zu rückläufigem Wachstum. Wenn aber ganz Europa spart, dann kann das unter Umständen, in den sowieso schon schwächelnden Ländern, die eigentlich viel früher (in guten Zeiten) wichtige Reformen hätten durchführen müssen und jetzt auf steigende Arbeitslosenzahlen blicken, sogar zu einer schweren Rezession bis hin zur Depression führen. Die Frage ist dann auch, ob die Sparbemühungen nicht schließlich verpuffen. Denn was nützt es, wenn man die Renovierung von Strandbad und Straße hinten anstellt, stattdessen aber die Kosten der Sozialleistungen steigen (nur mal grob gesagt).
Dreh- und Angelpunkt ist eigentlich immer das Wachstum! Denn Schulden abbauen kann man eigentlich nur dann, wenn man genug erwirtschaftet, um diesen Abbau zu bezahlen. Wir können also nur hoffen, dass die südeuropäischen Staaten es tatsächlich schaffen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Vorerst bleibt das aber nur eine Hoffnung!
Denn vorerst setzt man lieber aufs brachiale Sparen, anstatt einen langfristigeren, aber nachhaltigeren Schuldenabbau zu betreiben. Andererseits scheinen das sowieso nur die wenigsten Staaten zu machen! Denn schließlich sind nicht nur europäische Länder hoch verschuldet, sondern auch Länder wie die USA oder Japan.
Das größte Problem, welches Politiker offenbar weltweit haben, ist den richtigen Zeitpunkt für ihre Aktionen zu wählen. Staaten sollten so, wie es der Durchschnittsbürger auch tun würde, gerade dann ihre Schulden abbauen, wenn es ihnen wirklich gut geht. Doch in den meisten Fällen versäumen sie genau das! Warum? Weil unser System dem Dogma des immerwährenden Wachstums unterliegt. Und das tut es leider auch jetzt immer noch. Doch jetzt fühlen sich die Europäer den Anleihengläubigern verpflichtet und pfeifen drauf. Was leider aber auch nicht die Patentlösung sein kann!
Auf der anderen Seite glaube ich auch nicht, dass zum Beispiel die US-Lösung die Patentlösung ist. Denn, wie man sieht, trotz Konjunkturprogrammen und massivem Schuldenaufbau, bleibt auch der US-Arbeitsmarkt ein Sorgenkind. Trotzdem können die Amerikaner ihre gegenwärtige Politik auch nicht ewig weiterführen.
So verlässt sich die Welt also momentan auf die wachstumsstarken Emerging Markets! Hoffen wir also, dass diese Länder auch weiterhin Lust haben "die Welt zu retten".
So long liebe Leser...ach ja, dabei könnte es doch so einfach sein...wenn sich die Politiker weltweit doch nur schon früher an den alten Spruch erinnert hätten: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not!...na, ja was hilft es jetzt schon...am kommenden Montag sehen wir uns noch ein paar Argumente eines Wirtschaftsnobelpreisträgers an, der die europäischen Politiker als "Verrückte an der Macht" bezeichnet...morgen gibt's wie gewohnt an dieser Stelle den Wochenrückblick...doch zuvor freue ich mich auf das morgige Spiel, bei dem die deutsche Elf hoffentlich wieder Ballzauber betreiben wird....:-) ...bis morgen und liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Friedrich (18.06. 2010 11:27 Uhr):
Liebe Frau Kraus, Sie haben zweilellos Recht: Es geht beim Sparen um den richtigen Zeitpunkt, aber auch um die geeignete Methode. Das Gesetz zur Schuldenbremse muss an die Wachstumsrate gekoppelt werden, also nach der Formel: prognostiziertes Wachstum minus erforderliches Wachstum (zur Arbeitsplatzsicherung) ist gleich Sparrate. Je höher das Wachstum, um so größer der (gesetzlich festgelegte) Spareffekt. Noch wichtiger ist aber das "intelligente" Sparen. Es geht darum, was hinten rauskommt, und das bedeutet, die Effizienz der Staatsausgaben zu steigern. Wie in jedem Unternehmen müssen unproduktive Verwaltungsstrukturen aufgelöst bzw. zusammengefasst werden (z.B. finanzschwache Bundesländer) und stattdessen die Verantwortung der unmittelbar Betroffenen (z.B. der Kommunen) gestärkt werden. Anstelle von Verbrauchs-Subventionen müssen Investitionszuschüsse gegeben werden (z.B. Landwirtschaft), die einen Hebeleffekt auslösen und sich über die Steuerrückflüsse selbst refinanzieren (z.B. Heizungserneuerung). Auch Hartz-IV-Empfängern ist mehr damit gedient, anstelle eines Wohngeldzuschusses einen Zuschuss für energiesparende Haushaltsgeräte zu erhalten. Intelligent sparen heisst, "zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen" oder in der Börsensprache ausgedrückt, einen Hebeleffekt zu erzielen.
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