Die IEA wirft strategische Ölreserven auf den Markt
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 24. Juni 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Haben Sie das mitbekommen?
Da verkündet die Internationale Energie Agentur (IEA), dass sie aus ihren strategischen Öl-Reserven 60 Mio. Barrel auf den Markt werfen möchte.
Damit will sie laut eigenen Aussagen den Förderausfall Libyens abmildern und gerne auch den Ölpreis "abschmieren" lassen.
Prompt sackte der Ölpreis gestern im späten Handel durch, WTI verlor bis zu 5%. Doch bereits heute fängt sich sowohl WTI (im Bereich 91,75 Dollar) als auch Brent (bei ca. 107,20 Dollar) schon wieder. Ach, und auch wenn es am Montag nochmal was abwärts gehen sollte...
...so eine einmalige Aktion sollte doch recht schnell "verpuffen"!
Politische Börsen haben kurze Beine. Und dies ist auch so eine Art "politische Aktion". Meiner Ansicht nach Aktionismus, der den Markt aber ohnehin nur kurz beeinflusst.
Schauen wir auf die Fakten: Von den 60 Mio. Barrel sollen 30 Mio. Barrel aus den USA kommen. Ok, da kann man nichts sagen - die Amerikaner haben ihre Öl-Lager randvoll, so sind die großen Lager in Cushing wirklich rappeldicht. Da kann man ruhig mal ein paar Milliönchen Barrel auf den Markt werfen.
Doch wieso beteiligt sich Deutschland an dieser Aktion? Die deutsche strategische Ölreserve soll dazu genutzt werden, die eigene Wirtschaft auch im Fall eines kompletten Wegfalls der Ölimporte für mindestens 3 Monate versorgen zu können. Dies ist eine sinnvolle Absicherung gegen Anschläge und politische Erpressungsversuche. Wieso soll nun ohne Not ein großer Teil dieser Reserve auf den Markt geworfen werden? Wird wahrscheinlich später wieder aufgestockt...zu dann höheren Preisen...
Ist nichts Neues. Wissen Sie was? Dieses Thema hatte ich bereits Anno 2005 schon im Trader´s Daily. Ist höchst interessant, das 6 Jahre später nochmal zu lesen...und diesmal gibt es wieder so eine Aktion. Bevor ich den Text wiedergebe, noch ein Hinweis. So einen "künstlichen" Abtaucher beim Ölpreis empfehle ich zu nutzen...auf der Long-Seite, d.h. auf einen steigenden Ölpreis zu setzen. Mittels Zertifikat habe ich dies gerade getan, bei meinem Dienst Der Rohstoff Performer. Wenn Sie möchten, schauen Sie sich den Dienst an, es gibt eine kostenlose Testmöglichkeit.
Und hier der Rückblick:
*** Im September 2005 titelte ein großes Verblödungsblatt Deutschlands:
„Kanzler, rück den Billig-Sprit raus!"
Hintergrund damals war: Die deutsche Regierung wurde aufgefordert, die deutsche strategische Erdölreserve freizugeben.
Es ist so: Deutschland hat eine strategische Ölreserve angelegt, in Höhe von 25 Millionen Tonnen. Diese Reserve soll dann genutzt werden, wenn die Ölzufuhr z.B. aufgrund eines Terroranschlags oder eines Erpressungsversuchs der OPEC nicht gesichert ist. Diese strategische Ölreserve würde in einem solchen Fall sicherstellen, dass die deutsche Wirtschaft für mindestens 3 Monate auch ohne Ölimporte weiterarbeiten könnte. Wenigstens in diesem einen Bereich wurde vorgesorgt, hier haben verantwortungsbewusste Politiker nach dem Vorsichtsprinzip das Wohl der Volkswirtschaft im Sinn gehabt.
Im September 2005 hatte es einen Hurrikan im Süden der USA/Golf von Mexiko gegeben, der Ölpreis war etwas gestiegen, auf damals rund 50 Dollar. Entsprechend war auch der Benzinpreis in Deutschland etwas gestiegen.
Aufgrund dieser Entwicklung forderte damals das Verblödungsblatt, nun die strategischen deutschen Ölreserven komplett auf den Markt zu werfen. Das zusätzliche Angebot würde den Erdölpreis wieder drücken, so die Begründung.
Dieser unsinnige Vorschlag hat mich schon damals aufgeregt!
Ok, das zusätzliche Angebot würde den Benzinpreis vielleicht um 2 oder 3 Cents fallen lassen, für einige Wochen. Doch was dann?
Damals schrieb ich im Trader´s Daily:
"Nach einigen Wochen, vielleicht auch schon nach einigen Tagen, wäre der Effekt verpufft. Die deutschen Erdölreserven aber hätten sich in Luft aufgelöst. Und wenn sie wieder aufgefüllt werden würden, dann müsste mit Sicherheit mehr bezahlt werden, als zuvor für sie erlöst worden ist. Denn es ist ja nicht so, dass der Ölpreis wieder deutlich sinken wird."
