Ein Vergleich der Krisen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. September 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Der heutige Konjunktureinbruch in den Vereinigten Staaten lässt sich nur schwer mit dem der Jahre 1929 - 1933 vergleichen, der das Bruttoinlandsprodukt um 27% reduzierte. Damals stand einer von vier körperlich zum Arbeiten fähigen Menschen in den Reihen der Arbeitslosen, verglichen mit heute, wo es nur einer von zehn ist, wie aus den Zahlen der statistischen Schwindeleien hervorgeht. Und doch hat die Tiefe des Einbruchs heftige Kurserholungen nicht verhindern können, ganz im Gegenteil, sie schien sogar danach zu verlangen. Nach 1933 ist die amerikanische Wirtschaft in jedem der vier folgenden Jahre um 10% gestiegen.
Während der Konjunkturkrise des Jahres 1982 ist die amerikanische Wirtschaft um 6,4% eingebrochen. Auch in diesem Fall entsprach die Reaktion der Aktion im Wert bei umgekehrten Vorzeichen. „Es hat bis zum dritten Quartal des Jahres 1984 gedauert", sagt Grant, „ehe das reale Quartalswachstum des Bruttoinlandsprodukts wieder unter 5% gefallen ist."
Es werden natürlich sogar die amerikanischen Kongressmitglieder zurückfedern, wenn man sie die Stufen des Kapitols hinunterschubst. Aber nicht jeder von ihnen wird danach wieder aufstehen können. Beim Beispiel des Jahres 1933 ist es der amerikanischen Wirtschaft, die damals noch jung und kräftig war, sehr gut gelungen, wieder auf die Beine zu kommen. Bis zum Ende des Jahrzehnts lag sie immer noch auf dem Rücken, mit einer Arbeitslosigkeit von 15% und einer Deflation von 2%. Erst danach, nach vier Jahren eines Weltkriegs, hat die Wirtschaft wieder ein tragfähiges Wachstum gezeigt.
Jetzt haben wir das Jahr 2009 und der arme Geselle liegt wieder auf dem Rücken. Die Regierung ist herbeigeeilt, um ihm auf die Beine zu helfen. Sie haben ihm eine Injektion kombiniert aus fiskalischen und monetären Mitteln in den Arm gegeben, die siebenmal stärker ist - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - als der durchschnittliche Stimulus in den Nachkriegsjahren.
Jetzt hat ihm der ganze Saft die Augen geöffnet. Aber er stolpert immer noch. Er hat über die Jahre etwas Gewicht zugelegt - das Verhältnis der Schulden zum Bruttoinlandsprodukt liegt heute dreimal so schwer auf seinen Schultern wie noch im Jahr 1982. Seine Aktien sind heute dreimal so teuer, auch gemessen am KGV. Seine Knochen sind zerbrechlicher und sein Verstand arbeitet etwas langsamer. Mehr noch, im Jahr 1982 war er schon seit mehr als einem Jahrzehnt auf einer Diät der Entschuldung. Im Jahr 2009 hat er damit gerade erst angefangen.
Ich weiß nicht, was als nächstes passieren wird. Aber wenn ich anfange, diese Wirtschaft optimistisch zu sehen und Sie dazu dränge, dass sie Aktien kaufen, dann wird sicherlich ein guter Zeitpunkt sein, diese loszuwerden.
Private Veränderungen markieren manchmal dramatische Wandel in der Geschichte. Saul von Taursus hatte eine Vision, die so hell war, dass er davon erblindete. Und ehe man sich versah, hatte er seinen Namen geändert, und drängte die gesamte Welt zur Christenheit. Laut Gibbon, ist das römische Reich in der Folge dessen untergegangen. Und dann wurde Henry IV auf Rat seiner geliebten Gabrielle katholisch, was zum Edikt von Nantes und der darauf folgenden Widerrufung führte.
