Die Mineralisierung kann sehr unterschiedlich sein
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 15. Juli 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
Gehen wir also einmal die verschiedenen Parameter durch und fangen dabei bei der kleinsten Einheit an, dem Gestein. Ein und derselbe Rohstoff kann in ganz unterschiedlichen Mineralien vorkommen. Oder er erscheint in einer Art Klumpen, der nur sehr geringe Ausdehnung hat. Das ist z.B. manchmal bei den schon erwähnten Quarzadern der Fall, wo Sie an der einen Stelle sichtbares Gold finden und daneben wieder gar nichts. Diese Mineralien können sich sogar innerhalb einer Lagerstätte rasch abwechseln. So kann es sein, dass nur 50 cm neben einem relativ hochgradigen Bohrergebnis bereits nur noch ein wesentlich schwächerer Gehalt oder gar nichts im Gestein vorkommt. Je unterschiedlicher die Mineralisierung ist bzw. je stärker darin der Gehalt der Rohstoffe schwankt, umso schwieriger ist es gerade bei frühen Ressourcenschätzungen mit relativ wenigen Daten, eine verlässliche Ressource zu berechnen. Geben Sie eine solche Kalkulation an fünf verschiedene Analysehäuser, werden Sie fünf verschiedene Ergebnisse erhalten.
Auf dem Bild erkennen Sie ein besonders schönes Beispiel von sogenanntem sichtbarem Gold" in einer Quarzader. Gefunden wurden hier 2.205 g/t Gold bzw. 63,94 Unzen je Tonne. Das wäre ein gigantischer Wert von 60.743 USD je Tonne (bei einem Goldpreis von 950 USD je Unze) Gestein, wenn es sich über eine größere Strecke hinziehen würde. Ein toller Fund, der sich aber sicher nicht über ökonomische Weiten bestätigen wird.
Ausreißer müssen gekappt werden, um das Ergebnis nicht zu verfälschen
Um solche Ausreißer der Bohrergebnisse in der Ressourcenschätzung zu berücksichtigen, wird eine Kappungsgrenze eingezogen. Je nach durchschnittlichem Gehalt der Ergebnisse wird diese höher oder tiefer angesetzt. Bei einem niedriggradigen Vorkommen etwa bei 20-30 g/t Gold, bei einem generell höhergradigen muss der Wert natürlich deutlich höher liegen. So produziert z.B. eine der reichhaltigsten Goldminen der Welt, die Red Lake Mine von Goldcorp, mit einem durchschnittlichen Gehalt von etwa einer Unze Gold je Tonne Gestein. Ich konnte leider die Ressourcenschätzung online nicht mehr finden, aber deren Kappungsgrenze wird sicher bei über 100 g/t Gold gelegen haben. Das oben abgebildete Foto stammt übrigens von einem Explorer, der in der Nähe der Red Lake Mine ein neues Vorkommen sucht.
Es kommt natürlich nicht bei jeder Ressource so auf das Gramm an wie bei dem relativ teuren Gold. Hier kann es schon eine bedeutende Rolle spielen, ob eine Kappungsgrenze z.B. bei 20, 50 oder 100 g/t Gold liegt. Das beeinflusst bei einer größeren Menge solcher Ausreißerwerte den Umfang der geschätzten Ressource deutlich. Bei den Industriemetallen oder gar den Massenrohstoffen wird eher geklotzt als gekleckert. Hier spielen größere geologische Strukturen die wichtigste Rolle. Dazu erfahren Sie in der nächsten Ausgabe mehr.
Bis Freitag, ich wünsche Ihnen trotz der hektischen Börsen eine erfolgreiche Woche,
Daniela Knauer