"Machen wir uns nichts vor: Es ist nicht der Hurrikan im Süden der USA/Golf von Mexiko, der für die hohen Benzinpreise verantwortlich ist. Das ist die Spitze des Eisbergs. ´Schuld` ist die dauernd steigende Nachfrage aus China (und Indien, Thailand, Singapur ...). Es geht hier - wieder einmal - um das Gesetz von Angebot und Nachfrage, und um nichts anderes. Und dieses Gesetz ist nicht korrumpierbar. Man weiß mit ihm, woran man ist."
Ich nannte dann einige Zahlen, z.B. zu den chinesischen Erdöl-Importen, und kam zu dem Schluss, dass der Erdölpreis weiter steigen würde. Deshalb bloß die deutschen strategischen Erdöl-Reserven nicht anrühren, und diese ohne Not bei einem Ölpreis von 50 Dollar je Barrel auf den Markt werfen!
Es kam leider anders.
Das Verblödungsblatt stellte seine Forderung, und vielleicht im Glauben, damit Volkes Forderung zu erfüllen, warf die deutsche Regierung einen Teil der deutschen strategischen Erdölreserve tatsächlich auf den Markt.
Messbarer Erfolg?
Beim Ölpreis für mich nicht feststellbar.
Kosten für die Bundesrepublik Deutschland?
Die strategischen Erdölreserven mussten wieder aufgefüllt werden. Und zwar zu einem höheren Preis als dem Verkaufspreis. Verkauft worden war zu rund 50 Dollar je Barrel.
Gekauft wurde zu höheren Preisen - heute wären wir froh, wenn wir zu 50 Dollar je Barrel kaufen könnten.
Soviel zum Thema populistische Forderungen, welche wider besseres Wissen die Wahrheit außen vor lassen.
In diesem Sinne - schönes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Juergen Sander (24.06. 2011 12:55 Uhr):
Sehr gut Herr Vaupel, aus Ihrem Kommentar lese ich heraus, daß sich sogar die Bundesregierung an dem Verblödungsblatt orientiert. (Wird von mir nicht gelesen) Armes Deutschland
Antworten - Kommentar von Volker Zahn (24.06. 2011 14:46 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, nichts für ungut, aber bei Ihrer Analyse der Schuldigen für den hohen Benzinpreis - nicht zu verwechseln mit dem Ölpreis - haben Sie wohl doch die Macht der großen Konzerne vergessen zu erwähnen. Gerade in den letzten Wochen ist dies ja mal wieder deutlich gesagt worden. Insofern finde ich es erstaunlich, dass dies in Ihrem Beitrag nicht erwähnt wird. Nur wenn Wahrheiten immer wieder publiziert werden setzen sie sich m. E. in den Köpfen fest, was als Ausgangsbasis für eine Änderung nötig wäre. Mit freundlichen Grüßen V. Zahn
Antworten - Kommentar von HOpfer (24.06. 2011 19:28 Uhr):
Sie haben den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen! Anbei eine kleine Wochenendlektüre. Ein kleines Märchen für Erwachsene zum Wochenende Es waren einmal einige befreundete Familien, die nicht weit voneinander in eigenen Häusern wohnten und sich öfters und gerne zu gemeinsamen Veranstaltungen trafen. Das gefiel ihnen so gut, dass sie beschlossen, näher zusammenzurücken und ein gemeinsames Haus zu bauen, in dem jede Familie nach ihrer Größe eine abgeschlossene Wohnung erhält. Entsprechend der Größe der Wohnung musste jede Familie ein entsprechendes Kapital aufbringen, um die gesamten Entstehungskosten zu begleichen. Da alle Familien nicht im Besitz des entsprechenden Kapitals waren, mussten alle somit ein Darlehen bei einer Bank aufnehmen, um das Haus bauen zu können. Durch die gemeinsame Bauplanung und Durchführung konnten die Baukosten erheblich reduziert werden. Als weiterer Vorteil erschien den Betroffenen ihr Darlehen alle bei der gleichen Bank aufzunehmen. Die Bank machte den Vorschlag, die einzelnen Darlehen zusammenzubündeln und das dadurch entstehende Darlehen zu einem besonders günstigen Zinssatz anzubieten, wenn alle Parteien gesamtschuldnerisch auftreten. Aufgrund dieser günstigen Voraussetzung nahm man das Angebot freudig an, da durch die reduzierten Baukosten eine optimale Grundlage für das gemeinsame Haus gegeben war. Da man klugerweise damit rechnete, dass weitere Freunde und Bekannte Gefallen an dem gemeinsamen Haus haben würden, wählte man ein Grundstück, das eine problemlose Erweiterung des Hauses ermöglichte. Also baute man das Haus und die Familien zogen ein. Schon bald meldeten sich Freunde und Bekannte in der Nähe, die das schöne Haus sahen und fragten, ob sie sich denn auch beteiligen könnten. Man erklärte ihnen die Bedingungen. Nachdem sie die Vorteile des Finanzierungskonzepts erkannt hatten, willigten sie freudig ein und es wurden