Selbst in der Welt der Finanzen gibt es bedeutsame Konversionen. An der Wall Street sagt man, dass die Erholung endet, wenn der letzte Bär aufgibt. Ein alter Freund von mir war schon lange eine Quelle der Inspiration für Technologiebären. Er hat plötzlich das Licht gesehen und im Jahr 1999 aufgegeben. Die Aktien, die er zuvor verachtet hatte - oft Internetaktien ohne Einkünfte und ohne Geschäftsplan - wurden von ihm plötzlich zum Portfolio hinzugefügt. Das hat einen großen Wandel verheißen - das Ende der Technologieblase. Technologieaktien sind eingebrochen. Dann wurde Stephen Roach im Jahr 2007 flüchtig zum Bullen, nach einer langen Phase der Zweifel und der Befürchtungen.
Jetzt ist es Jim Grant, der seine Meinung ändert. Eine Generation der Investoren hat sich an Grants Warnungen gewöhnt, dass „das Ende nah" sei. Jetzt sagt er hingegen, der Boom sei nah.
Das Erstaunliche an Grants Wandel ist, dass seine Vision so wenig Hitze und Licht abgibt. In einem Artikel des Wall Street Journals klingt er unsicher, er spielt auf die Geschichte vergangener Rezessionen an und kommt vor einem flackernden Streichholz zum Ende: „Je tiefer die Krise, desto flotter die Erholung."
Zahlreich waren die Schafe in Grants Herde - jetzt fühlen sie sich von ihm betrogen, so als hätte sich ihr Hirte zu den Wölfen gesellt. Hier auf diesen Seiten fühle ich mich dadurch aber nicht persönlich angegriffen. In den folgenden Sätzen werde ich einfach nur das Feuer anfachen.
Auf jede Aktion folgt eine Reaktion
Ich will Newtons drittes Gesetz nicht in Frage stellen. Auf jede Aktion folgt eine Reaktion. Jeder Boom hat seine Krise. Und jede geplatzte Blase führt zu einer kurzfristigen Kurserholung. Selbst das Heck der Titanic ist erst nach oben gegangen, ehe sie im Wasser versank.
Zuerst möchte ich mich an die Fakten wenden. Aber die Fakten sind die Überlebenden. Sie werden sagen, was immer ihre Befrager hören wollen. Was die Meinungen anbelangt, ist das einst halbleere Glas nach sechs Monaten der Aktienmarkterholung wieder halbvoll. Das habe ich selbst so vorhergesagt. Aber ich will es Robert Prechter überlassen zu sagen: „Habe ich es Ihnen nicht gesagt". Noch ehe die Erholungsphase angefangen hat, hat Prechter die Geschichte vorweggenommen:
„Unabhängig vom Ausmaß, sollte die Erholung zu Gefühlen des Optimismus führen. Zum Gipfel dessen wird die Beliebtheit des Präsidenten höher sein und die Regierung wird es sich selbst zuschreiben, dass sie erfolgreich die Wirtschaft gerettet habe. Es wird so wirken, als habe die Regierung das Bankensystem gerettet und die Anleger werden überzeug sein, dass der Bärenmarkt hinter uns liegt."
Was die Beliebtheit Obamas anbelangt, lag Prechter daneben. Aber vier von fünf Punkten ist doch gar nicht mal so schlecht.
Grants kurze Reise durch die Geschichte der Rezession scheint seine Newton‘sche Position zu bestätigen: Jeder tiefer eine Wirtschaft fällt, desto weiter muss sie steigen, um wieder den Normalzustand zu erreichen. Dieser Abwärtstrend hat bereits fast 4% des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts gekostet und deutlich mehr, als irgendeine andere Konjunkturkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Deswegen wird die Wirtschaft deutlich zurückkommen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wolfgang Scheid (30.09. 2009 09:33 Uhr):
Na, da scheint der Wein aber besonders gut geschmeckt bzw. das Licht extrem geflackert zu haben...
Antworten - Kommentar von Isabel Gottschalk (30.09. 2009 14:06 Uhr):
Bin sehr ,begeistert ü.die Beiträge Danke! MFG I.Gotschalk
Antworten - Kommentar von Wolfgang Springfeld (30.09. 2009 20:29 Uhr):
Ich weiss nicht was mit meinem lieben Bill geschehen ist, aber diese Artikel wiederholen sich dauernd und sind so extrem fehlerhaft (Rechtschreibung), dass ich mir Sorgen mache!! WS
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