Erweiterungsbauten an dem Haus vorgenommen. So wurde es immer größer und alle waren glücklich und froh. Der Architekt und die Bauunternehmer waren froh, dass sie ihr Geld erhielten und die Bank war froh, dass alle pünktlich ihre Darlehenszinsen und Tilgungen bezahlten. Doch was war das???? Nach einiger Zeit wurde ein Zahlungsausfall bei einem Eigentümer festgestellt. Nachforschungen ergaben, dass der Eigentümer an Krebs erkrankt ist und hohe Krankheitskosten bezahlen muss, da er nicht krankenversichert war. Solidarisch wurden seine Darlehenszahlungen von der Gemeinschaft aller Eigentümer übernommen. Kurz danach wurde wieder ein Eigentümer zahlungsunfähig, weil er sich scheiden ließ und an seine Frau hohe Unterhaltszahlungen leisten musste (Nachteil einer Ehe ohne Ehevertrag!) Auch hier übernahm die Gemeinschaft aller Eigentümer seine Darlehenszahlungen. Einige Zeit später wurde ein Eigentümer arbeitslos und konnte seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Auch hier mussten die Eigentümer seine Darlehenskosten übernehmen. Es war aber nicht der letzte Fall von Zahlungsunfähigkeit, denn ein Eigentümer lebte auf großem Fuß und übernahm sich mit seinen Anschaffungen und seiner Lebensweise. Allmählich wurde den zahlungsfähigen Eigentümern alles zuviel. Nachdem nun sogar einer der bisher zahlungsfähigen Eigentümer Konkurs anmeldete, weil er sich an der Börse verspekuliert hatte, und sich dadurch weiter verschulden musste, brachte dieser Vorfall das Fass zum Überlaufen. Die bisher brav ihre Zahlungen geleisteten Eigentümer weigerten sich, für diejenigen, die nicht mehr zahlen konnten, mit zu zahlen. Von der Darlehensbank wurde ihnen aber schnell klar gemacht, dass sie aufgrund der gesamtschuldnerischen Gestaltung der Darlehensverträge auch für die anderen Eigentümer zahlen müssen. Der Umgangston der Eigentümer wurde zunehmend aggressiver, man grüßte sich nicht mehr und es wurde sogar von ersten Prügeleien geredet. Was war zu tun? Klar, bei Zahlungsunfähigkeit der Betreffenden müssen die Wohnungen versteigert werden. Gesagt getan, großes Interesse bei preiswertem Angebot. Trotzdem konnte keine Wohnung verkauft werden, da den Interessenten klar wurde, dass sie beim Zuschlag auch als gesamtschuldnerische Eigentümer für andere mitzahlen müssen! (Eigentümer von Ferienwohnungen, die als BGB-Gesellschaft ihre in die Jahre gekommenen Wohnungen verkaufen wollen, wissen ein Lied davon zu singen) Folglich blieben die Eigentümer, die zahlungsfähig waren, auf ihren Verpflichtungen sitzen und man hatte sich einen Schrecken ohne Ende aufgeladen. Die Stimmung im gemeinsamen Haus wurde immer unerträglicher und man bedauerte, dass man dieses Haus zusammen gebaut hatte. Damit wäre die Geschichte zu Ende. Da wir aber ein gutes Ende lieben, hat man weiter überlegt, wie man aus dieser Misere herauskommt und man besann sich auf die Worte alter Philosophen, wie z.B. Kant, der darauf verwies, dass es vernünftig sei, sein eigenes Handeln so zu gestalten , als wenn es für die gesamte Menschheit zum Gesetz werden würde. Übertragen auf das von den Eigentümern errichtete Haus, würde, bezogen auf die gesamte Menschheit dies zu einer gewaltigen zwangsweisen Umverteilung der Besitztümer mit den dazugehörigen Gewaltaktionen führen, die keiner will. Somit wurde klar, dass das Verhalten der Eigentümer nicht vernünftig war! Aber wie könnte die Geschichte doch zu einem guten Ende geführt werden? Die einzige Möglichkeit, aus diesem Schrecken ohne Ende herauszukommen, besteht darin, dass der Gläubiger auf die gesamtschuldnerische Haftung verzichtet. Es sind somit Verhandlungen mit dem Gläubiger zu führen mit dem Ziel, die gesamtschuldnerische Haftung zu beenden und mit jedem Eigentümer einen separaten Darlehensvertrag am gemeinsamen Haus auszuhandeln. In diesem Fall ist es auch ohne Probleme möglich, die zur Versteigerung anstehenden Eigentumsanteile zu veräußern und damit wieder zahlungskräftige Nachbarn zu gewinnen. Mit dieser Verfahrensweise würden sich die aufgestauten Probleme von selber lösen und sich die Stimmung im Haus wieder so verbessern, dass man gerne darin wohnt. Die Grundlage für ein gedeihliches Zusammenleben wird somit gelegt. Ein Schelm, wer einen Zusammenhang dieser Geschichte mit der Geschichte einer gemeinsamen Währung vermutet!
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